Neue Mercedes S-Klasse: Zurück an die Spitze mit 2.700 neuen Teilen

Mercedes S-Klasse Facelift (2026)
Zurück an die Spitze mit 2.700 neuen Teilen

ArtikeldatumVeröffentlicht am 13.01.2026
Als Favorit speichern

Die aktuelle Mercedes S-Klasse der Baureihe W223 ist seit 2020 am Start. Um die Baureihe auch für die zweite Hälfte ihres Lebenszyklus attraktiv zu halten, bekommt das Oberklassemodell Anfang 2026 ein technisches und ein optisches Update.

Dabei fällt das Facelift der aktuellen S-Klasse laut Chef Källenius größer aus als jedes Modellupdate zuvor. Rund 2.700 neue oder überarbeitete Bauteile fließen in die Überarbeitung ein – mehr als 50 Prozent der Baureihe W223 wurden neu entwickelt oder grundlegend revidiert. Für eine klassische Modellpflege sei das ein außergewöhnlicher Aufwand.

Markantes Design mit Sternen-Signatur

Noch tarnt Mercedes die überarbeitete S-Klasse mit einer dünnen goldenen Folierung. Doch gezielt freigeschnittene Bereiche geben einen klaren Ausblick auf die Designrichtung. Erstmals tragen die Scheinwerfer und Rückleuchten das ikonische Mercedes-Sternmotiv, integriert direkt in die Lichtgrafik. Damit folgt das Flaggschiff dem aktuellen Markentrend, den bereits andere neue Mercedes-Modelle vorgeben.

Auch der Kühlergrill wirkt gewachsen und selbstbewusster, während neue Felgendesigns das äußere Erscheinungsbild abrunden dürften. Insgesamt bleibt die S-Klasse ihrer repräsentativen Linie treu, setzt aber bewusst stärker auf visuelle Markenidentität – ein Schritt, der nicht jeden Liebhaber klassischer Zurückhaltung begeistern dürfte.

Neue Motoren: Mehr Leistung, mehr Effizienz

Die gravierendsten Neuerungen verbergen sich unter der Haube. Mercedes nutzt das Facelift, um nahezu das gesamte Antriebsportfolio zu modernisieren. Die Modelle S 450 und S 500 erhalten den weiterentwickelten M256 Evo. Das 3,0-Liter-Aggregat stellt nun 600 Nm Drehmoment bereit, 40 Nm mehr als zuvor. Hinzu kommt eine Overboost-Funktion, die das maximale Drehmoment kurzfristig auf 640 Nm anhebt. Die Leistung bleibt offiziell noch ungenannt, dürfte sich aber mindestens auf dem bisherigen Niveau von 442 PS bewegen.

Beim Achtzylinder setzt die S-Klasse im S 580 jetzt auf den neuen M177 Evo. Besonderheit: Der V8 verfügt über eine Flatplane-Kurbelwelle, bekannt aus dem AMG GT Black Series. Das Resultat sind 530 PS und 750 Nm, ein Plus von 34 PS und 50 Nm gegenüber dem bisherigen Motor. Neben der Mehrleistung optimierten die Ingenieure Einspritzung, Ventilsteuerung sowie Ein- und Auslasskanäle. Ein neuer Zündabstand und die Mildhybrid-Technik sorgen nicht nur für mehr Spontaneität, sondern auch für geringeren Verbrauch – zumindest im Rahmen dessen, was bei einem V8 dieser Leistungsklasse realistisch ist.

Plug-in-Hybrid mit über 100 km Reichweite

Die S 580 e kombiniert dagegen den überarbeiteten Sechszylinder mit einem Elektromotor. Die Systemleistung steigt um 74 PS, während die Batterie eine elektrische WLTP-Reichweite von über 100 Kilometern ermöglichen soll – ein eindrucksvoller Wert, selbst in diesem Segment.

Auch die Selbstzünder wurden nicht vergessen: S 350 d und S 450 d erhalten den OM 656 Evo, der kommende Emissionsnormen rund um Euro 7 erfüllen soll. Highlight ist der erste elektrisch beheizte Katalysator in einem Serienfahrzeug, der Schadstoffe besonders nach dem Kaltstart schneller reduziert. Alle Motoren sind serienmäßig mit 48-Volt-Mildhybridtechnik und einem 17-kW-Startergenerator ausgestattet.

