Diese Verstappen-Aktion schockt Nürburgring-Profis

Fehler bei Reifenanzahl
Verstappen-Team disqualifiziert

24h-Rennen 2026
ArtikeldatumVeröffentlicht am 21.03.2026
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In der Formel 1 war Max Verstappen zuletzt alles andere als glücklich. Er machte keinen Hehl daraus, dass ihm die neue Art zu Rennen zu fahren nur wenige Glücksmomente bescherte. Ganz anders wirkte er auf der Nürburgring-Nordschleife: Dort hinterließ er bei vielen Beobachtern einen bleibenden Eindruck. Bodenständig, mit klarem Fokus auf den Spaß, fuhr er nicht nur die Pole-Position ein, sondern sicherte sich auch den Gesamtsieg.

Rund zwei Stunden später folgte allerdings Ernüchterung. Man musste eine Disqualifikation hinnehmen, weil dem Einsatzteam Winward Racing ein Fehler unterlief. Statt der erlaubten sechs Sätze Reifen nutzte man sieben Sätze. Das stellte sich erst nach dem Rennen bei der routinemäßigen Auswertung der Tyre App heraus, wo die Reifensätze angegeben werden müssen. Den Sieg erbten Dan Harper und Jordan Pepper im BMW M4 GT3 von Rowe Racing.

Wer sich in der Nordschleifen-Szene auskennt, weiß: Das hat nichts mit Vorsatz zu tun, sondern über die spezifischen Regeln stolperten schon öfter Teams, die nicht regelmäßig in der Eifel am Start sind. So auch Winward Racing, die den ersten Einsatz als Mercedes-AMG Performance Team in der NLS hatten. "Wir werden den Tag nun genau analysieren, uns akribisch auf die weiteren Läufe vorbereiten und mit voller Konzentration auf die ADAC RAVENOL 24h Nürburgring hinarbeiten", sagte Teamchef Christian Hohenadel.

Natürlich dürfte diese Nachricht Verstappen nicht schmecken. Doch man kann davon ausgehen, dass er seine Runden in der Grünen Hölle trotzdem voll genossen hat und auch mit diesem Flow aus dem Wochenende rausgeht. Den meisten Nürburgring-Profis blieb ohnehin etwas anderes als die Performance des Weltmeisters in Erinnerung: Verstappen war am Freitagabend ein Teil der NLS-Familie. Der Niederländer ließ sich nicht wie im Vorjahr ein individuelles Briefing geben, sondern marschierte wie alle anderen Teilnehmer der Nürburgring Langstrecken-Serie pünktlich um 19.30 in die Fahrerbesprechung für englischsprachige Teilnehmer und setzte sich in den großen Saal im Boxengebäude und lauschte den Worten von NLS-Sportleiter Christian Vormann. Dafür zollten ihm viele andere Stamm-Piloten Respekt.

Das zeigt: Obwohl der Hype um seine Person groß ist, will er auf der Nürburgring-Nordschleife nur einer von vielen sein. Trotzdem wurde sein Auftritt zur großen Attraktion für die Fans. Während es bei den Testfahrten am Freitag noch recht ruhig zuging, gab es am Samstagmorgen vor dem Zeittraining schon lange Staus und Verkehrschaos rund um den Nürburgring. Darunter natürlich viele Niederländer, die einen Ausflug in die Eifel machten. Insgesamt waren über 25.000 Zuschauer rund um Nordschleife und GP-Strecke unterwegs.

Auto von Fans umzingelt

Das machte sich auch in den Boxen der Teams bemerkbar. Die Besonderheit in der NLS: Hier kann jeder mit einem Fahrerlager-Ticket den Profis beim Schrauben in der Garage über die Schulter schauen. Der Andrang war jedoch so groß, dass es hier und da etwas eng wurde. Die Startaufstellung, die ebenfalls für die Fans zugänglich ist, setzte dem ganzen die Krone auf. Verstappens Mercedes-AMG GT3 mit der Startnummer 3 war in der Menschenmenge kaum mehr zu erkennen. Zu seinem eigenen Schutz hatte er deshalb wie schon beim letzten Mal Bodyguards dabei.

