Aurus Senat Copyright Stefan Baldauf SB-Medien

Luxuslimousine Aurus Senat

Russen-Rolls mit Porsche-Power

Der russische Präsident Wladimir Putin hat sich eine neue Staatslimousine entwickeln lassen – aber dahinter steckt erheblich mehr. Der russische Staat investiert viel Geld, um moderne Technologien aus der Autobranche nachhaltig ins Land zu holen.

Russland hat mit dem Aurus Senat eine neue Luxuslimousine am Start. Dahinter steckt der russische Staat. Dieser gibt dem in Moskau ansässigen Motoren-Entwicklungs-Institut NAMI Fördermittel – und mit diesem Geld hat sich das Institut Porsche Engineering ins Haus geholt und sich unter anderem bei der Entwicklung eines V8-Hybridantriebs helfen lassen. Die Rechte am erlangten Know-how behält NAMI – als Basis für eine moderne russische Automobilentwicklung. Denn nicht nur die Topmotorisierung stand im Lastenheft, auch ein 2,0-Liter-Vierzylindermotor für Alltagsautos ist dieser Entwicklungsarbeit entsprungen. Wo dieser Motor mal zum Einsatz kommt, ist noch nicht entschieden – er steht allen interessierten Autoherstellern zur Verfügung. Natürlich hat Aurus besonders russische Großsserien-Hersteller wie Lada im Blick.

Nach der Vorstellung auf der Moskau Auto Show hat Aurus den Senat mit nach Genf gebracht – als über sieben Tonnen wiegende verlängerte Schwerpanzer-Limousine für Präsident Wladimir Putin (Radstand: 4,3 Meter) und als für den luxusorientierten Kunden gedachte 3,1-Tonnen-Variante (Radstand 3,3 Meter). Aurus-CEO ist der Ex-Daimler-Manager Gerhard Hilgert, der seit den 1990ern in Russland arbeitet und weiß, wie die Geschäfte dort laufen. Die Initiative zur Gründung von Aurus ging von Putin persönlich aus – er wollte nich nur einen Technologie-Schub, sondern auch einen Regierungs-Fuhrpark mit russischen Modellen. Die heimischen ZIL-Limousinen (Sawod imeni Lichatschowa) gefielen dem Präsidenten weder technisch noch optisch, also deckte er sich bei ausländischen Herstellern wie Mercedes ein.

Aurus Senat im Video
3:41 Min.

Fast 600 PS starker Hybrid-Allradantrieb

Gänzlich in die Karten blicken lassen sich die Russen aber noch nicht, dennoch sind bereits Details des Luxusliners bekannt. Zu haben ist der Aurus Senat, der in der Kurzversion 5,63 Meter und in der Langversion 6,63 Meter lang ist, in gepanzerten und ungepanzerten Versionen. Die Breite wird mit 2,02 Meter angegeben, die Höhe mit 1, 69 Meter. Immer an Bord ist dagegen ein Allradantrieb mit Torque Vectoring, der mit Hybridantriebskomponeten kombiniert wird. Als Verbrenner sitzt hinter dem massiven Kühlergrill ein von Porsche Engineering mitentwickelter 4,4-Liter-Biturbo-V8 mit Elektromotorunterstützung, der es auf 598 PS und 880 Nm Drehmoment bringt. Der Elektromotor kommt vom russischen Hersteller Kalaschnikow, der bereits eine stärkere Version des Aggregats angekündigt hat. Das Neungang-Automatikgetriebe ist eine Aurus-Eigenentwicklung. Für den Spurt von Null auf 100 km/h werden sechs Sekunden genannt. Die Höchstgeschwindigkeit wird mit 250 km/h angegeben. Der Normverbrauch soll bei 15 Liter liegen. Eine rein elektrische Variante ist zumdindest für den russischen Markt nicht vorgesehen, einen Verbrennungsmotor gilt in den weiten des Landes als zuverlässiger. Beim Fahrwerk setzten die Russen auf konventionelle Teleskopdämpfer und massive Querlenker.

