Nyck de Vries & Jost Capito - GP Italien 2022 xpb
Nyck de Vries - Monza - GP Italien 2022
Safety-Car - Monza - GP Italien 2022
Max Verstappen - Monza - GP Italien 2022
Charles Leclerc - Monza - GP Italien 2022 22 Bilder
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Zukunft von Nyck De Vries: "Nicht nur Leistung zählt"

De Vries mit Bewerbung für 2023 „Geht nicht nur nach Leistung“

GP Italien 2022

Nyck de Vries hat sich mit seiner Glanzleistung in Monza für ein Stammcockpit in der kommenden Saison empfohlen. Doch bei Williams und Alpine will man sich mit der Entscheidung noch etwas Zeit lassen. Der Pilot nimmt die Hängepartie gelassen.

Dass Nyck de Vries eines der größten Nachwuchstalente im Motorsport ist, war schon vor dem Rennwochenende in Monza klar. Den Formel-2-Titel hatte der Niederländer 2019 mit großem Vorsprung eingefahren – damals übrigens vor seinem heutigen Williams-Konkurrenten Nicholas Latifi. Die Meisterschaft in der Formel E gewann der Mercedes-Werkspilot nur zwei Jahre später.

Trotzdem steht der 27-Jährige aktuell noch ohne Cockpit für 2023 da. Vor dem Italien-Grand-Prix gingen die meisten Experten davon aus, dass De Vries in der kommenden Saison weiter in der Formel E an den Start gehen wird. Angeblich hat Neueinsteiger Maserati großes Interesse an dem Talent aus dem 350-Seelen-Dorf Uitwellingerga. Doch der Pilot will natürlich lieber in die Königsklasse aufsteigen.

Die Vorstellung in Monza dürfte die Chancen dazu deutlich verbessert haben. De Vries wurde auf der Highspeed-Strecke ins kalte Wasser geschmissen und musste schnell das Schwimmen lernen: "Am Samstag um 11 Uhr kam die Nachricht, dass Alex (Albon) wohl eine Blinddarmreizung hat. Im Krankenhaus hat sich dann herausgestellt, dass es etwas mehr ist und sofort operiert werden muss. Wir mussten Nyck aus dem Paddock Club holen, wo er gerade unsere Gäste unterhalten hat", erinnert sich Williams-Teamchef Jost Capito.

Nyck de Vries - Aston Martin - Formel 1 - GP Italien - Monza - 9. September 2022
Jerry André
Im ersten Training saß Nyck de Vries noch im Aston Martin. Dann ging es in den Williams.

Neuland für De Vries

Der Ersatzmann präsentierte sich wie ein alter Hase: "Nach wenigen Runden im dritten Training ist er durch die erste Quali-Runde gekommen und war dann auch im Rennen absolut fehlerfrei", lobte Capito seinen Schützling. "Man hat gesehen, dass er nicht nur schnell ist, sondern auch die nötige Rennintelligenz besitzt. Er musste verteidigen, er musste angreifen, er musste einen Boxenstopp durchführen – das war alles absolut neu für ihn. Er hat alles richtig gemacht."

Belohnt wurde die Glanzleistung am Ende mit zwei WM-Punkten und viel Lob von den Experten im Fahrerlager. Der Debütant selbst zog ebenfalls ein zufriedenes Fazit: "Es hat auf jeden Fall viel Spaß gemacht. Wichtig war vor allem der Start und eine saubere erste Runde. Ich habe schnell in meinen Rhythmus gefunden, die Pace war sehr gut. Auch die Strategie hat gepasst. Natürlich haben uns einige Strafen und Ausfälle der anderen geholfen, aber ich denke, dass wir uns die Punkte verdient haben."

So entspannt, wie es von außen aussah, war die Sache im Cockpit dann aber doch nicht. Vom Kommandostand aus fieberte Capito mit seinem neuen Angestellten mit: "Der Ingenieur hat ihm zwischendurch neue Einstellungen gegeben. Da musste Nyck erstmal nachfragen, wie das geht. Insgesamt hat man ihm aber keine Nervosität angemerkt. Obwohl er innerlich sicher nervös war. Er hat das so professionell abgespult, als hätte er nie was anderes gemacht als Formel 1 zu fahren."

