Formel 1 - Auto - 2022 - 1:1-Modell - GP England - Silverstone xpb
Formel 1 - Auto - 2022 - 1:1-Modell - GP England - Silverstone
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Formel 1 - Auto - 2022 - 1:1-Modell - GP England - Silverstone 30 Bilder

Prototyp vom F1-Auto für 2022: Bilder und Infos

1:1 Modell des F1-Autos für 2022 Das ist die Formel-1-Zukunft!

GP Großbritannien

Die Formel-1-Autos für 2022 sollen die Königsklasse spannender und spektakulärer machen. Jetzt haben die Verantwortlichen in Silverstone einen ersten Prototypen der nächsten Rennwagen-Generation im 1:1-Maßstab vorgestellt. Wir zeigen Ihnen die Bilder und haben letzte Infos.

Schaut man auf die aktuelle Situation in der Königsklasse, dann drängt sich auf den ersten Blick eigentlich kein großer Optimierungsbedarf auf. In den neun Rennen zum Start dieser Saison haben sich die beiden Top-Teams Mercedes und Red Bull an der Spitze ein heißes Duell geliefert. Das breite Mittelfeld, angeführt von McLaren, blieb nicht weit dahinter zurück. Und die Action auf der Strecke konnte sich ebenfalls sehen lassen.

Doch das war erst der Anfang. In der kommenden Saison wird alles noch viel besser werden, versprechen die Formel-1-Bosse. Die Autos der nächsten Fahrzeuggeneration sollen in Sachen Pace noch näher zusammenliegen, was vor allem am Verbot von Flügelelementen und Leitblechen liegt, mit denen der Luftstrom heute noch kunstvoll um das Auto dirigiert werden darf.

Das neue Aerodynamik-Konzept der 2022er Generation soll aber nicht nur das Feld enger zusammenschieben, sondern vor allem das Überholen erleichtern. Der Abtrieb wird um 20 Prozent reduziert. Der Großteil davon wird künftig nicht mehr über Flügel generiert, sondern über den sogenannten "Ground Effect". Riesige Tunnel im Unterboden sorgen für einen Unterdruck, der die Autos an den Asphalt saugt.

Damit hinterlassen die Rennwagen hinter dem Heck deutlich weniger stark verwirbelte Luft. Und sie verlieren durch die einfacher gestalteten Frontflügel auch nicht mehr so viel Anpressdruck, wenn die Anströmung auf mal nicht perfekt ist. Beide Faktoren zusammen sollen dazu führen, dass sich Autos dichter folgen können und dass es zu mehr Zweikämpfen auf der Strecke kommt.

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F1
Das neue Auto für 2022 wurde in einer funkelnden Silber-Look vorgestellt.

Moderner Look für 2022er Autos

Ein weiteres Ziel im Lastenheft der Reglement-Schreiber war ein moderner und aggressiver Look der Autos. Die Endplatten der Frontflügel sind wie Haifischflossen nach hinten gepfeilt, auch die Einlässe der Seitenkästen sind abgeschrägt, wie beim einem Kampfjet, und der Heckflügel, der im oberen Teil ganz ohne Endplatten auskommen muss, zieht sich in einem eleganten Schwung nach innen bis runter zum Diffusor.

Apropos Diffusor: Weil die Luft durch die massiven Kanäle im Unterboden ja irgendwo wieder austreten muss, steigt der hintere Teil des Unterbodens noch früher und steiler an als bei der aktuellen Autogeneration. Die obere Kante ist mit 70 Zentimetern doppelt so hoch. Ein weiteres Aero-Element, das man in dieser Form von den aktuellen Autos noch nicht kennt, sind die L-förmigen Leitbleche über den Vorderrädern, mit denen die Aerodynamiker daran gehindert werden sollen, weiter hinten mit Luftwirbeln die Seitenkästen zu versiegeln.

Die Räder selbst sind natürlich auch ganz neu. Pirelli wagt 2022 endlich den großen Schritt von 13-Zoll-Ballonreifen auf Niederquerschnittsgummis im 18-Zoll-Format. Aus aerodynamischen Gründen werden die Räder im nächsten Jahr auch noch mit Radkappen verkleidet, was ebenfalls zum futuristischen Look des ganzen Autos beiträgt.

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Motorsport Images
Bei der Vorstellung des neuen Autos auf der Zielgerade waren alle F1-Piloten anwesend.

Erstes 1:1-Modell vom 2022er Auto

Damit die Rennwagen nicht immer weiter in die Länge wachsen, sorgt künftig ein neues Limit beim Radstand von 3,60 Metern für kompakte Abmessungen. Im Vergleich zu den 2021er Modellen ergibt das eine Verkürzung von zehn Zentimetern. Gerne hätten die Verantwortlichen noch mehr gekappt, doch die Hybrid-Antriebseinheiten und die riesigen Ladeluftkühler brauchen Platz unter der Haube.

Bisher hatte es vom 2022er Modell immer nur Computer-Bilder, sogenannte Renderings, gegeben. Damit sich die Fans aber ein noch besseres und konkreteres Bild davon machen können, was sie im kommenden Jahr erwartet, wurde jetzt der erste Prototyp im 1:1-Format auf vier Räder gestellt und auf der Zielgerade von Silverstone im Rahmen der 20 Piloten enthüllt.

