Die Geschichte des Jimny beginnt 1909. Damals gründete der damals 21-jährige Michio Suzuki in Japan eine kleine Firma zur Herstellung von Webstühlen. Das Unternehmen wuchs, und über den Bau von Motorrädern fand Suzuki schließlich den Weg zur Automobilproduktion. 1955 rollte mit dem Suzulight das erste Auto der Marke auf die Straße – ein kompakter Kleinwagen, der in seiner Zeit als besonders innovativ galt.
Am Anfang mit Zweitakt-Motor
Fünfzehn Jahre später folgte das Modell, das bis heute das Bild von Suzuki prägt. 1970 erschien der erste Jimny – ein im Vergleich mit anderen zeitgenössischen Geländewagen winziges Fahrzeug. Dabei war der Ur-Jimny keine reine Suzuki-Entwicklung. Die japanische Hope Motor Company hatte 1968 den HopeStar ON360 auf den Markt gebracht, ein winziger Geländewagen mit einem Mitsubishi-Zweitaktmotor und sehr überschaubarem Verkaufserfolg.
Das damalige Suzuki-Management hatte offenbar mehr Weitsicht als die Kollegen von Mitsubishi, die den Kauf von Hopestar ablehnten. Suzuki übernahm dagegen die komplette Firma und damit auch die Rechte am HopeStar ON360. Auf dieser Basis entstand der Suzuki LJ10, das erste Modell einer Baureihe, die bis heute fortbesteht.
Auf dem Sprung nach Europa
Der LJ10 war ein echtes Kei-Car – ein Fahrzeug, das den strengen japanischen Vorgaben für Kleinstwagen entsprach. Drei Meter Länge, 1,4 Meter Breite und ein 360-Kubik-Zweitaktmotor mit 24 PS bestimmten die Eckdaten. Robust, leicht und auf das Wesentliche reduziert, traf der kleine Allradler genau den Nerv einer Generation, die in Japan nach Mobilität jenseits asphaltierter Straßen suchte.

Der HopeStar ON360 war die Grundlage für den Suzuki Jimny.
1972 folgte der LJ20 mit modifiziertem Grill und leicht überarbeitetem Motor, und drei Jahre später begann der Export nach Australien. In Deutschland mussten sich Geländewagenfreunde noch bis 1979 gedulden. Erst dann präsentierte Suzuki auf der IAA in Frankfurt den LJ80 – mit 800 Kubikzentimetern Hubraum, 41 PS und einem Preis ab 12.500 Mark. Der kleine Offroader traf auf ein wachsendes Interesse an kompakten Allradfahrzeugen, das unter anderem durch Modelle wie den Lada Niva oder den Daihatsu Wildcat befeuert wurde. Der Jimny wurde in kurzer Zeit zum Verkaufserfolg.
Auf LJ folgt SJ
1981 startete die zweite Generation unter der Bezeichnung SJ . Sie wuchs deutlich, blieb aber dem Grundprinzip treu: leicht, robust und kompromisslos geländegängig. Der SJ 410 und später der SJ 413 mit 1,3-Liter-Motor wurden weltweit zu Symbolen für einfache, aber zuverlässige Geländetechnik. In Europa trugen sie ab 1984 den Namen Samurai, der sich fast zwei Jahrzehnte im Programm hielt. Auch Dieselversionen entstanden – gefertigt bei Santana in Spanien – und hielten den Samurai bis 1998 im Angebot.
Mit der dritten Generation, die 1998 erschien, kehrte Suzuki wieder zum ursprünglichen Namen Jimny zurück. Der neue Geländewagen war kompakter, komfortabler und technisch moderner, blieb aber ein echter Geländewagen mit Leiterrahmen und Allradantrieb. Während viele Hersteller auf den SUV-Trend umschwenkten, um straßentauglichere Modelle zu entwickeln, blieb Suzuki beim klassischen Konzept. Für Landwirte, Förster und Handwerker blieb der Jimny eine unverzichtbare Größe. In Deutschland fanden allein im Jahr 2017 fast 7.000 Exemplare einen Käufer – bemerkenswert für ein Nischenmodell.
Der moderne Jimny
2018 erschien schließlich die vierte Generation. Das kantige Design erinnerte bewusst an die frühen Modelle, kombiniert mit einem 1,5-Liter-Motor, 102 PS und modernen Sicherheitssystemen. Die Nachfrage übertraf schnell alle Erwartungen, doch strengere CO₂-Vorgaben in Europa zwangen Suzuki zum Handeln. Der Verkauf wurde 2020 vorübergehend gestoppt, da die Flottenemissionen zu hoch lagen.
Ganz verschwand der Jimny jedoch nicht. 2021 brachte Suzuki ihn als leichtes Nutzfahrzeug zurück, mit ausgebauten Rücksitzen und abgetrenntem Laderaum – eine pragmatische Lösung, um den strengen Pkw-Regeln zu entgehen. Auch diese Variante fand sofort ihre Anhänger, und die Nachfrage blieb ungebrochen.
2024 war allerdings auch das Geschichte: Mit dem Sondermodell Jimny Horizon verabschiedete sich Suzuki Deutschland vom Kraxel-Klassiker, der 2023 in Indien präsentierte Fünftürer-Jimny schaffte es nie in den offiziellen Europa-Verkauf.












