Was in der Nachkriegszeit als reines Arbeiter-Fahrzeug das Licht der Welt erblickte, ist heute ein Oldtimer mit einem Kultstatus, der seinesgleichen sucht. Die Rede ist vom VW Transporter – liebevoll Bulli genannt.
Doch bevor wir uns die erste Generation ansehen, lohnt sich eine kurze Einordnung. Den meisten Bulli-Fans ist das bekannt: Nach dem Zweiten Weltkrieg war der Transporter das zweite Fahrzeug von Volkswagen nach dem Käfer. Entsprechend erhielt er intern die Bezeichnung Typ 2, während der Käfer Typ 1 genannt wird. Gleichzeitig spricht man heute vom VW T1, wenn die erste Generation des Bullis gemeint ist. Das "T" steht dabei für Transporter. Diese ähnliche Nomenklatur führt gelegentlich zu Verwechslungen, meint aber dasselbe Fahrzeug.
Reisen wir also gedanklich ins Jahr 1950 zurück und schauen uns an, wie der VW T1 entsteht und wie Volkswagen damit den Grundstein für einen Mythos legt, der bis heute anhält.
VW T1 – der Grundstein einer Legende
Die Jahre nach dem Zweiten Weltkrieg sind hart für Deutschland. Bevor an den Wiederaufbau zu denken ist, müssen Trümmer beseitigt werden. Einige VW-Arbeiter erfinden aus der Not heraus den Plattenwagen. Ein Kübelwagen mit einer Platte als Ladefläche. Der niederländische Importeur Ben Pon möchte dieses Auto für sein Heimatland in Serie bauen. Doch in den Niederlanden bekäme ein Fahrzeug, wo der Fahrer hinter der Ladung sitzt, keine Zulassung.
Daher überzeugt Pon den VW-Chef Heinrich Nordhoff, einen Lieferwagen im Frontlenker-Heckmotor-Layout zu bauen. 1948 entstehen erste Prototypen und am 3. März 1950 läuft die Serienproduktion an.
Technisch basiert er auf dem Käfer. Im Heck arbeitet ein Vierzylinder-Boxermotor mit zunächst 1,1 Liter Hubraum und 25 PS. Die Ingenieure bauen die Leistung weiter aus und entwickeln schließlich einen 1,5-Liter-Motor mit maximal 44 PS. Für die Kraftübertragung sorgt ein manuelles Vierganggetriebe. Die Luftkühlung ist heute technischer Kult und ein Erkennungsmerkmal des Bullis.
Die Karosserie des VW T1 ist konsequent auf den Einsatz als Nutzfahrzeug ausgelegt. Im Gegensatz zum Käfer verfügt der T1 über eine selbsttragende Karosserie, die sich auf einem Leiterrahmen abstützt. Die Nutzlast beträgt 750 Kilogramm. Die schmale Fahrerkabine, die aufrechte Sitzposition und die weit nach vorn gezogene Front erleichterten das Rangieren, insbesondere auf Baustellen und in engen Innenstädten.
Als Kastenwagen, Pritsche oder Doppelkabine (Doka) erfüllt der T1 exakt das, wofür er gebaut ist: Lasten bewegen und die Arbeit erleichtern. Zuerst produziert VW nur zehn Modelle am Tag, 1954 rollt bereits das 100.000ste Fahrzeug vom Band.
VW T2 – Das Reisemobil
17 Jahre nach dem Marktstart des T1 übernimmt die zweite Generation. Vorab kann ich Ihnen verraten, dass sich die Karosserie des T2 genau ein Teil mit dem Vorgänger teilt. Es ist die Heckklappe. Hier darf weiterhin ein Vierzylinder-Boxermotor wohnen, allerdings der 1600er aus dem VW Typ 3. In den zwölf Jahren Bauzeit erweitert VW das Motorenprogramm. So kommen etwa ab 1971 ein 1700er-Motor mit 66 PS, ein 1800er-Boxer mit 68 PS und im Jahr 1975 eine Zweiliter-Maschine mit 70 PS hinzu.
