Formel 1: Toto Wolff: "Kimi muss nochmal in die Fahrschule"

Wolff spottet nach Antonelli-Sieg
„Kimi muss nochmal in die Fahrschule“

GP Japan 2026
ArtikeldatumVeröffentlicht am 29.03.2026
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Kimi Antonelli - Mercedes - GP Japan 2026
Foto: Wilhelm

Dieser Kimi Antonelli wird langsam unheimlich. Nur 14 Tage nach seiner ersten Pole-Position und dem Premierensieg in China wiederholte der Youngster das Kunststück in Suzuka. Mit gerade einmal 19 Jahren ist er nur der jüngste Pilot der Formel-1-Geschichte, der die Fahrerwertung anführt.

Toto Wolff nahm das zum Anlass, um noch einmal auf die gemeinsame Reise zurückzublicken. Mercedes hatte das Talent schon im Alter von 11 Jahren entdeckt. "Als er zum ersten Mal ins Büro von James Allison kam, dachte James, dass es sich um ein Kind handelt, das seine Eltern verloren hat. Jetzt ist er 19 und gewinnt sein zweites Rennen. Wir sind natürlich sehr glücklich mit seiner Entwicklung. Wir haben ihn immer beschützt. Das müssen wir jetzt auch wieder machen, wenn die Leute schon vom WM-Titel sprechen."

Die Fahrt von Pole-Position zum Sieg war in Suzuka allerdings mit einigen Hindernissen gespickt. Nach einem verpatzten Start fiel der Italiener bis auf Rang 6 zurück. "Ich hatte den Finger leider nicht fest genug am Kupplungshebel. Deshalb hat sich die Kupplung schneller gelöst, als ich wollte, und die Reifen haben durchgedreht", ärgerte sich der Teenager. "Die Reaktion war eigentlich gut, aber danach war ich wehrlos. Ich mache mir das Leben selbst schwer. Da muss ich mich verbessern. Es hat aber auch Spaß gemacht, mich danach wieder nach vorne zu kämpfen."

Start - GP Japan 2026
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Beide Fahrer mit Startproblemen

Toto Wolff nahm den Wheelspin auf den ersten Metern zum Anlass, seinem Piloten eine nicht ganz ernst gemeinte Watschen mitzugeben. "Sein Start ist ein bisschen in die Hose gegangen. Da müssen wir wohl nochmal in die Fahrschule gehen, um zu lernen, wie man die Kupplung gleichmäßig loslässt. Die jungen Leute fahren ja heute nur noch Automatik", grinste der Österreicher.

Auch George Russell im zweiten Mercedes kam nicht gut von der Linie weg, verlor aber nicht ganz so viele Positionen. "Wir geben ihnen nicht die optimalen Werkzeuge. Unsere Starts waren alle auf der mittelmäßigen Seite. Das müssen wir verbessern", nahm Wolff sein ganzes Team in die Pflicht. Die Ingenieure gaben später zu, dass Russell auf den ersten Metern von einem technischen Problem eingebremst wurde. Offenbar hatten sich die Bremsen nicht ganz gelöst.

Im ersten Stint lieferten sich die Mercedes anschließend jede Menge Kämpfe mit den McLaren und den Ferrari. Dann bog die Konkurrenz irgendwann zum Boxenstopp ab und überließ den beiden Silberpfeile kampflos die Führung. In dieser Phase fuhr Antonelli die Lücke zu Teamkollege Russell schnell wieder zu.

Safety-Car - GP Japan 2026
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Antonelli-Pace entscheidet

"Als wir entscheiden mussten, wen wir zuerst an die Box holen, war Kimi einfach pfeilschnell. Wir mussten schauen, wen wir eher nach hinten absichern müssen. Da fiel die Wahl auf George. Kimi hat zu diesem Zeitpunkt noch absolute Bestzeiten gesetzt und konnte seinen Stint damit verlängern", berichtet Wolff von den Überlegungen am Kommandostand.

Russell wurde dummerweise genau eine Runde vor dem Crash von Ollie Bearman zum Reifenwechsel gebeten. Antonelli nutzte die anschließende Safety-Car-Phase zum zeitsparenden Stopp. Der Youngster übernahm damit die Spitze. Nach einem gelungenen Restart fuhr er den Sieg dann von vorne souverän nach Hause. Der Vorsprung im Ziel betrug 13,7 Sekunden.

"Der erste Sieg in Shanghai hat einiges an Gewicht von meinen Schultern genommen. Ich bin jetzt relaxter", strahlte Antonelli im Ziel. "Mir ist jetzt auch bewusster, welches Potenzial wir haben. Mit jedem Mal fühle ich mich wohler im Auto. Es ist fast schade, dass jetzt eine Pause kommt, wo wir gerade so gut in Schwung sind. Ich werde sie nutzen, um viele Starts zu üben."

George Russell - Mercedes - GP Japan 2026
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Russell verliert Podium schuldlos

Russell musste sich dagegen mit Rang vier begnügen. Der Brite litt im Rennen immer noch an den Folgen einer Setup-Änderung vor der Qualifikation, die unter Parc-Fermé-Bedingungen nicht mehr korrigiert werden konnte. "Das hat ihn heute sicher Performance gekostet", entschuldigte sich Wolff. "Sein Auto war nicht perfekt. Ohne das Problem wäre es vorne sicher ganz eng geworden."

Nach dem Restart verlor Russell dann auch noch die Positionen gegen die beiden Ferrari. Der Engländer verriet, wie er von der Software genarrt wurde. "Als das Rennen freigegeben wurde, bin ich ans sogenannte Recharge-Limit geraten. Ich konnte die Batterien also nicht mehr laden." Dadurch ging zunächst Lewis Hamilton ohne Gegenwehr am Silberpfeil vorbei.

Wenige Runden später verlor Russell vor der Spoon-Kurve auch noch die Position gegen Charles Leclerc. Wieder war Russell machtlos. Wolff musste sich erneut entschuldigen: "Er hatte einen Fehler in der Software. Wir wollten ihm eigentlich einen Vorteil und mehr Energie geben. Doch dann wurde das Super-Clipping ausgelöst und das Auto hat verlangsamt. Beim Management von Georges Rennen haben wir uns sicher nicht mit Ruhm bekleckert." Russell konnte Hamilton zwar noch einmal einfangen. An Leclerc biss er sich aber die Zähne aus.

Fazit