Mehr Komfort und Superscreen

Erstmals ist Hinterachslenkung in der Mercedes S-Klasse serienmäßig an Bord – mit einem Lenkwinkel von 4,5 Grad. Optional bleibt das bekannte 10-Grad-System, das den Wendekreis der Langversion um fast zwei Meter verkleinert. Die weiterentwickelte Luftfederung setzt jetzt auf eine cloudbasierte Dämpferregelung. Das System nutzt also Daten anderer Mercedes-Fahrzeuge, um Bodenwellen oder Speedbumps vorauszuahnen und die Dämpfung bereits im Vorfeld anzupassen. Ziel soll ein nochmals gesteigertes "Schwebegefühl", insbesondere im Fond sein.

Noch hält sich Mercedes bedeckt, was das Interieur betrifft. Die Prototypen auf den Fotos sind vollständig verhüllt. Doch vieles deutet darauf hin, dass der bisherige Hochformat-Touchscreen entfällt. Stattdessen dürfte eine Variante des Superscreen-Layouts aus der neuen E-Klasse Einzug halten – inklusive neuem MBUX-System auf MB.OS-Basis, das als digitales "Superhirn" fungiert. Ob Mercedes dabei auf Kritik reagiert und die starke Bildschirmdominanz zugunsten klassischer Bedienelemente reduziert, bleibt offen. Gerade hier wurde die aktuelle S-Klasse von Kunden und Medien ungewöhnlich deutlich kritisiert.

Wenig Konkurrenz, hoher Anspruch

Die neue S-Klasse tritt in einem Markt an, der zunehmend ausdünnt. Der Lexus LS läuft aus, die Zukunft des Audi A8 ist ungewiss. Übrig bleiben wenige Rivalen wie der Genesis G90 oder der BMW 7er, der ebenfalls kurz vor einer umfangreichen Modellpflege steht. Bemerkenswert: Jede dritte weltweit verkaufte S-Klasse trug zuletzt das Maybach-Emblem, in China entfiel 2025 sogar rund die Hälfte aller Verkäufe auf die extralange Version. Entsprechend groß ist die Bedeutung des Facelifts – insbesondere für die Maybach-Derivate, deren Premiere später im Jahr folgt. Der V12 bleibt dort erhalten.

AMG-Version wird umgebaut

Eine echte Neuerung deutet sich bei der AMG-Variante der S-Klasse an. Wie jüngste Erlkönigsichtungen zeigen, scheint beim S 63 AMG E Performance die Ladeklappe auf der linken Karosserieseite zu entfallen. Das deutet auf den Entfall der 10,36 kWh großen Batterie und damit eine Abkehr vom Plug-in-Hybrid an. Vermutlich kommt auch in der aufgefrischten Version der AMG-S-Klasse der neu entwickelte AMG-V8 mit Flatplane-Kurbelwelle zum Einsatz. Da der mehr Power liefern soll als der bekannte Vierliter-V8-Biturbo vom Typ M177 (bisher 612 PS), kann der zusätzliche E-Motor an der Hinterachse, der bisher 140 kW (190 PS) lieferte, eingespart werden. Mit einem potenteren ISG, der vom 48-Volt-Bordnetz bedient wird, dürfte die Gesamtleistung weiterhin bei gut 800 PS liegen. Der AMG wird so vom PHEV zum MHEV. Mit dem eingesparten Energiespeicher und fehlenden E-Antriebsmodul an der Hinterachse dürfte sich auch das Gewicht der bislang rund 2,6 Tonnen schweren AMG-Version spürbar reduzieren.

Die Premiere der aufgefrischten Mercedes S-Klasse soll Ende Januar 2026 am Mercedes-Museum in Stuttgart steigen. In den Handel dürfte das Topmodell dann kurz darauf kommen. Die runderneuerte AMG-Variante der S-Klasse dürfte später im Jahr nachgeschoben werden.

Fazit