Neue Studie untersucht 8.000 E-Autos: Batterien halten länger als die Fahrzeuge

8.000 Elektroautos untersucht
Batterien halten länger als die E-Autos selbst

ArtikeldatumVeröffentlicht am 27.02.2026
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Foto: Hersteller, Schönfeld

Die Lebensdauer der Hochvoltbatterie gilt für viele Elektroauto-Interessenten immer noch als entscheidender Faktor beim Kauf – egal ob Neuwagen oder Gebrauchter. Der Zustand des Akkus beeinflusst nämlich nicht nur die Reichweite, sondern auch den Wiederverkaufswert und potenzielle Folgekosten. Genau an dieser Stelle setzt eine neue Studie von Generational aus England an. Erste Ergebnisse: Der durchschnittliche Gesundheitszustand (SoH) aller 8.000 getesteten Batterien lag bei 95,15 Prozent. Und: Je besser die Batterien ihre Leistungsfähigkeit über viele Jahre hinweg erhalten, desto höher ist das Vertrauen der Verbraucher, langfristig in Elektromobilität zu investieren.

Transparenz im Gebrauchtmarkt

Dass Lithium-Ionen-Batterien im Laufe der Zeit an Kapazität verlieren, ist technologisch bedingt und normal. Wie stark dieser Verlust ausfällt, hängt jedoch nicht allein von der Batteriechemie ab, sondern maßgeblich von Nutzungsprofil, Ladeverhalten und thermischen Bedingungen. Häufiges Schnellladen bei niedrigen Temperaturen etwa beschleunigt den Verschleiß, während moderates Laden und vorausschauende Nutzung die Alterung deutlich reduzieren können.

Nach Einschätzung von Philip Nothard, Vorsitzender der Vehicle Remarketing Association, ist der Fokus auf den Batteriezustand beim Kauf gebrauchter Elektroautos nur folgerichtig. Schließlich handelt es sich um die teuerste Einzelkomponente des Fahrzeugs.

Transparenz werde entscheidend sein, um das Vertrauen der Kundschaft nachhaltig zu stärken und die zahlreichen Missverständnisse rund um Elektroauto-Batterien auszuräumen. Eine objektive Bewertung des Batteriezustands entwickle sich zunehmend von einer Zusatzinformation zu einem zentralen Entscheidungskriterium.

Über 8.000 Fahrzeuge von 36 Herstellern

Für den Battery Performance Index hat Generational mehr als 8.000 Batterien von Elektroautos untersucht. Die Stichprobe umfasst 36 verschiedene Hersteller und reicht von Neufahrzeugen bis zu zwölf Jahre alten Modellen. Berücksichtigt wurden sowohl Pkw als auch leichte Nutzfahrzeuge, mit Laufleistungen von bis zu 160.000 Meilen (rund 257.500 Kilometer).

Als zentrale Kennzahl dient der State of Health (SoH). Er beschreibt das Verhältnis der aktuell nutzbaren Batteriekapazität zur ursprünglichen Kapazität im Neuzustand und gibt damit einen objektiven Hinweis auf Alterung und Restlebensdauer.

Technischer Fortschritt klar sichtbar

Über alle Fahrzeuge hinweg lag der durchschnittliche SoH bei 95,15 Prozent – ein Wert, der deutlich über den gängigen Erwartungen liegt. Auch mit zunehmendem Fahrzeugalter blieb der Batteriezustand auf hohem Niveau:

  • 4–5 Jahre alte Fahrzeuge: durchschnittlich 93,53 % SoH
  • 8–9 Jahre alte Fahrzeuge: rund 85 % SoH

Damit liegen selbst ältere Fahrzeuge klar über der üblichen Herstellergarantie, die meist eine Mindestkapazität von 70 Prozent nach acht Jahren oder 160.000 Kilometern vorsieht.

Die Ergebnisse spiegeln zugleich den rasanten technischen Fortschritt der vergangenen Jahre wider. Mit Blick auf aktuelle Entwicklungen – etwa bei neuen Zellchemien oder Festkörperbatterien – ist davon auszugehen, dass sich die Haltbarkeit zukünftiger Generationen weiter verbessern wird.

Streuung nimmt mit dem Alter zu

Auffällig ist jedoch, dass sich mit zunehmendem Fahrzeugalter die Streuung der SoH-Werte vergrößert. Während der Durchschnitt hoch bleibt, wächst der Abstand zwischen besonders gut und schlecht erhaltenen Batterien.

Bei vier bis fünf Jahre alten Fahrzeugen lag das untere Viertel bei etwa 91,6 Prozent SoH, das obere Viertel bei rund 96,5 Prozent. In der Altersgruppe acht bis zwölf Jahre fiel das untere Viertel hingegen auf etwa 82 Prozent, während das obere Viertel noch rund 90 Prozent erreichte.

Diese zunehmende Varianz macht deutlich: Nicht der Durchschnitt definiert das Risiko im Gebrauchtmarkt, sondern die wenigen Ausreißer nach unten. Genau hier wird eine individuelle Batterieprüfung entscheidend.

Hohe Laufleistung – kein Batterietod

Auch Fahrzeuge mit hoher Laufleistung schnitten überraschend gut ab. Elektroautos mit mehr als 160.000 Kilometern erreichten in der Studie häufig einen SoH zwischen 88 und 95 Prozent.

Das unterstreicht eine der zentralen Erkenntnisse des Berichts: Die Laufleistung allein ist kein verlässlicher Indikator für den Batteriezustand. In mehreren Fällen erzielten jüngere Fahrzeuge mit hoher Kilometerleistung bessere Ergebnisse als ältere Fahrzeuge mit geringer Laufleistung.

Alter und Kilometer verlieren ihre Bedeutung

Damit unterscheidet sich der Verschleiß von Elektroautos grundlegend von dem klassischer Verbrenner. Während dort Alter und Laufleistung zentrale Bewertungsmaßstäbe sind, wird der Zustand einer EV-Batterie stärker durch Lade-, Nutzungs- und Wartungsverhalten geprägt.

Ein Elektroauto "verschleißt" nicht zwangsläufig mit jedem gefahrenen Kilometer. Für den Gebrauchtwagenmarkt bedeutet das einen Paradigmenwechsel: Wartung und Nutzung werden wichtiger als traditionelle Kategorien wie Baujahr oder Kilometerstand.

Auswirkungen auf Industrie, Versicherungen und Politik

Die Studie hat weitreichende Implikationen für die gesamte Branche. Hersteller werden durch die Ergebnisse gestärkt, da reale Batterielebensdauern die bisherigen Annahmen klar übertreffen. Gleichzeitig erhalten Verbraucher eine faktenbasierte Grundlage, um Unsicherheiten beim Kauf gebrauchter Elektroautos abzubauen.

Darüber hinaus profitieren auch Versicherer, Flottenbetreiber und politische Entscheidungsträger. Verlässliche Batteriedaten ermöglichen präzisere Risikomodelle, bessere Restwertprognosen und fundiertere Förder- und Regulierungsansätze. Laut Generational ist es daher nicht die Batteriedegradation selbst, sondern die mangelnde Transparenz, die derzeit das größte Hemmnis für einen stabilen Gebrauchtwagenmarkt darstellt.

Fazit