Nyck de Vries - Monza - GP Italien 2022
Motorsport Images
Die zwei WM-Punkte bei der F1-Premiere wurden vom ganzen Team ausgiebig gefeiert.

Beste Chance bei Williams

Nach 53 Runden wurden der Teamchef und sein Pilot schließlich von der Zielflagge erlöst: "Als er zwischendurch hinter anderen Autos feststeckte, wollte ich ihm schon über Funk sagen: Nyck, Du musst hier nicht auf den Fanboost warten. Den gibt es hier nicht!" De Vries selbst war nach der Zieldurchfahrt nicht zu Scherzen aufgelegt. Die Strapazen des Rennens waren so groß, dass er sogar die Hilfe seiner Mechaniker in Anspruch nehmen musste, als er sich mit tauben Schultern aus dem Cockpit quälte.

Die große Frage lautet nun, ob die starke Leistung ausgereicht hat, um eines der begehrten F1-Cockpits für 2023 zu ergattern. Neben Williams soll auch Alpine Interesse haben. Noch vor dem Rennen in Singapur will die Equipe Testfahrten in einem alten Auto durchführen – neben dem eigenen Junior Jack Doohan sollen auch US-Boy Colton Herta und Nyck de Vries dabei sei, um ihr Talent unter Beweis zu stellen.

Beim französischen Werksteam soll De Vries aber nicht ganz oben auf der Liste stehen. Noch immer ist die Hoffnung auf einen Wechsel von Pierre Gasly da. Bei Haas, wo ebenfalls noch ein Platz frei ist, hat De Vries nur Außenseiterchancen. Teamchef Guenther Steiner will nach der Erfahrung von 2021 so schnell eigentlich keine Rookies mehr einsetzen.

De Vries selbst versuchte seine Euphorie nach der Monza-Vorstellung zu zügeln: "Die Leistung hat gepasst. Aber das wird ja auch von einem erwartet. Immer wenn man im Auto sitzt, ist das eine Art Bewerbungsschreiben. Man muss diese Gelegenheiten nutzen. Aber man muss dabei auch vernünftig bleiben. Man darf nicht zu viel wollen. Leider bin nicht ich derjenige, der über die Fahrerpaarung entscheidet. Die Formel-1-Welt ist immer in Bewegung. Dabei geht es nicht immer nur um die Leistung."

Nyck de Vries - Williams - Formel 1 - GP Italien - Monza - Qualifikation - 10.9.2022
Wilhelm
Wenn es nach Leistung geht, hat Nyck de Vries beste Karten auf das Williams-Cockpit für 2023.

Latifi hält Druck nicht stand

Sein Vorgänger bei Williams, George Russell, konnte die Teamführung damals mit einer formalen Bewerbung überzeugen, in der er selbstbewusst die eigenen Qualitäten aufzählte. "Vielleicht sollte ich auch mal eine Power-Point-Präsentation vorbereiten", grinste De Vries. "Dieses Debüt kann mir auf jeden Fall keiner mehr nehmen. Egal, was in der Zukunft passiert, ob ich hier bin oder nicht, ich kann immer stolz auf meine ersten Momente in der Formel 1 zurückblicken."

Capito lobte nach dem Rennen von Monza nicht nur die fahrerischen Talente. "Nach außen ist Nyck ein Sunnyboy. Aber er kann auch knallhart sein und das Team pushen. Das ist eine gute Kombination." Für Nicholas Latifi wird es dagegen sehr eng. Nach der Niederlage gegen den Neuling spricht wohl nur noch das Sponsoren-Paket für den Kanadier.

Der Teamchef zeigte Verständnis, ordnete die Leistung Latifis aber auch kritisch ein: "Für Nicholas ist es natürlich extrem schwierig, wenn er einen neuen Teamkollegen bekommt, der dann direkt schneller ist. Das war ein extrem großer Druck für ihn. Aber als Formel-1-Fahrer muss man mit dem Druck umgehen können. Es gibt nur 20 Plätze und die gehen an die besten Piloten."

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