Skoda Agromobil (1962) Skoda
Skoda Agromobil (1962)
Skoda Agromobil (1962)
Skoda Agromobil (1962) 4 Bilder

Skoda 998 Agromobil (1962): Unimog aus Tschechien

Skoda 998 Agromobil (1962) Tschechischer Mini-Unimog

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Skoda baute 1963 einen kleinen Geländewagen für Landwirtschaft und Armee, der jedoch nie in Serie ging.

In der Wiederaufbauphase nach dem Zweiten Weltkrieg war die Nachfrage nach landwirtschaftlichem Gerät groß; Traktorfabriken expandierten. Der ehemalige Leiter der Daimler-Flugmotorenentwicklung, Albert Friedrich, erfindet kurz nach dem 2. Weltkrieg ein Fahrzeug mit vier gleich großen, angetriebenen Rädern und einer Pritsche. Die Spurbreite: 127 Zentimeter, so breit wie zwei Kartoffelreihen. Im Oktober 1946 startet die Produktion, im November 1948 wird das Universal-Motorgerät patentiert und 1951 übernimmt Daimler den Unimog. Auch Armeen kommen bald auf die Idee, den Unimog zu nutzen.

Die österreichische Steyr-Daimler-Puch AG baut ab 1959 den Haflinger, einen kleinen, wendigen Transporter für den Einsatz im Gebirge. Armee und Landwirtschaft nutzen das rund drei Meter kurze Gefährt.

Skoda hat Erfahrung mit landwirtschaftlichem Gerät

Skoda hatte schon Stromaggregate und Motorpflüge gebaut, als das tschechische Landwirtschaftsministerium nach einem universell einsetzbaren Motorgerät fragte. Wie in anderen Ländern fehlten auch in Tschechien wendige und vielseitig einsetzbare Geländefahrzeuge.

Weil Produktionskapazitäten knapp sind, arbeiten die Ingenieure in Mlada Boleslav mit dem Unternehmen Ceská zbrojovka Strakonice zusammen, einem Produzenten von Handfeuerwaffen, Fahrrädern und Motorrädern der Marke CZ. Skoda heißt zu dieser Zeit AZNP (,Automobilové závody národni podnik' oder ,Staatsbetrieb Automobilwerke') – ein Name, der sich zum Glück nicht durchgesetzt hat.

Zwischen Unimog und Haflinger

Die Maße des Agromobils liegen zwischen Unimog und Haflinger: Das Geländefahrzeug ist 3,47 Meter lang und knapp 1,70 Meter breit. Allerdings ist die Konstruktion mit selbsttragender Karosserie einem Pkw ähnlicher als einem Lkw. Haflinger und Unimog nutzen einen Leiterahmen, hier ist die Nähe zu Lastwagen größer.

Platz für bis zu 10 Personen

Skoda Agromobil (1962)
Skoda
Spart Platz: Fahrer und Beifahrer sitzen neben dem Motor.

Dazu ist das Agromobil sehr flexibel: Eine Plane deckt Kabine und Frachtraum ab. Auf der 1,98 Meter langen und 1,59 Meter breiten Ladefläche ist Platz für 3,9 Kubikmeter Ladung oder zwei längs angeordnete Bänke, auf denen bis zu acht Personen sitzen können. Mit Fahrer und Beifahrer können so zehn Menschen im Geländemobil mitfahren. Geht es durch den Wald, oder muss dass Gefährt in ein Flugzeug, kann die Frontscheibe abgeklappt werden. Das reduziert die Höhe von 1,94 auf 1,41 Meter.

Gut fürs Gelände: 29 cm Bodenfreiheit

Im Gelände helfen der kurze Radstand von 1,90 Meter, Böschungswinkel von jeweils 45 Grad vorn und hinten sowie 230 bis 290 Millimeter Bodenfreiheit beim Überwinden von Gräben. Ein Viergang-Getriebe leitet die Kraft über ein Reduktionsgetriebe an die Hinterachse. Die Vorderachse kann zum Antrieb dazugeschaltet, beide Achsen können gesperrt werden. Eine Zapfwelle am Heck treibt bei Bedarf Zusatzgeräte wie etwa eine Säge an.

Clevere Gewichtsverteilung

Skoda Agromobil (1962)
Skoda
Klettertalent: kurzer Radstand, große Bodenfreiheit und Allradantrieb

Angetrieben ist der 998 von einem wassergekühlten Vierzylinder aus einem Pkw – auch das eine Parallele zum Unimog. Der Benzinmotor aus dem Skoda 1202 ist längs hinter der Vorderachse zwischen Fahrer und Beifahrer eingebaut. Das ist aus Sicht der Gewichtsverteilung cleverer als beim Unimog: Das Leergewicht von 936 Kilogramm verteilt sich zu 46 Prozent auf die Hinterachse. Mit 800 Kilogramm Zuladung lasten dort 56 Prozent des Gewichts.

Ausreichend: 45 PS für 89 km/h

Aus 1.221 Kubikzentimeter Hubraum leistet der Motor 45 PS. Damit lief ein Prototyp gemessene 89 km/h. Für ein Nutzfahrzeug eine ausreichende Geschwindigkeit. Zwei Prototypen gingen an den geplanten Produktionsstandort, einer fuhr in 79 Tagen 29.953 Kilometer. Für den Vergleichstest einer militärischen Prüfstelle wurden weitere zehn Prototypen gebaut, die sich gegen das damalige Standardfahrzeug des Warschauer Pakts, den GAZ 69, gut schlugen. In Serie ging der Pritschen-Frontlenker nie. Dafür kam er ins Kino: In einer Szene des Antikriegsfilms "Kdyby tisic klarinetu ("Wenn bloß tausend Klarinetten") verfolgt ein Militärkommando mit zwei Agromobilen einen Deserteur. Der Hauptdarsteller des Films, Jiri Menzel, erhält 1968 für seine Komödie "Liebe nach Fahrplan" den Oscar als bester ausländischer Film. Einer der drei Protypen des Agromobils gehört heute zur Sammlung des Skoda Museums in Mlada Bioileslav.

Fazit

In der sowjetischen Planwirtschaft hatte der tschechische Planwagen offenbar keine Chance. Doch auch in kapitalistischen Staaten sind immer wieder sympathische Ideen gescheitert. Dass er nie in Serie ging, spricht jedenfalls nicht gegen den clever konstruierten Gelände-Skoda.

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