Bei Mercedes glaubte man zunächst an einen Irrtum, als Pirelli die Liste mit den Startreifen der Konkurrenz an den Kommandoständen verteilte. Doch dann starteten tatsächlich sieben von 22 Autos auf den Intermediates. Regen war aber schon vor der ersten von insgesamt drei Einführungsrunden nicht mehr in Sicht. Nasse Stellen auf der Strecke suchten die Piloten vergeblich.
Die Frage lautete, wie es zu diesem Fehler kommen konnte. Die genannten Teams redeten sich am Ende damit heraus, dass es zum Zeitpunkt der Reifenwahl gerade etwas stärker begonnen hatte zu nieseln. Die Wettervorhersage war just in diesem Moment nicht ganz eindeutig. Hätte der Niederschlag zugenommen, hätte der Poker aufgehen können.
Bei McLaren traf am Ende das Team die Entscheidung. Bei Audi und bei Williams überließ man den Fahrern die Reifenwahl. Im Cadillac-Lager galt das Motto: Aus der letzten Reihe haben wir sowieso nichts mehr zu verlieren. Egal wie, am Ende sahen alle Intermediate-Starter ziemlich dumm aus. Sie mussten nach wenigen Metern direkt wieder die Boxen ansteuern, um sich Slicks abzuholen.

Otmar Szafnauer ist nie um eine verrückte Anekdote aus seiner Zeit als Teamchef verlegen.
Käfer sagt Wetter voraus
Das Problem von schwammigen Wetterprognosen ist nicht neu in der Formel 1. Trotz Regenradar und Informationen von Wetterstationen im Umkreis der Strecke werden Teams immer wieder auf dem falschen Fuß erwischt.
Ex-Teamchef Otmar Szafnauer thematisierte in der aktuellen Folge seines "High Performance Racing Podcasts" natürlich auch die auf den ersten Blick unverständliche Intermediates-Entscheidung beim Kanada-Grand-Prix. Der US-Amerikaner mit rumänischen Wurzeln gab dabei eine interessante Anekdote aus seiner Vergangenheit zum Besten.
Er erinnerte an Ingenieur Akio Haga, der Szafnauer in seiner Zeit bei Force India, Racing Point und Aston Martin begleitete: "Akio hatte immer einen Juni-Käfer in einer Streichholzschachtel dabei. Wenn der Käfer auf dem Rücken lag, hat sich Regen angekündigt. Wenn nicht, dann blieb es trocken."

Rob Smedley ist bekannt durch seine Arbeit bei Ferrari und Williams. Aber auch an seine Zeit bei Jordan erinnert sich der Ingenieur gerne zurück.
Knieprobleme bei Regen
Damals bekamen die Formel-1-Teams ihre offiziellen Wetterdaten noch vom französischen Wetterdienst "Météo-France", den Szafnauer scherzhaft als "Meteo Chance" bezeichnete, was so viel heißt wie "Meteo Zufall". Auf die Frage, welche Prognosen eher zutrafen, hatte der 61-Jährige eine klare Antwort: "Akios Käfer!"
Ex-Formel-1-Ingenieur Rob Smedley (Jordan, Williams, Ferrari), der ebenfalls zur Stammbesetzung des "High Performance Racing Podcasts" gehört, hatte auch noch eine verrückte Anekdote zum Thema Wetter parat: "Bei Jordan hat Gary Anderson immer gesagt: Wenn eines seiner Knie steif wird, dann fängt es an zu regnen. Ich weiß aber nicht mehr, ob es sein rechtes oder linkes war."





