Am Ende war es ein Sturm im Wasserglas. Die Formel 1 hat mal wieder gezeigt, dass auch kleine Geschichten große Wellen schlagen können. In Falle des Mercedes-Frontflügels war die ganze Aufregung jedoch umsonst. Den großen Technik-Trick, den alle hinter dem sonderbaren Verhalten vermutet haben, gibt es nicht.
Was war passiert? Ein paar Tage nach dem Grand Prix von China war der Konkurrenz bei der Analyse der TV-Aufnahmen vom Mercedes aufgefallen, dass sich der Frontflügel-Flap beim Zurückstellen vom Geraden-Modus in den Kurven-Modus nicht wie vom Reglement vorgesehen ruckartig in einem Schritt hochklappt. Stattdessen schien die Bewegung in zwei Stufen zu verlaufen.
Der Blick ins Regelbuch offenbarte außerdem, dass der Flap bei der Verstellung nur 400 Millisekunden in Bewegung sein darf. Das hatte bei Mercedes deutlich länger gedauert. Während einige Ingenieure noch darüber spekulierten, was für einen positiven Nutzen das verzögerte Hochklappen haben könnte, kontaktierte Ferrari laut der italienischen Webseite "autoracer.it" direkt die FIA.
Unbeabsichtigte Verzögerung
Die Scuderia-Verantwortlichen wollten von den Regelhütern eine Klarstellung, warum das Verhalten des Mercedes-Frontflügels als legal eingestuft wird, wenn das technische Reglement doch ganz andere Vorgaben macht. Vor Ort war das außergewöhnliche Verhalten des Mercedes-Flügels aber niemandem aufgefallen – weder der FIA noch der Konkurrenz. Und für einen Protest war es längst zu spät.
Um den Streit nicht weiter ausarten zu lassen, lieferte Mercedes in Suzuka die Erklärung für das Flügel-Phänomen. Es habe sich einfach um einen Fehler gehandelt, erfuhr "the-race.com" aus dem Umkreis des Silberpfeil-Teams. Es war demnach nie beabsichtigt, den Flügel nicht in einer ruckartigen Bewegung nach oben klappen zu lassen. Stattdessen hatten sich die Ingenieure einfach verrechnet, welche Kraft für die Verstellung benötigt wird.
Am Ende lag einfach zu wenig Hydraulik-Druck an, um den Flap am Ende der Geraden in die Normalstellung zu bringen. Das obere Flügel-Element blieb quasi auf halbem Weg stehen. Erst als die Geschwindigkeit vor der Kurve immer weiter abnahm, reichte die Kraft irgendwann aus, um den Flap in seine endgültige Position zu bringen.

In Shanghai lag nicht genug Hydraulik-Druck an, um den Flap am Ende der Geraden in einem Ruck nach oben zu drücken.
Kein Vorteil, keine Strafe
Laut Mercedes sei das Problem schon in der Qualifikation aufgetreten. Weil George Russell im Cockpit sofort merkte, dass etwas nicht stimmt, drängte er noch während der Session auf einen Wechsel des Frontflügels. Zum Rennen am Sonntag versuchte Mercedes das Problem mit einigen Nachbesserungen zu beheben, was aber nicht vollständig gelang. Am Doppelsieg von Kimi Antonelli und George Russell änderte das aber nichts.
In der Pause zwischen Shanghai und Suzuka arbeiteten die Ingenieure in Brackley fieberhaft an einer Lösung, um die Flügelverstellung robuster auszulegen, damit sich die Probleme nicht noch einmal wiederholen. Die FIA entschied sich, in diesem Punkt nicht einzuschreiten. Erstens konnte Mercedes glaubhaft versichern, dass keine Absicht vorlag. Zweitens legten die Ingenieure dar, dass die ungewollte Verzögerung gar keinen Vorteil brachte – ganz im Gegenteil.
Für Mercedes gab es somit keine Konsequenzen. Ein vergleichbarer Fall muss beim nächsten Mal aber nicht automatisch auch so glimpflich ausgehen. Die FIA ist nun vorgewarnt, sollte doch mal ein Team versuchen, den Verstellmechanismus zu manipulieren, um irgendwie einen Vorteil daraus zu ziehen. Die Schiedsrichter werden in Zukunft also ganz genau hinschauen.