Das grundlegende Design des Transporters bleibt ähnlich, allerdings bekommt der T2 eine durchgehende und keine geteilte Frontscheibe. Ein sehr prägnantes Merkmal fehlt ebenfalls – das V in der Frontmaske. Der Radstand von 2,40 Metern entspricht weiterhin dem des Käfers. Allerdings verlängert VW die Karosserie von 4,28 Meter auf 4,42 Meter. Zusätzlich bekommt der T2 eine Einzelradaufhängung vorn und eine Schräglenker-Hinterachse. Das ersetzt die Pendelachse mit Längslenkern hinten, die der T1 vom Kübelwagen übernommen hatte.
Doch nicht nur die Technik hat sich weiterentwickelt, sondern auch der Anspruch der Kundschaft. Der Transporter ist nun nicht mehr nur ein Fahrzeug für schwere Lasten, sondern wird immer mehr zum Freizeitmobil. Eine Firma prägte dieses Image, wie keine andere – Westfalia. Ab 1950 baut die Firma aus Wiedenbrück die Campingbox für den T1. Elf Jahre später folgt der erste permanente Campingbus. Und mit dem wachsenden Wohlstand und der zweiten Bulli-Generation nahm der Erfolg seinen Lauf.
Die Ausbauvarianten machten den T2 für die jüngeren Generationen der Nachkriegszeit besonders attraktiv. Vom einfachen Schlafdach über die Komfortversionen mit Küchenzeilen und Sitzecken bis hin zu luxuriöseren Modellen, die eine vollständige Camping-Ausstattung boten, kann jeder seine Vorstellungen vom idealen Urlaubsmobil verwirklichen. Der T2 wird zum Inbegriff des unabhängigen Reisens. Diese Rolle trägt er bis heute.
VW T3 – Der Letzte mit Heckmotor
Der T3 ist die erste eigenständige Neuentwicklung in der Transporter-Familie. Das lässt sich schon an der stark veränderten Optik erkennen, als er 1979 auf den Markt kommt. Doch im Heck, unter der sich nun im Wageninneren befindenden Klappe, sitzt weiterhin der luftgekühlte Vierzylinder-Boxer des T2 mit 50 oder 70 PS. Im Angesicht von VW Passat, Golf oder Polo hätten einige Leute eher einen Fronttriebler mit wassergekühltem Quermotor erwartet. In Wolfsburg fehlt allerdings das Geld für neue Motoren und Layouts.
Doch die Konstruktion birgt Potenzial, das die VW-Ingenieure kontinuierlich weiter ausschöpfen. Nur zwei Jahre später bekommt der T3 einen 1,6-Liter-Dieselmotor mit 50 PS und Wasserkühlung. 1982 folgen die ersten wassergekühlten Boxer-Benziner und 1984 entwickelt VW den letzten neuen Motor der Boxer-Generation: 2,1 Liter Hubraum und 112 PS. Darauf folgen der allradgetriebene Syncro und der Multivan. 1987 bekommt der Diesel Turboaufladung. Äußerlich hat sich zum Vorgänger vieles getan. Der Transporter ist nun kantiger und dank längerem Radstand auch geräumiger. In der Länge wächst er auf 4,57 Meter an. Das Fahrgefühl soll jetzt mehr dem eines Pkw ähneln.
1992 war schließlich Schluss, nach 1,3 Millionen Fahrzeugen. Der T2 wird hingegen in Südamerika noch bis 2013 gebaut.
Der Spitzname Bulli
Nun, egal für welche dieser Transporter-Generationen Sie sich entscheiden, eines haben die drei gemeinsam: Sie sind die wahren Bullis. Jeder für sich prägt seine damalige Zeitepoche. Alle haben einen Heckmotor, Heckantrieb, einen luftgekühlten Boxermotor (auch der erste T3) und ein funktionelles Design.
Woher ihr berühmter Spitzname stammt, ist nicht mit Sicherheit überliefert. Eine Theorie besagt, Bulli sei eine Zusammensetzung aus Bus und Lieferwagen, eine andere meint, der Name kommt vom Adjektiv bullig. Mitarbeiter sollen bereits den Entwurf der ersten Prototypen des T1 mit diesem Begriff beschrieben haben. Wie auch immer der Name zustande kam, jeder weiß, welches Fahrzeug gemeint ist. Dem VW Bulli gelingt, was nicht viele Autos schaffen. Er hinterlässt Spuren auf sämtlichen Straßen dieser Welt und in wohl fast jedem Autofahrerherz. Mir ist noch kein Mensch begegnet, der nicht mit einem Lächeln an einem Bulli vorbeigegangen ist.











