Mick Schumacher hat es am schwersten. Zwar ist der Deutsche einer von insgesamt drei Rookies, die am 1. März ihr erstes IndyCar-Rennen bestreiten. Aber die beiden anderen Piloten seines Jahrgangs bringen deutlich mehr Erfahrung mit. Foyt-Fahrer Caio Collet und Coyne-Racer Dennis Hauger entstammen der Nachwuchsliga Indy NXT, welche ebenfalls Ovale befährt.
Dass Schumacher trotz dieser Wissenslücke nach dem Eingrooven am Dienstag beide bereits Mittwochmorgen überflügelte und dabei sogar noch Reserven hatte, dürfte Selbstvertrauen spenden. Schon am Vortag gab er sich in einem YouTube-Format der Serie ambitioniert: "Natürlich habe ich die Extra-Session für uns Rookies dankend mitgenommen. Allerdings gefällt mir die Bezeichnung nach so vielen Jahren im Sport nicht. Das ging mir bereits in Le Mans auf die Nerven."
"Deswegen verweigere ich, diese Saison als Rookie-Jahr abzustempeln. Das würde ja bedeuten, dass ich mir Rookie-Fehler erlauben könnte. Wir sind hier, um einen Job in einer anspruchsvollen Serie abzuliefern." Insgesamt kann Mick nun auf drei Ovaltesttage zurückblicken. Die wichtigste Erkenntnis fand er hinsichtlich seines Mindsets.

Als Fan von intensivem Feedback steht Mick Schumacher ständig im Austausch mit den Ingenieuren von Rahal Letterman Lanigan.
Mehr Wertschätzung für Ovale
"Ich muss lernen, mich in diesem Umfeld zu entspannen. Normalerweise bin ich so angespannt im Auto und will es auf eine besondere Art fühlen. Diese Umstellung fällt mir wirklich schwer, es ist einfach seltsam. Das Ziel wird sein, dass es sich über das Jahr hinweg entwickelt." Nach dem eher weiten, steilen Oval des Homestead-Miami Speedway Anfang des Monats brachte der kompakte Phoenix Raceway eine neue Perspektive.
"Es fühlt sich hier so winzig an. Die Kurven kommen schnell nacheinander und die Überhöhung ist flacher sowie unstetiger. Ich verstehe jetzt die Aussage, dass jedes Oval anders ist, andere Techniken braucht", resümierte der Neuling. Obwohl die Teamkollegen bei Rahal Letterman Lanigan naturgemäß besseres Feedback geben, sieht er sich nicht ignoriert.
"Wir haben einen Plan aufgestellt, den wir so gut wie möglich erfüllen wollen. Durch diesen kann ich mein Wissen aufstocken. Hier geht es um Faktoren wie die Gewichtsverschiebung im Auto und die zahlreichen Dämpfereinstellungen." Speziell die Dämpfer werden ein Schlüssel zum Erfolg. Während Chassis und Motor Einheitsteile sind, können die Teams hier noch selbst Hand anlegen.

Der Phoenix Raceway gehört zu den bekanntesten Ovalen der USA, ist durch seinen asymmetrischen Aufbau allerdings einmalig. Die erste Kurve verläuft eher eckig als rund.
Etliche Unbekannte, demütiger Start
Dass seine Zeiten am Dienstag abgeschlagen waren, machte Schumacher keine Sorgen. Die beste persönliche Runde (21,950 Sekunden) reichte für den 23. von insgesamt 25 Plätzen. Nur Romain Grosjean, der kurzfristig vom Hinterbänkler Coyne verpflichtet wurde, und der leicht verunfallte Caio Collet mussten sich unter ihm einreihen.
"Wir haben uns darauf fokussiert, das Auto in ein gutes Fenster für den Mittwoch zu bringen. Natürlich hätte ich meinen Namen gerne höher auf dem Tableau gelesen. Solange das Team happy ist, passt es. Außerdem gibt es nun Verkehr auf der Strecke und die Firestone-Reifen, die sich gar nicht mit den Pirelli oder Michelin vergleichen lassen, die ich so kenne."
Am Mittwoch ergänzte er gegenüber dem Szene-Journalisten Marshall Pruett: "Wir kommen gut im Plan voran. Diese Strecken haben Respekt verdient, Übereifer bringt gar nichts. Man kann es sich auch nicht so vorstellen, dass man sich in neuen Rennautos fremdfühlt. Es beinhaltet immer eine gewisse Normalität, aber die Details machen es aus. Hier gibt es Besonderheiten, wie das Herunterschalten unter Vollgas."

Bislang jagte Schumacher quasi inkognito um die Kurven. Kommende Woche erhält das Batmobil eine deutlich buntere Optik.
Gutes Gefühl trotz Abstand zur Spitze
Im Anschluss an den soliden Mittwochmorgen, welcher Schumacher eine Zeit von 21,040 Sekunden und Rang 16 brachte, wurde es reichlich zäh. Ein Regenschauer klaute rund eine Stunde Testzeit. Dann stoppte unter anderem ein Unfall von Marcus Ericsson (Andretti) den Betrieb. Fiese Winde und Tröpfchen ließen die Frage aufkommen, wohin das sonst gute Arizona-Wetter geflohen sei.
Die schnellste Zeit des Nachmittags und damit beider Tage auf dem Einmeiler gelang Alexander Rossi. Der Rookie-Sieger des Indy 500 2016 quetschte 20,625 Sekunden aus seinem Carpenter-Chevrolet. Mick Schumacher beließ es bei langsameren 21,507 Sekunden. Aussagekräftiger ist seine Gesamtdistanz. Weit über 140 Runden machten den Deutschen zu einem der Fleißigsten.
Die Frage nach seinem Ausblick auf das erste Saisonrennen in St. Petersburg am 1. März beantwortete Schumacher so: "Ich war jetzt zweimal zum Testen in Florida – erst auf dem Oval von Homestead und dann auf der Kurzanbindung von Sebring. Jetzt wird es auch Zeit für ein Rennen!" Am Samstag darauf folgt dann das Oval-Renndebüt im nun bekannten Phoenix. Deutsche Fans können beides bei den Bezahlsendern Sky und Motorvision TV verfolgen.












