Polestar ist als Volvo-Tochter gestartet und bot nach dem Hybrid-Erstling Polestar 1 ausschließlich E-Autos an. Anlaufschwierigkeiten, die stockende Antriebswende sowie Verzögerungen bei Elektronik und Software machten Polestar Probleme. Seit 2020 sammelten sich mehr als vier Milliarden Verluste an, der Aktienkurs implodierte – 2024 verkaufte Volvo zwei Drittel seiner Anteile an der Marke. Konzernmutter Geely übernahm, schoss neues Geld nach und Gründungs-CEO Thomas Ingenlath, zuvor und jetzt wieder Volvo-Chef-Designer, übergab an Michael Lohscheller. Unter dem ehemaligen Opel-Chef schaffte die (inzwischen) Stellantis-Tochter den Turnaround.
Und auch Polestar soll der 57-Jährige Deutsche profitabel machen. Mitte Februar 2026 gab er einen Ausblick, wie das gelingen soll. Die Geschäftsergebnisse 2025 gibt Polestar erst im April bekannt, aber dass die Marke insgesamt 60.119 Autos verkauft hat, kann Lohscheller schon jetzt vermelden. Das sind 34 Prozent mehr als 2024, in Europa betrug das Wachstum sogar mehr als 50 Prozent.
Hauptmarkt Europa
Dahin legt Lohscheller auch den Hauptfokus für 2026. In China hingegen, wo viele Polestars produziert werden, will die Marke sich aktuell nicht mehr aktiv um neue Kunden bemühen, die 5.000 bis 6.000 Bestandskunden aber weiterhin betreuen.
Die aktuelle Modellpalette adressiert laut dem CEO nur etwa 25 Prozent des E-Auto-Marktes. Mit vier neuen Modellen, die binnen der nächsten drei Jahre auf den Markt kommen sollen, will Lohscheller mehr als 55 Prozent möglicher E-Auto-Kunden ansprechen und so mehr Absatz, Umsatz und letztlich Gewinn machen. 2026 will er im niedrigen zweistelligen Prozentbereich mehr Autos verkaufen, als Fernziel schweben Lohscheller mehr als 100.000 Stück pro Jahr vor, er will sich aber nicht festlegen, wann das zu erreichen ist.
Welche neuen Modelle kommen
Polestar 4 "Kombi"
Noch im vierten Quartal 2026 will Polestar eine weitere Karosserievariante des bisherigen Bestsellers Polestar 4 anbieten, die mehr Variabilität erlauben soll. Nachdem es sich beim Polestar 4 um ein SUV-Coupé handelt, das mit seiner fehlenden Heckscheibe für Diskussionen sorgte, kommt der Neue mit dem klassischen, geräumigeren Steilheck und mutmaßlich mit Heckscheibe.
Die Anmutung soll eher die eines Kombis sein, auch wenn die Karosserie mit überschaubarem Änderungsaufwand auskommen dürfte, damit der schnelle Produktionsstart möglich ist. Der ursprüngliche Polestar 4 bekommt dann die Zusatzbezeichnung Coupé, der neue erbt den einfacheren Namen des Erstlings. Ob die neue Zusatzbezeichnung, wie bei anderen Herstellern, das Coupé teurer macht als die neue Kombi-Variante, ist noch nicht entschieden. Vom bisherigen Polestar 4 lassen sich Abmessungen und Preise in etwa ableiten:
Länge x Breite x Höhe: 4,84 x 2,01 x 1,54 Meter
Radstand: 2,99 Meter
Leistung von bis: 272 bis 554 PS
Ca.-Preis von bis: 62.000 – 70.000 Euro
Polestar 2 II
Schon im Frühjahr 2027 soll ein Nachfolger für den E-Auto-Erstling Polestar 2 auf den Markt kommen. Die Limousine mit dem Stummel-Stufenheck soll die bisherigen (190.000) Kunden abholen und bei der Marke halten. Darum behält der Nachfolger die Typziffer 2 – entgegen der Polestar-Gepflogenheiten neue Modelle nach Erscheinungszeitpunkt durchzunummerieren. Die zweite Generation wird wohl deutlich wachsen, weil die Kunden sich mehr Platz im Fond wünschen. Wie viel bei Radstand und Länge on top kommt, wollte Polestar noch nicht verraten, aber es dürften eher ein zweistelliger Zentimeterbereich werden, denn eine neue Plattform ist höchstwahrscheinlich. Die erste Generation basiert noch auf Volvos Compact Modular Platform (CMA), auf der auch XC40 und EX40 basieren, die beide wohl bald abgelöst werden.