Präsidentenlimousine Putin

Beim Außendesign lehnt sich der Aurus Senat ganz klar an aktuellen Rolls-Royce- und Bentley-Entwürfen an. Der mit einem gelungenen Markenlogo versehene verchromte Kühlergrill mit seinen senkrechten Streben wird von LED-Scheinwerfern flankiert. Die Flanken werden von einer durchgehenden Sicke und Chromrahmen um die Fenster charakterisiert. Das Heck trägt gestufte Kotflügel, kleine LED-Leuchten, Chromleisten und in die Schürze integrierte Chromauspuffendrohre. Der Kofferraumzugang ist schmal geschnitten, dafür bietet der Laderaum eine enorme Tiefe. Der Heckdeckel öffnet und schließt sich elektrisch. In den Radhäusern stecken 20 Zoll große Leichtmetallräder, die mit reifen der Dimension 255/55 bestückt sind.

Luxuriöser Innenraum

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Aurus Motors
Viel Digitaltechnik und viel Luxus bietet das Aurus-Interieur.

Im Gegensatz zum Exterieur ist der Innenraum sehr eigenständig gestaltet. Hier wartet viel Leder und Edelholzapplikationen auf. Das Cockpit setzt komplett auf digitale Instrumente, die von einem großen Zentraldisplay flankiert werden. Das dahinter liegende Infotainmentsystem soll eigens für den Aurus entwickelt worden sein. Auf der Mittelkonsole zeichnen sich der Wählhebel für die Automatik sowie eine Controller-Einheit ab. Die Klimabedieneinheit und einige wenige Tasten wurden darüber positioniert. Nicht fehlen darf eine Analog-Uhr im Cockpit. Zudem kann der Innenraum umfangreich und individuell per LEDs illuminiert werden. Die wie die Vordersitze klimatisierte Fondsitzanlage kann elektrisch vielfach verstellt und auch um bis zu 45 Grad flach gelegt werden. Große Flachbildschirme an den Vordersitzen sorgen für Unterhaltung. Ein eigener Controller dazu findet sich auf der Mittelarmlehne, die auch ein Barfach mit Kühlschrank sowie ausklappbare Tische und eine induktive Ladestation für mobile Endgeräte beheimatet. Zudem sollen die Schwellerbereiche so konstruiert sein, dass sie unter keinen Umständen verschmutzen können.

Zur weiteren Ausstattung sollen ein umfangreiches Assistenzsystempaket sowie ein Notfallmeldesystem gehören. Zu den Assistenten zählen unter anderem ESP, ein Notbremsassistent, ein adaptiver Tempomat, ein Kollisionswarner mit Fußgängererkennung, Verkehrszeichenerkennung, Tot-Winkel-Assistent sowie verschiedene Fahrerunterstützungssysteme. Neun Airbags schützen die Insassen, beim EuroNCAP-Crashtest soll der Aurus auf 5 Sterne kommen.

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Komfortabler Fond mit per Vorhang abgedunkelten Scheiben - entspanntes Reisen scheint mit dem Aurus Senat möglich zu sein.

Auf den Markt kommen sollen die Aurus-Modelle ab Anfang 2019. Bestellungen werden aber jetzt schon angenommen. Der Aurus soll auch außerhalb Russlands vermarktet werden. Genannt werden die Märkte im Mittleren und Fernen Osten, Europa, China, Südamerika und Südkorea. Die USA werden explizit nicht genannt. Seine Europapremiere wird der Aurus auf dem Genfer Autosalon feiern. Zum Auto gibt es dann auch einen „Flying Doctors“-Service, der weltweite Mobilität gewährleisten soll.