Max Verstappen - Mercedes - Nürburgring-Nordschleife - 21. März 2026
Stefan Baldauf / SB-Medien

Auch sein Vater Jos weilte in der Eifel und beobachtete nach Verstappens erstem Rennen mit dem Ferrari 296 GT3 dieses Mal das Debüt mit dem Mercedes-AMG GT3 auf der Nordschleife vor Ort. Verstappen absolvierte am Freitag tatsächlich die ersten Kilometer in diesem Auto in der Grünen Hölle. Es überraschte nicht, dass er direkt die erste Pole mit einer Zeit von 7.51,751 Minuten holte – auch wenn die kühlen, trockenen Bedingungen günstig waren und er eine Runde mit wenig Verkehr erwischte. Kurz danach spielte ihm eine Code-60-Phase in die Karten, so dass die Konkurrenz keine Chance hatte, sich weiter zu verbessern.

"Du brauchst hier mit Verkehr immer ein bisschen Glück und ich hatte wenig Verkehr. Es war, glaube ich, die einzige Runde ohne Code 60", sagte er. "Ich mag die GT3-Autos und das Gefühl hier auf dieser Strecke zu fahren, ist besonders."

Episches Duell Verstappen vs. Haase

Im Rennen lieferte sich Verstappen zu Beginn ein wildes Duell mit Audi-Pilot und Nordschleifen-Routinier Christopher Haase. Zwar konnte sich der Formel-1-Profi am Start durchsetzen, doch am Ende der ersten Runde ging Haase auf der langen Geraden auf der Döttinger Höhe vorbei. Verstappen war stets in Schlagdistanz, klopfte im Überrundungsverkehr sogar einmal am Heck des Audi R8 LMS an, schaffte es aber nicht, vorbeizugehen. Zumal er einmal in eine Gelb-Phase kam, die Haase erst gar nicht erwischte. Bis Verstappen schließlich am Ende seines Stints auf den letzten Metern zum Manöver gegen Haase vor der Hohenrain-Schikane ansetzte und die Führung übernahm, um nur kurz darauf an die Box abzubiegen.

Max Verstappen - Mercedes - Nürburgring-Nordschleife - 21. März 2026
Stefan Baldauf / SB-Medien

Wie war sein Spaßfaktor auf einer Skala von 1 bis 10? "Der erste Stint mit Christopher Haase war definitiv eine 10", sagte Verstappen gegenüber auto motor und sport zum Zeitpunkt vor der Disqualifikation. Was sich viele Beobachter fragten: Hat er wirklich das Heck des Audi von Haase berührt? "Es war eng", sagte er und grinste verschmitzt. Haase hat besonders viel Erfahrung bei dem kniffligen Thema Überrundungen und möglichst schnell durch den Verkehr an den langsameren Autos vorbeizukommen. Aber auch Verstappen lernt schnell dazu: "Ich habe natürlich weniger Erfahrung als die anderen. Aber es war positiv, dass ich heute wieder viel mitbekommen habe – gelbe Flaggen, Code 60. Da ist das Prozedere mit einem anderen Auto wieder anders." Neben dem Thema Fahren im Verkehr stand bei diesem Rennen auch das Üben von Boxenstopps auf dem Programm, dass man konsequent im Training durchzog.

Noch ein Verstappen-Gastspiel?

"Der Spaßfaktor war das Wichtigste", sagte Mercedes-AMG Kundensportleiter Stefan Wendl noch bevor die Disqualifikation bekannt wurde. "Und Spaß hatte er definitiv. Er war auch voll in das Team mit den anderen Fahrern integriert und hat den anderen mit mehr Nordschleifen-Erfahrung zugehört." Nach starken Stints seiner Nordschleifen-Fahrerkollegen Dani Juncadella und Jules Gounon setzte sich Verstappen für die letzte halbe Stunde selbst noch einmal ins Auto und brachte den Mercedes-AMG GT3 schließlich als Erster mit 59.524 Sekunden Vorsprung vor dem Rowe-BMW und dem Falken-Porsche über die Ziellinie – bis zur Disqualifikation.

Das nächste Rennen der NLS findet am 11. April statt, bei diesem Lauf hat Verstappens Team aber eine Überschneidung und kann nicht vor Ort sein. Die nächste Gelegenheit ergibt sich durch die Absage des GP Saudi-Arabien für das 24h-Qualirennen vom 17. bis 19. April, das auch als vierter und fünfter Lauf der NLS zählen wird. "Ich hoffe, dass ich da mitfahren kann, es ist aber noch nicht entschieden", sagte er.

Fazit