Das neue Reglement ist noch jung, aber die Teams sind schon fleißig dabei, nach Schlupflöchern zu suchen, um die eigene Performance zu steigern. Wie unsere Kollegen von "the-race.com" berichten, kam am Rande des Rennwochenende von Suzuka heraus, dass Mercedes und Red Bull beim Qualifying mit dem Energie-Management experimentiert haben.
Im Kern geht es um die Nutzung der MGU-K, also den Elektromotor, der direkt an der Kurbelwelle angedockt ist. Normalerweise muss die Leistung dieser Einheit schrittweise reduziert werden. Doch Mercedes und Red Bull haben einen Weg gefunden, die volle elektrische Leistung länger auszuschöpfen, indem sie die Power am Ende einer schnellen Runde abrupt komplett abschalten.
Der Haken: Nach dieser "Notabschaltung" ist die MGU-K für 60 Sekunden gesperrt. Genau dieser Effekt führte zu einigen kuriosen Szenen auf der Strecke. So musste Williams-Pilot Alex Albon im Training von Suzuka beinahe stehen bleiben. Auch Kimi Antonelli und Max Verstappen kämpften mit plötzlichem Leistungsverlust in schnellen Passagen.

Red Bull und Mercedes haben den neuen Quali-Trick bereits ausprobiert.
Hybrid-Trick nicht ohne Risiko
Die Ursache liegt in einer Kettenreaktion. Fällt die elektrische Unterstützung weg, sinken Drehzahl und Ladedruck des Turbos stark ab, besonders, wenn die Fahrer nach einer schnellen Runde deutlich verlangsamen. Ohne die elektrische Unterstützung durch die MGU-K entsteht ein massives Turboloch, das sich nur schwer wieder ausgleichen lässt.
Viele Fahrer reagieren in diesen Fällen instinktiv falsch. Statt sanft Gas zu geben, um den Ladedruck wieder aufzubauen, treten sie stärker aufs Pedal, was jedoch keine Wirkung zeigt. Im schlimmsten Fall bleibt nur das Warten, bis die 60-Sekunden-Sperre abläuft und die volle Leistung zurückkehrt.
Wie groß der Performance-Vorteil bei Anwendung des Tricks ist, lässt sich nur schwer abschätzen. Zwar bleibt die insgesamt verfügbare Energiemenge gleich, doch durch die aggressive Nutzung der Elektro-Power am Ende der Runde lässt sich wohl ein minimaler Zeitgewinn erzielen. Vor allem auf Strecken mit längerer Vollgaspassage bis zur Ziellinie, wie es in Suzuka der Fall ist, kann sich das lohnen.

Die Anwendung des Tricks hat ihre Tücken.
FIA wegen Unfall-Risiko alarmiert
Allerdings bringt die Strategie Risiken mit sich. Die Zwischenfälle in Japan haben gezeigt, dass es in ungünstigen Situationen schnell kritisch werden kann. Durch die hohen Geschwindigkeitsunterschiede auf der Strecke steigt die Unfallgefahr.
Laut "the-race.com" hat die FIA deshalb bereits Kontakt mit mindestens einem Team aufgenommen. Zwar bewegt sich die Technik aktuell im Rahmen des Reglements, doch die Anwendung war so nicht vorgesehen. Vor allem mögliche Sicherheitsrisiken könnten die Verantwortlichen dazu bewegen, künftig einzugreifen.
Angeblich hat sich auch Ferrari beschwert. In Maranello sieht man den aktuellen Fall als weiteres Beispiel dafür, wie Grauzonen im Reglement gezielt ausgenutzt werden. Ob Ferrari selbst bereits an einer ähnlichen Lösung arbeitet, ist unklar. Fest steht jedoch: Alle Motorenhersteller haben das Thema inzwischen auf dem Radar.
Mercedes verzichtete nach den Vorfällen in Suzuka offenbar darauf, den Trick weiter einzusetzen. Intern soll es Zweifel geben, ob der geringe Performancegewinn die möglichen Auswirkungen wirklich rechtfertigt. Noch ist offen, ob es nur eine kurze Randnotiz bleibt, oder ob der Trick nach weiterer Entwicklung und besserem Verständnis der Technik in Zukunft noch häufiger zum Einsatz kommt.












