Formel 1: Erste Reaktionen: Colapinto schuld am Bearman-Crash?

Bearman-Unfall vermeidbar
Colapinto schuld am Haas-Crash?

GP Japan 2026
ArtikeldatumVeröffentlicht am 29.03.2026
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Ollie Bearman - Haas - GP Japan 2026
Foto: Kym Illman via Getty Images

Als Ollie Bearman in Runde 22 zum Überholmanöver ansetzte, hätte sich der Brite wohl nicht vorstellen können, dass der Angriff im größten Crash seiner Formel-1-Karriere enden würde. Der Haas-Pilot versuchte Franco Colapinto in Kurve 13 mit Hilfe des Boost-Knopfs zu überraschen. Während sein Gegner in den Energiespar-Modus schaltete, beschleunigte der Brite auf bis zu 308 km/h.

Die Folge war ein großer Geschwindigkeitsunterschied bei der Anfahrt zur Spoon-Kurve. Zum Problem wurde es allerdings erst, als der Alpine in seiner Schusslinie leicht nach links zog. Genau hier wollte Bearman eigentlich am Haas vorbeifahren. Der Brite musste sich entscheiden: Entweder ins Heck seines Vordermanns krachen oder noch weiter links ausweichen.

Beim Versuch den Kontakt zu vermeiden, ging dem Haas-Renner die Straße aus. In der Wiese gab es kein Halten mehr. Bearman drehte sich einmal halb um die eigene Achse, trudelte zurück über die Strecke und schlug hart in den Reifenstapel ein. Der 50G-Einschlag ging mit einer Knie-Stauchung noch relativ harmlos aus. Doch die Fahrer sind alarmiert.

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GPDA fordert Sofortmaßnahmen

Für Carlos Sainz war es nur eine Frage der Zeit, bis so ein Unfall passieren würde: "Wir Fahrer waren überrascht, als uns gesagt wurde, dass nur am Qualifying nachjustiert werden soll. Wir haben immer betont, dass es auch im Rennen Probleme gibt. Wir haben immer gewarnt, dass solche Unfälle passieren werden. Hier gab es zum Glück eine Auslaufzone. Man stelle sich vor, so etwas passiert in Baku, Singapur oder Las Vegas, wo es direkt in die Mauer geht."

Als Vorsitzender der Fahrergewerkschaft GPDA hatte Sainz die FIA schon frühzeitig auf die Problematik aufmerksam gemacht: "Wir haben ihnen gesagt, dass wir schnell Änderungen brauchen. Ich hoffe, dass jetzt mehr auf die Fahrer gehört wird und nicht nur auf die Teams, die behaupten, dass die Rennen okay sind. Die Rennen sind nicht okay. Ich hoffe, dass schon für Miami gehandelt wird. Wir brauchen Lösungen, damit es nicht zu solch massiven Speed-Unterschieden kommt."

Ollie Bearman - Haas - GP Japan 2026
Mark Sutton via Getty Images

Speed-Differenz von 55 km/h

Auch Colapinto betonte, wie gefährlich diese Situationen sind: "Die Geschwindigkeiten sind aus dem Cockpit kaum abzuschätzen. Man schaut kurz in den Spiegel und in der nächsten Sekunde fliegt das andere Auto schon vorbei. Wenn die Gerade wie in diesem Fall auch noch einen Knick hat, dann wird es noch gefährlicher. Ollie war zu diesem Zeitpunkt ungefähr 55 km/h schneller. Da bleibt keine Zeit zum Reagieren."

Laut Colapinto müssen sich die Fahrer erst an diese Situationen gewöhnen: "Es fühlt sich fast so an, als sei ein Auto auf einer langsamen Outlap und das andere am Limit auf einer Push-Lap. Man schaut aufs Lenkrad und sieht, dass der Abstand nach hinten sechs Zehntel beträgt. Aber das ist innerhalb von ein paar Metern aufgeholt. Der Boost ist sehr stark. Damit kann man gut überholen, aber die Manöver sind künstlich und gefährlich. Da müssen wir noch einmal draufschauen. Zum Glück ist nicht mehr passiert."

Franco Colapinto - Alpine - GP Japan 2026
xpb

Glock sieht Mitschuld bei Colapinto

Es stellte sich allerdings auch die Frage, ob Colapinto den Crash seines Gegners hätte vermeiden können. In einer vergleichbaren Situation später im Rennen ließ George Russell seinen Hintermann Charles Leclerc ohne Behinderung passieren. Er hatte frühzeitig erkannt, dass der Ferrari mit einem hohen Tempo-Überschuss angerast kam.

Sky-Experte Timo Glock gibt Colapinto zumindest eine Mitschuld: "Es ist das Komplexe der neuen Formel 1, das alles im Blick zu behalten. Man muss schon vorher wissen, was auf einen zukommen kann. Er hätte ahnen müssen, dass ihm die Batterie ausgeht und Ollie Bearman im Rückspiegel drückt. Da musst du einberechnen, dass er gleich neben dir liegt. George Russell hat es erkannt und wusste, dass er im falschen Moment nicht die Linie kreuzen darf."

Dass die Gerade einen Knick macht, lässt Glock nicht als Ausrede gelten: "Ja, da ist eine Rechtskurve, aber George Russell hat es trotzdem im Blick gehabt. Solche Kapazitäten werden heute noch mehr gefordert. Wenn Du im falschen Moment aufs Display schaust und nicht einschätzen kannst, was um dich herum passiert, dann kann es zu solch gefährlichen Situationen kommen. Die werden wir dieses Jahr sicher noch das ein oder andere Mal erleben."

FIA-Meetings im April

Die FIA reagierte auf die Anschuldigungen zum Thema Sicherheit mit einem offiziellen Statement: "Wir hatten uns immer mit allen Verantwortlichen geeinigt, nach der Anfangsphase der Saison alles geordnet zu analysieren, wenn wir ausreichend Daten zur Verfügung haben. Im April sind bereits eine Reihe von Meetings angesetzt, in denen wir über die Anwendung der neuen Regeln sprechen und entscheiden, ob Anpassungen notwendig sind."

So soll es zum Beispiel am 9. April ein Treffen der Technikchefs der elf Teams mit der FIA geben, in dem Maßnahmen diskutiert werden sollen. Racing-Bulls-Geschäftsführer Peter Bayer verriet bei Sky schon mal einen Lösungsansatz: "Die Situationen sind manchmal komplex. Es ist für die Fahrer nicht immer durchschaubar, wer was wo macht. Wir arbeiten zum Beispiel an Lichtsignalen, damit der hinterherfahrende Pilot besser versteht, was vorne passiert. Daran soll es nicht scheitern."

Die FIA will laut dem eigenem Statement aber wohl auch noch einmal an der Stellschraube Energie-Management drehen: "Potenzielle Nachjustierungen, besonders in diesem Bereich, verlangen genaue Simulationen und detaillierte Analysen. Die FIA wird eng und konstruktiv mit allen Beteiligten zusammenarbeiten, um das beste Ergebnis zu erzielen. Die Sicherheit ist immer ein Kernelement unserer Mission. Spekulationen über konkrete Maßnahmen sind jetzt aber noch verfrüht. Weitere Updates werden in Kürze folgen."

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