Die Verantwortlichen zeigten sich sichtlich stolz auf ihr Baby. Seit 2017 haben die FIA und die F1-Experten an dem Reglement für 2022 getüftelt: "Wir wollten natürlich zuerst einmal ein Auto bauen, das gut aussieht. Wir haben viele neue Features eingebaut. Und dann lag das wichtigste Ziel darin, dass es mehr Rad-an-Rad-Duelle auf der Strecke gibt. Natürlich soll der Beste am Ende immer noch gewinnen, aber wir wollen das Feld viel enger zusammenbringen. Die neuen Autos sind diesbezüglich ein riesengroßer Schritt nach vorne, um neue F1-Fans anzulocken und ein gutes Unterhaltungsprodukt zu bieten", erklärt F1-Sportchef Ross Brawn.

Sein FIA-Kollege Nikolas Tombazis stellt noch einen weiteren Aspekt in den Vordergrund: "Wir haben mit den Teams hart daran gearbeitet, die Sicherheit zu verbessern. Ein wichtiger Punkt ist zum Beispiel die Nase, die 50 Prozent mehr Energie absorbieren kann. Die Flanken sind doppelt so gut gegen seitliche Einschläge gesichert. Auch an der Cockpitumrandung und dem Tank haben wir gearbeitet. Und durch den Wegfall der Flügel ist auch die Gefahr deutlich reduziert, dass Teile wegfliegen und auf der Strecke landen."

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Die Fans müssen sich an den neuen Look erst noch gewöhnen. Das wichtigste ist aber, dass die Action stimmt.

Neue Autos kürzer, aber schwerer

Dass die neuen Autos am Ende pro Runde wohl um drei Sekunden langsamer werden, kam bei der feierlichen Präsentation nicht zur Sprache. Je eine Sekunde gehen auf die gekappte Aerodynamik und die neuen Reifen zurück. Eine weitere Sekunde kostet das höhere Gewicht. Die neuen Autos legen ordentlich zu – von 752 auf 790 Kilogramm – was an der erhöhten Zahl an Standardteilen, dem Verbot von teuren Leichtbaumaterialien, den schwereren Rädern und dem aus Sicherheitsgründen verstärkten Chassis liegt.

Fahrbereit ist das nun enthüllte Formel-1-Modell übrigens nicht. Einen Motor ins Heck zu verpflanzen hätte den Kostenrahmen gesprengt. Auf die ersten Fahrbilder müssen die Fans also noch warten, bis sich die Teams im Frühjahr 2022 mit den Neuwagen aus der Deckung trauen. Dann werden wir auch erkennen, wie groß die technischen Spielräume im Reglement sind und wie sehr sich die einzelnen Renner voneinander unterscheiden.

Und wenn wir schon beim Thema Antrieb sind: Auch hier müssen die Hersteller nachrüsten. Die bekannte V6-Turbo-Hybrid Power-Unit wird 2022 mit einem neuen Benzin betrieben, das zu 10 Prozent aus biologischen Bestandteilen bestehen muss. Nach Angabe der Ingenieure fordert die Maßnahme einen kompletten Umbau des Verbrennungsmotors.

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Von den Piloten gab es bei der Vorstellung vor allem Lob. Das Auto muss 2022 zeigen, dass nicht zu viel versprochen wird.

Piloten hoffen auf mehr Zweikämpfe

Die Fahrer, die als erstes einen genaueren Blick auf das neue Auto werfen durften, zeigten sich zufrieden mit der Arbeit der Verantwortlichen. Wir haben einige Stimmen für Sie gesammelt:

Max Verstappen: "Das wird sicher interessant. Es sieht sehr anders aus als das, was wir gewohnt sind. Aber das wichtigste ist, dass wir die Rennaction verbessern und enger gegeneinander kämpfen können."

Lewis Hamilton: "Das wird eine riesengroße Herausforderung, sich an diese neue Generation Autos zu gewöhnen. Wenn wir damit wirklich dichter hinterherfahren und härter gegeneinander kämpfen können, dann wird das sicher toll für die Fans."

Daniel Ricciardo: "Mir gefällt vor allem das Heck. Das sieht fast schon etwas Oldschool aus – wie im Stil von 2008. Die Front ist ganz anders. Daran muss man sich gewöhnen. Aber je länger man sich die anschaut, desto normaler wird es."

Carlos Sainz: "Mir gefällt es vor allem der Teil ab den Vorderrädern bis nach hinten. Es sieht richtig aggressiv aus – aggressiver als die aktuelle Generation. Richtig cool, aber auch einfacher. Ich hoffe natürlich vor allem, dass es die Rennen verbessert."

Charles Leclerc: "Damit wird sich ordentlich was ändern. Wir haben es schon in unserem Simulator ausprobiert. Da konnten wir direkt merken, dass es vom Fahren her ein ganz anderes Auto ist. Ich hoffe natürlich, dass es auch schnell ist und wir damit bessere Rennen bieten können."

George Russell: "Zum ersten Mal sind alle Parteien zusammengekommen, um das Racing zu verbessern. Das können wir als Piloten natürlich nur begrüßen. Früher ist es immer nur darum gegangen, die Autos schneller zu machen. Die Rennen kamen erst an zweiter Stelle. Und jetzt haben wir ein Auto, mit dem wir Piloten richtig kämpfen können. Es dauert noch sechs Monate bis die Wintertests 2022 beginnen, aber ich freue mich jetzt schon darauf. Die Zukunft dieses Sport sieht großartig aus."

In der Galerie zeigen wir Ihnen das nun vorgestellte 1:1-Modell des 2021er Formel-1-Autos im Detail.