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Transportsystem Max Bögl

Das Comeback des Transrapid?

07/2018, Magnetschwebebahn Max Bögl Transportsystem Foto: Firmengruppe Max Bögl 5 Bilder

Der Transrapid galt lange Jahre als Zukunftsvision eines Verkehrskonzeptes „made in Germany“, das in die Welt exportiert wird. Dann wurde es still um die Entwicklung. Jetzt könnte die Magnetschwebebahn ein Comeback feiern.

18.07.2018 Bernd Conrad Powered by

Sie galt viele Jahre als die deutsche Industriehoffnung schlechthin. Mit dem Bau eines neuen Transportsystems, dass einmal die Geschwindigkeitslücke zwischen der Bahn (damals 100 km/h schnell) und dem Flugzeug (ca. 800 km/h) schließen sollte, wollte man Hightech aus Deutschland in die Welt exportieren. Die Rede ist von der Magnetschwebebahn, im Volksmund unter der Marke Transrapid bekannt.

Auf Basis eines Patents aus dem Jahr 1914 entwickelte ein Team von Ingenieuren unter der Leitung von Stefan Hedrich beim damaligen Lokproduzenten KraussMaffei zusammen mit anderen deutschen Industrieunternehmen einen Personenzug. Nach einem reinen Labormodell im Oktober 1971 mit dem Transrapid 02 das erste Testfahrzeug in Lebensgröße vorgestellt. Die Länge der Teststrecke in Ottobrunn bei München betrug 860 Meter.

Der Transrapid 03 experimentierte mit Luftkissentechnik, während die nachfolgenden Ausbaustufen wieder elektromagnetisch schwebten. Mit Gleichstrom wird ein Elektromagnet erregt, der damit einen Festkörper (ferromagnetisches Material) magnetisiert. Damit wird der komplette Zug in einem Schwebezustand gehalten, der die Fahrbahn mit dem Elektromagneten umgreift. Für den genauen Abstand zwischen Zug und Fahrbahn sind dabei Regelsysteme nötig.

Im Transrapid von Berlin nach Hamburg

Im Jahr 1984 ging im niedersächsischen Emsland eine Versuchsanlage in Betrieb. Die Pläne mit dem Transrapid waren groß. Der 400 km/h schnelle Zug sollte entlang der Autobahnen geräuschlos zwischen Städten pendeln. Die Strecke Berlin – Hamburg war lange Zeit im Gespräch, wurde aber ebenso wenig realisiert wie der Bau einer Nahverkehrsstrecke vom Münchner Hauptbahnhof zum Flughafen im Erdinger Moos.

2006 ereignete sich auf der Versuchsanlage im Emsland ein Unfall mit dem Transrapid. Mit 170 km/h krachte die Magnetschwebebahn in ein Wartungsfahrzeug auf der Trasse. 23 Fahrgäste starben, zehn wurden verletzt. Danach wurde es in Deutschland still um den Transrapid.

Mit 430 km/h vom Flughafen nach Shanghai-City

06/2018, Siemens Velaro Zug Siemens Velaro Novo Nachfolger für den ICE

In der chinesischen Metropole Shanghai war da schon längst der Regelbetrieb aufgenommen. Unter dem Namen Shanghai Maglev Train verkehrt der Transrapid seit 2004 zwischen dem Stadtgebiet und dem Flughafen Pudong. Auf der 30 Kilometer langen Strecke erreicht der Zug kurzzeitig Geschwindigkeiten von 430 km/h, die gesamte Fahrt dauert knapp über sieben Minuten.

Jetzt scheint der Transrapid auch außerhalb Schanghais vor einem Comeback zu stehen. Das bayerischer Bauunternehmen Max Bögl arbeitet seit vielen Jahren an der Weiterentwicklung der Magnetschwebebahn. Mit der eigenen Magnetschwebebahn möchte Max Bögl eine Alternative im Nahverkehr anbieten, hohe Geschwindigkeiten und lange Distanzen stehen nicht im Lastenheft. Mit einer Höchstgeschwindigkeit von 150 km/h dürfte der Zug dennoch für viele Stadtverwaltungen eine Alternative für S-Bahn und Co. darstellen.

Auf einer 800 Meter langen Teststrecke am Firmensitz in Sengenthal hat der Prototyp, bei dem im Gegensatz zum Transrapid der Zug die Trasse nicht von außen umfasst, Medienberichten zufolge über 65.000 Kilometer zurückgelegt.

Der neue Zug fährt autonom

Der Bögl-Zug hat keinen Fahrer mehr an Bord, fährt also autonom. Bis zu 127 Passagiere soll ein Zugteil fassen, von denen mindestens zwei zu einem dann 24 Meter langen Fahrzeug zusammengefasst werden. Eine Mitfahrt in Bayern ist aber leider nicht möglich. Aktuell wird der Zug dort außer Betrieb genommen, um zu einer längeren Teststrecke für weitere Erprobungen gebracht zu werden. Die steht übrigens nicht in Deutschland – sondern in China.

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