Beim Design des sehr charakteristischen Modells, das als erstes größere Stückzahlen erreichte, und wie Polestar schreibt, "die Marke aufbaute", stehen die Zeichen auf Erneuerung. Lohscheller betont ein besonders sportliches Heck am neuen Modell, was darauf hindeutet, dass sich vor allem hier die charakteristische, sehr geometrische Formgebung wandelt. Während Abmessungen und Optik sich verändern, bleibt die Karosserieform beim Stufenheck. Die neue Generation könnte sich also ins Segment von Audi A5 und BMW 3er hineinentwickeln, woraus sich in etwa diese Eckdaten ergeben könnten (Schätzungen auf Basis des aktuellen Modells):
Länge x Breite x Höhe: 4,75 x 1,90 x 1,48 Meter
Radstand: 2,85 Meter
Leistung von bis: 272 bis 450 PS
Ca.-Preis von bis: 50.000 – 58.000 Euro
Polestar 7
Das größte Stückzahlpotenzial steckt aber freilich nicht in Modellen mit Stufenheck, sondern bei SUVs. Davon hat Polestar zwar zwei beziehungsweise künftig drei im Programm (3, 4, 4 Coupé), beide haben aber fast drei Meter Radstand, sind ziemlich lang (4,84 Meter und 4,90 Meter) und entsprechend teuer. Also braucht Polestar dringend einen kompakten SUV (zirka 4,50 Meter Länge) à la VW Tiguan beziehungsweise ID.4, denn auch den Polestar 7 wird es ausschließlich elektrisch geben. Problem: Er kommt erst im Jahr 2028 und da eher im dritten Quartal auf den Markt.
Bei der Konzernschwester ist mit dem Zeekr X hingegen schon ein kompaktes Elektro-SUV im Programm, das aber mit 4,43 Meter Länge gleich 15 Zentimeter kürzer ist als beispielsweise VWs ID.4. Als Teil des Mehrmarken-Konzerns Geely dürfte Polestar aber nicht auf ähnlich große Modelle nur eines anderen Labels angewiesen sein. Laut Lohscheller ist Geely auf dem Weg zu sogenannten Group Architectures.
Diese Group Architectures darf man als technische Unterbauten inklusive Elektronik-Plattformen deuten, auf deren Basis die Marken nach ihren spezifischen Anforderungen Plattformen entwickeln. Die Synergien kommen davon, dass alle Marken auf den Group Architectures aufsetzen, die wiederum von einer Marke maßgeblich entwickelt wurden. So wie die SPA3, die Volvo gerade mit dem EX60 erstmals vorgestellt hat. Durch die Verbindung mit Volvo (hält noch 18 Prozent der Anteile), ablesbar auch am gemeinsamen Sitz der Entwicklungszentren in Göteborg, dürfte Polestar recht bald die SPA3 verwenden.
Obwohl der EX60 mit 4,80 Meter eher die Größe des Polestar 4 hat, ließe sich eine Plattform für den kleineren Polestar 7 aus der SPA3 ableiten. Denn Volvo-Entwicklungsvorstand Anders Bell hat sie bereits bei der Präsentation als skalierbar für das ganze Spektrum an Volvos bis hinunter zum EX30 bezeichnet. Und der ist gerade mal 4,23 Meter lang. Naheliegender dürfte freilich eine technische Verwandtschaft zum überfälligen Nachfolger des EX40 sein, der bereits seit 2019 auf dem Markt ist. Volvo-CEO Håkan Samuelsson sagte dazu: "Unsere Zusammenarbeit mit Polestar bei der Entwicklung und Produktion des Polestar 7 unterstreicht, wie Volvo Cars und Polestar weiterhin Synergien nutzen, um effizient herausragende Fahrzeuge für unsere jeweils unterschiedlichen Kundensegmente zu liefern."
Mögliche Eckdaten des Polestar 7 (2028):
Länge x Breite x Höhe: 4,50 x 1,95 x 1,62 Meter
Radstand: 2,75 Meter
Leistung von bis: 272 bis 450 PS
Ca.-Preis von bis: 45.000 – 53.000 Euro
Polestar 5
Zu den vier neuen Modellen zählt Lohscheller auch den bereits 2025 vorgestellten viertürigen GT Polestar 5, obwohl der sicher nicht zum Absatzwachstum beitragen wird. Und trotz des hohen Preises (118.600 bis 141.600 Euro) dürfte selbst sein Ergebnisbeitrag überschaubar bleiben. Aber er rollt im Sommer 2026 als erste Neuheit der Modelloffensive auf den Markt und soll mit seinen spektakulären Leistungswerten (die Performanceversion mit 884 PS beschleunigt von 0 bis 100 km/h angeblich in 3,2 Sekunden) kräftig am Premium-Image der Marke polieren. Er steht übrigens auf einer von Polestar selbst entwickelten Leichtbau-Alu-Plattform.

Der offene Polestar 6
Das zweisitzige Cabrio, das Polestar bereits 2022 als Concept Car gezeigt hatte, gehört nicht zur Modelloffensive, weil es entgegen erster Ankündigungen nicht 2026 sondern erst 2029 nach dem Polestar 7 auf den Markt kommen soll. Damit durchbrechen die Schweden die Chronologie als Maßgabe ihrer Typbezeichnungen – wie beim neuen 2. Aber der offene Zweisitzer hat eher weniger Stückzahlpotenzial als der Polestar 5, und den Imagebooster gibt eben der viertürige GT schon.