Aurus Senat im Schnellcheck

Aurus hat zwar mit dem verlängerten Senat auch Wladimir Putins gepanzerte Präsidentenlimousine mit zum Genfer Autosalon gebracht, aber in die dürfen wir nicht rein. Also ab in den Fond des Standard-Senat, der sich ebenfalls im oberen Luxussegment tummelt. Platz gibt es hier für die Beine, den Kopf und zu den Seiten genug. Sowohl die Seitenscheiben als auch die Heckscheibe lassen sich mit einem elektrisch angetriebenen Stoffvorhang geräuschlos verdunkeln – dann ist der Fond wirklich blickdicht. Aus dem Dachhimmel lassen sich Spiegel klappen, in der Mittelkonsole sitzen herausklappbare Tische. Und diese Tische sind massiv: Sie bestehen aus über einem Zentimeter dickem Vollaluminium.

Zwischen den beiden Fondpassagieren gibt es auf Wunsch Champagner: Das gut gekühlte Getränkefach war auf dem Genfer Autosalon mit einer Imperial-Flasche Krug bestückt. Wunderbar ergonomisch funktioniert die Bedienung der an den Lehnen der Vordersitze angebrachten Bildschirme: Dafür sitzen metallene Dreh-Drücksteller in der Nähe der Türarmauflagen. Das Bedienfeld für die Verstellung der Fondsitze macht einen ausgesprochen hochwertigen Eindruck und die Klimaanlagen-Einstellung erfolgt über wiederum metallene Drehsteller mit leuchtender Temperaturangabe im Zentrum.

Bildergalerie Aurus Senat: Mit neuer Technik zum Autobauer-Land

Aurus Senat
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Im unteren Bereich der Vordersitzlehnen sind üppig dimensionierte Klappfächer für Dokumente untergebracht – hier muss der Geschäftsmann keine Akten auf seinen Knien balancieren.

Das ist Aurus

Hinter Aurus stehen die Anteilseigner FSUE „NAMI” (Central Scientific Research Automobile and Automotive Engine Institute) mit 75 % und der russische Autobauer Sollers, der 25 % der Anteile hält. CEO ist der Ex-Daimler-Manager Franz Gerhard Hilgert. Aurus besitzt ein Fertigungswerk in Moskau und will in den kommenden beiden Jahren jeweils nur 150 Exemplare des Senat fertigen. Getestet wird in der Nähe der Stadt Dmitrow, die zirka 80 Kilometer nördlich von Moskau liegt. Ab 2021 soll die Jahresproduktion auf 5.000 Fahrzeuge steigen. Die Kapazität kann aber auf 10.000 Autos aufgestockt werden. Ab 2021 sollen auch weitere Aurus-Modelle auf der modular aufgebauten Aurus-Plattform folgen. Hierbei dürfte es sich mutmaßlich um SUV-Modelle handeln.

Technische Daten Aurus Senat

Maße Aurus Senat Limousine (gepanzert) Aurus Senat (ungepanzert)
Länge 6630 mm 5630 mm
Breite 2020 mm 2020 mm
Höhe 1695 mm 1685 mm
Bodenfreiheit 170 mm 200 mm
Motor 4,4L-V8 (598 PS) 4,4L-V8 (598 PS)
Antrieb AWD AWD
Getriebe 9-Gang-Automatik 9-Gang-Automatik
Reifen 255/55 R 20 255/55 R 20
Radstand 4300 mm 3300 mm
Höchstgeschwindigkeit k.A. 250 km/h
0 - 100 km/h k.A. 6 sek.

Fazit

Beim Aurus Senat setzen die Designer äußerlich zwar auf bewährtes Rolls-Royce- und Bentley-Design, aber der Innenraum ist eigenständig, sehr bequem und entspricht mit Bildschirmen und Champagner-Fach im Fond den Ansprüchen der angepeilten Käuferschicht. Die Zusammenarbeit unter anderem mit Porsche Engineering holt State-of-the-Art-Auto-Know-how ins Land. Wenn die russischen Ingenieure jetzt am Ball bleiben, könnten russische Autobauer auf dem hart umkämpften Weltmarkt durchaus wieder Chancen haben.

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