Nur wenige Marken-Fan-Beziehungen sind so innig wie die zwischen Opel und seinen Anhängern. Dank der riesigen Rallye-Erfolge von Walter Röhrl in der Europa- sowie Weltmeisterschaft und ikonischer DTM- bzw. ITC-Heroes wie Manuel Reuters Meister-Calibra von 1996 hat der Blitz seinen Platz in der Racing-Ruhmeshalle längst sicher.
Seit dem Ende des jüngsten DTM-Projekts 2005 wurde es allerdings etwas ruhiger in Rüsselsheim. Opel legte den Fokus auf den Breitensport, explizit auf die Rallye-Jugendförderung. Jüngst ergänzte man hier das Element elektrischer Antriebe. Während andere Marken wieder abrücken, bleiben die Hessen Elektro-Fans. Man reaktivierte sogar das Performance-Kürzel GSE und widmete das E passend um.
Nach einiger Überlegung entschied sich Opel nun, die höchste E-Liga zu bestreiten. Ab Jahresende tritt man mit einem waschechten Werksteam in der Formel E an. Das Timing hierfür ist glücklich. Im Dezember übernimmt die neue, vierte Auto-Generation. Und diese soll alles auf den Kopf stellen.

Neuer Modetrend in der Formel E: Opel-Jacken werden bald zum Standard-Kleidungsstil gehören.
Keine reine PR-Veranstaltung
Die Kennzahlen der Gen4 sind beeindruckend. In der Spitze leisten ihre Renner 600 Kilowatt oder rund 816 PS. Damit die Kosten trotzdem eingefangen sind, werden große Bestandteile zentral gestellt. So stammen das Chassis, der Frontantrieb des Allrads oder auch die Batterie von der Stange. Den Unterschied macht der dafür freigegebene Hinterwagen – also das Antriebspaket samt Peripherie und die Software.
Hier können Hersteller wirklich Wertvolles für die Straße lernen. Opel wird beim Einstieg die technische Basis der Stellantis-Motorsport-Mutter nutzen, besteht allerdings darauf, dass kein Konzern- oder Plattformauto in Opel-Folierung an den Start gehen wird.
Der Motorsport- und künftige Teamchef Jörg Schrott stellt klar: "Wir haben als Marke eine eigene Antrittslizenz erworben. Das heißt: Im Gegensatz zu anderen Hersteller-Projekten haben wir keinen Partner, wir sind eine echte Werksmannschaft. Unsere Ziele sind ein sehr effizienter Aufbau und eine schnelle Entscheidungsfindung."
Obendrauf legt Opel großen Wert auf das Selbstverständnis: "Die Marke steht für deutsche Ingenieurskunst, Nahbarkeit und ein eigenständiges Design. Der Kern des Teams stammt von Opel. Es wird unsere Aufgabe sein, die Rennen vorzubereiten und taktisch umzusetzen."
So besetzt Opel die Cockpits
Schrotts oberster Chef, Opel-CEO Florian Huettl, hält fest: "Der Start der vierten Auto-Generation ab der kommenden Saison ist für uns genau der richtige Zeitpunkt, um einzusteigen." Die Fahrerwahl lässt der Top-Manager derweil noch offen. Fest steht nur, dass man sich ähnlich zur Rallye-Basis um junge, gerne auch weibliche, Piloten kümmern wolle.
Formel-E-Serienchef Jeff Dodds ist glücklich, eine neue Werksmannschaft begrüßen zu dürfen. Der schon am Donnerstag verkündete Abschied der Stellantis-Schwester DS, die allerdings von einem Partner-Team mit eigener Lizenz vertreten wird, war direkt vergessen. "Als starke deutsche Marke mit herausragender technischer Kompetenz und einem frischen, mutigen Image bringt Opel eine lange, ereignisreiche Motorsport-Geschichte und zugleich neue Dynamik ein."
Natürlich gefällt ihm ebenso Opels loyaler Elektro-Ansatz, der in der aktuellen Auto-Industrie eher an Freunden verliert. Die kommende 13. Saison mag zwar erst kurz vor dem Jahreswechsel beginnen. Aber Opel muss direkt im April schon bei einem wichtigen Test ran. Dort trifft man auf die Platzhirsche wie Jaguar, Nissan oder Porsche.







