Kaum ein anderes Auto hat den Motorsport so geprä GT wie der Ford GT40 Mk I – und genau eines dieser seltenen Exemplare sucht nun einen neuen Besitzer. Chassisnummer P/1018 ist einer von nur 48 gebauten Mk-I-Rennwagen und trägt eine Geschichte in sich, die sich liest wie ein Rennsport-Hollywooddrehbuch. Am 16. Januar 2026 soll er bei Mecum Auctions in Kissimmee unter den Hammer kommen – geschätzt auf 5,5 bis 6 Millionen Dollar, also rund 4,7 bis 5,2 Millionen Euro. Ob er das wert ist? Mit dieser Vita und seinem guten Erhaltungszustand lässt sich diese Frage kaum anders als mit Ja beantworten.
Die Geschichte von P/1018 beginnt am 9. November 1965, als der Wagen an Shelby American ausgeliefert wird. Ursprünglich gedacht als Show- und Demonstrationsfahrzeug, blieb er bis 1968 in den Hallen von Carroll Shelby. Und genau dort geschah etwas, das seine Geschichte einzigartig macht: P/1018 ist einer von nur zwei GT40s, die Carroll Shelby selbst gefahren hat. Doch der Wagen war mehr als nur ein Schaustück, er war Teil von Fords groß angelegter Offensive gegen Ferrari in Le Mans. Der GT40 wurde zum Symbol dieser Rivalität, und P/1018 trug seinen Teil dazu bei.
Vom Showauto zum Kamerafahrzeug
1966 wechselte das Auto für kurze Zeit die Bühne – wortwörtlich. Shelby American vermietete P/1018 an die MGM-Studios, wo Rennfahrer Bob Bondurant ihn auf dem Riverside Circuit für Kameratests bewegte. Es waren die Vorbereitungen für John Frankenheimers legendären Rennfilm "Grand Prix". Nach den Dreharbeiten bekam der GT40 eine neue, dunkelblaue Lackierung und ging auf Tour. Zwei Jahre lang war er auf Messen und in Showrooms in den USA zu sehen. 1968 wechselte der Wagen schließlich in private Hände: Ervin Conciatu wurde der erste Sammler, der P/1018 besaß. Danach ging der GT40 auf eine Reise durch mehrere Sammler und Rennfahrer, bis er 1973 bei Laurie O’Neill in Australien landete.
Doch auch ein Auto mit dieser Geschichte bleibt von Zwischenfällen nicht verschont. 1982 kam es beim Amaroo Park Circuit zu einem Unfall, bei dem die Karosserie an mehreren Stellen beschädigt wurde. Für das Chassis war das jedoch kaum mehr als ein Kratzer. Wie GT40-Historiker Ronnie Spain in seinem Dossier festhielt, blieb die Substanz des Wagens praktisch unversehrt.
Zurück auf die Rennstrecke
Nach seiner Restaurierung im Jahr 1985 begann für P/1018 ein neues Kapitel – diesmal auf der Rennstrecke. In den 1990er-Jahren übernahm ihn der dreifache FIA-Group-C2-Endurance-Weltmeister Ray Bellm und ließ den Wagen bei Lanzante Limited für den harten Wettbewerb vorbereiten. Von da an war der GT40 wieder da, wo er hingehörte. Bellm jagte ihn über Europas bekannteste Rennkurse, vom Goodwood Revival bis zum Le Mans Classic. Dort holte P/1018 11 Siege aus 13 Starts – eine Bilanz, die sich sehen lassen kann.
2009 ging der GT40 in den Besitz von Chris Wilson über, der ihn nicht ins Museum stellte, sondern weiterfahren ließ. Unter seiner Regie blieb P/1018 ein Stammgast bei großen Klassik-Events – beim Goodwood Revival, beim Le Mans Classic, bei der Daytona Classic 24 Hours. 2022 glänzte er beim Heveningham Concours, ein Jahr später rollte er bei der Carroll-Shelby-Parade in Goodwood mit.
Bis heute trägt P/1018 sein originales Chassis. Er gilt als das erste Exemplar mit dem charakteristischen 3-Loch-Chassis-Panel, das später Serienstandard wurde. Seine lückenlose Historie, die Verbindung zu Carroll Shelby und der erstaunlich gute Erhaltungszustand machen ihn zu einem der spannendsten Lose in Kissimmee.












