Nissan will sich mit einer völlig neuen Strategie aus seiner Krise herausarbeiten. Sie trägt den Namen "Re:Nissan" und wird nach und nach mit Leben gefüllt. Ihre kurz- und mittelfristige Zukunft haben die Japaner nun auf einer Veranstaltung unter dem Motto "Mobility Intelligence for Everyday Life" (übersetzt: Mobilitätsintelligenz für den Alltag) skizziert. Und dabei einen Teil ihres Modellfahrplans für die nächsten Jahre vorgestellt. Der enthält eine Überraschung, zumindest aus europäischer Sicht: Nissan hat offiziell bestätigt, dass der Hersteller einen neuen Skyline auf den Markt bringen wird – und erste Teaserbilder der Baureihe veröffentlicht.
Erste Hinweise auf das Design
Doch wer auf ein Comeback jener Autolegende hofft, die in den Generationen R32 bis R34 von den späten Achtziger- bis in die frühen 2000er-Jahre – vor allem in den scharfen GT-R-Versionen – zahlreichen Autofans den Kopf verdrehte, dürfte vom nächsten Skyline einigermaßen enttäuscht sein. Denn er kommt (zumindest vorerst) nicht als Coupé, sondern in Limousinenform auf den Markt. Ein Teaser zeigt eine in weiten Teilen verfremdete Seitenansicht, die eindeutig zwei Türen samt Bügelgriffen aufweist. Im hinteren Bereich befindet sich ein Skyline-Schriftzug, während die Heckleuchten die für die Baureihe typische Form aufweisen: rund und außen etwas größer als innen.
Ein weiteres Teaserbild zeigt die Front des neuen Nissan Skyline. Sie scheint sich stark zuzuspitzen und einen niedrigen Spalt zwischen oberem Abschluss und Schürze aufzuweisen. Dazu passen die Scheinwerfer, die an den Außenseiten vertikale, leicht gebogene Tagfahrleuchten aufweisen. Auffällig ist zudem eine Pfalz in der Mitte, die das Auto klar in rechts und links teilt. Auf ihr sitzt ein stilisiertes "S", das als neues Baureihenlogo fungieren dürfte.
Seit Jahren eine Allerwelts-Limousine
Da sich Nissan trotz der Ankündigung mit Detailinformationen weiterhin zurückhält, fragt sich jedoch weiterhin: Wird der neue Skyline etwas Besonderes oder doch nur eine Allerwelts-Limousine, welche die Herzen von Auto-Enthusiasten kaum höher schlagen lassen dürfte? Diese Annahme ergibt sich aus der Skyline-Modellhistorie seit der Jahrtausendwende. Der 2001 auf den Markt gebrachte Skyline mit dem internen Code V35 war technisch zwar mit dem Sportwagen 350Z verwandt und nur mit V6-Motor erhältlich, aber etwas buckelig und aus heutiger Sicht barock designt. In diesem Stil ging es 2006 mit dem Skyline V36 weiter, bis 2014 der V37 kam. Dabei handelt es sich eigentlich um einen Infiniti Q50, der seither optisch kaum kaschiert in Japan als Nissan Skyline verkauft wird. Immerhin entdeckte er als 420 PS starkes Nismo-Sondermodell seine sportliche Seite wieder.
Nach etwa zwölf Jahren Bauzeit ist es also allerhöchste Zeit, dass Nissan einen Nachfolger des Skyline V37 bringt. Dessen Machart dürfte das Konzept des V37 weiterführen. Zudem ist er eines der ersten Modelle, das im Rahmen eines neuen, schnelleren und kostengünstigeren Entwicklungsprozesses gebaut wird. Nissan will nicht nur die Zahl der im Konzern verwendeten Plattformen bis zum Geschäftsjahr 2035 von 13 auf sieben verringern, sondern auch die Komplexität von Teilen um 70 Prozent reduzieren.
Wie viel Spielraum für Extravaganz?
Das wirkt, als bleibe da wenig Spielraum für viele unterschiedliche Karosserievarianten, extravagante Modellversionen und hochkarätige Sportversionen à la GT-R. Ein neues Skyline Coupé, wie es bis zur Generation V36 erhältlich war, erscheint also recht unwahrscheinlich. Andererseits kündigt Nissan den neuen Skyline als "Herzschlag-Modell für Japan" an, das "Leistung, Präzision und fahrerorientierten Charakter bietet".
Bislang ist jedoch unklar, welches Antriebskonzept der neue Skyline verfolgen wird. Internationale Medien sind sich bislang uneinig, ob es sich um einen klassischen Verbrenner-Strang oder einen Hybridantrieb handeln wird. Das Herzstück scheint allerdings festzustehen: Der bekannte Dreiliter-Twin-Turbo-V6 (Werkscode VR30DDTT), der bereits unter anderem im Sportcoupé Nissan Z zum Einsatz kommt. Hier liefert das Triebwerk 405 oder 426 PS (in der Nismo-Variante). Für den neuen Skyline wird – zumindest für die Topversion – über eine getunte Variante spekuliert, die mehr als 450 PS leisten könnte. Obendrein sollen Hinterradantrieb und ein manuelles Getriebe gesetzt sein.
Nissan Skyline nur für Japan?
Fraglich ist zudem, auf welchen Märkten der neue Skyline angeboten werden soll. Ein komplett neu entwickeltes Auto allein in der Heimat Japan anzubieten, dürfte sich nicht rechnen. Wenn ein Hersteller derart mit dem Rücken zur Wand steht wie Nissan, ergibt eine Auto-Neuentwicklung nur dann Sinn, wenn das Modell auf möglichst vielen Märkten Bewährungschancen erhält. Zumal der Hersteller angekündigt hat, seine Produktstrategie stärker auf seine "Signature-Modelle" auszurichten. Ob das bedeutet, dass wir auch in Europa einen neuen Skyline bekommen könnten, erscheint dennoch höchst fraglich. Nach Nordamerika könnte die Limousine mit dem Label von Nissans Nobeltochter Infiniti kommen und den Namen Q50 oder Q60 erhalten.
Hinweis: Die Fotoshow zeigt einen besonders schönen Nissan Skyline GT-R R33, der zwei sehr seltene Sondermodelle vereint.





