BMW Connected Car Beta Days, Update OS7 BMW

Fahrzeug-Software bei BMW

Neue Funktionen fürs Auto per Online-Update

Alle sprechen vom Smartphone auf Rädern, BMW will es jetzt wirklich bringen und macht es wie die Smartphone-Elite aus dem Silicon Valley und Asien: Brandneue Funktionen fürs Auto per Online-Update – und das in nur 20 Minuten.

Bei den BMW Connected Car Beta Days macht BMW einen großen Schritt – zumindest für einen Autohersteller, denn nicht nur dass die gesamte Veranstaltung virtuell stattfand, die Bayern präsentierten ihr neues, umfangreiches Update für das Fahrzeugbetriebssystem Operating System 7 (OS7), das 2018 mit dem X5 eingeführt wurde und seither in allen neuen Modellen zum Einsatz kommt: 1er, 2er, 3er, (neuer) 5er, 7er, 8er, X5, X6, X7, Z4.

Die Besonderheit an diesem System: Nicht nur das Infotainment kann mit Updates versorgt werden, sondern das gesamte Fahrzeug – und mit dem Update gibt es auch neue Funktionen. Während die BMW-Entwickler zu Beginn noch recht zaghaften Gebrauch von dieser Möglichkeit machten und etwa die schwarz-weißen Icons im Infotainment gegen farbige tauschten, folgte Anfang des Jahres ein Upgrade des Parkassistenten der seither längs und quer in die Lücke zirkelt.

Wie beeindruckend dieser Schritt ist, zeigt eine Newsmeldung der Konkurrenz aus den vergangenen Tagen: Mercedes kündigte kurzlich an mit dem IT-Giganten und Chiphersteller NVIDIA zu kooperieren, unter anderem um das Fahrzeug künftig vollumfänglich mit Updates zu versorgen. Los gehen soll es bei den Schwaben mit der neuen E-Klasse – allerdings erst in vier Jahren.

Softwareupdate übers Internet

Bei BMW folgt aber schon jetzt der nächste Streich mit einem noch umfangreicheren Update, die bei BMW Remote Software Upgrade heißen, kurz RSU. Die Software feiert im neuen 5er Premiere und wird im dritten Quartal kostenlos auch für in allen anderen BMW-Modellen mit OS7 ausgerollt. Das Beste daran: Für das Update ist weder ein Werkstatttermin noch ein langwieriger Installationsprozess nötig. In gerade einmal 20 Minuten soll das 1,5 Gigabyte große Softwareupdate installiert sein, nachdem es über die serienmäßig verbaute SIM-Karte des Infotainmentsystems aus dem Internet heruntergeladen wurde.

Viele der Neuerungen basieren dabei auf dem Navigationssystem, einem längst totgeglaubten Terrain für Autohersteller und sollen den Autofahrern einen echten Mehrwert bieten:

  1. Statt wie die meisten Hersteller ihre Navirouten im Fahrzeug zu berechnen, lagert BMW das Routing in die Cloud aus, wodurch die Zielführung noch schneller gestartet werden kann und zudem Kontext-Infos zu Points of Interests (POI) wie Bewertungen, Öffnungszeiten oder Bilder angezeigt werden. Außerdem wird über Conneted Parking der Fahrer bei der Parkplatzsuche unterstützt, wovon sich die BMW-Entwickler weniger Parkplatzsuchverkehr in der Stadt versprechen. Vielleicht noch wichtiger für die Fahrt durch die Stadt ist aber der neue Service namens eDrive-Zone. Mit ihm wechseln Plugin-Hybride automatisch in den rein elektrischen Fahrmodus, wenn das Auto in eine Umweltzone einfährt. Bereits jetzt hat BMW die Umweltzonen von 80 Städten in Europa im Kartenmaterial hinterlegt. Weitere sollen folgen.

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    In Stadtgebieten wechseln Plugin-Hybride künftig automatisch in den rein elektrischen Fahrmodus.

  2. Auf diesem Prinzip des Geofencings sind auch weitere Dienste Teil des Updates. Denn der Intelligent Personal Assistant (IPA) bekommt ein neues Design und wächst von einem reinen, cloudbasierten Sprachsteuerungsdienst zu einem echten persönlichen Assistenten heran mit dem Regeln für Fahrzeugfunktionen festgelegt und automatisiert werden können. Etwa das Öffnen des Fensters vor der Tiefgarage bei der morgendlichen Fahrt zum Büro, das Anschalten der Sitz- und Lenkradheizung oder die Aktivierung des Sportmodus auf bestimmten Strecken. Vorschläge zur Automatisierung kann das System dabei selbstständig machen, indem es das Verhalten des Fahrers analysiert und Prognosen für die Zukunft ableitet.

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    Neues Design und neue Funktionen: der persönlichen Assistent.

  3. Unter dem Namen Connected Charging hat BMW ein neues Feature für alle E-Autos und Plug-in-Hybride im Gepäck. Denn mit dem neuen RSU wird das Lademanagement bei der Routenberechnung noch stärker gewichtet. So soll das System immer die beste Route mit den bequemsten Ladestopps auswählen. Hierzu zeigt der Dienst neben Öffnungszeiten und Authentifizierungsoptionen an der Ladesäule auch die Kosten und die Verfügbarkeit an. Zudem werden POIs wie Kaffees oder Restaurants in der Nähe der Ladestation aufgelistet. Auch wenn das Fahrzeug erkennt, dass der Fahrer eine Pause benötigt, wird automatisch ein geeigneter Zwischenstopp vorgeschlagen, inklusive Ladeoption, gegebenenfalls auch an einer Schnellladestation, wenn es die Route und der Zeitplan möglich und nötig machen.

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    In Plug-In-Hybriden berücksichtigt die Navigation Ladesäulen, derne Verfügbarkeit und Preise sowie POIs.

  4. Wie Apple auf seiner Entwicklerkonferenz WWDC bereits mitteilte, soll die neue Version von OS7 auch das iPhone als digitalen Schlüssel akzeptieren. Bislang war dies nur Android-Nutzern möglich. Der Fahrzeughalter kann über die BMW-App einen digitalen Schlüssel erstellen und diesen mit bis zu fünf Nutzern teilen, mit dem das Fahrzeug geöffnet und gestartet werden kann – ganz ohne einen klassischen Autoschlüssel nur mit dem Smartphone und der dort integrierten NFC-Schnittstelle. Die Individualisierung der einzelnen digitalen Schlüssel geht dabei weit über die der klassischen Varianten hinaus, bei denen etwa Sitzeinstellungen oder die Farbe der Ambientebeleuchtung gespeichert werden konnte. Denn überlässt der Fahrzeughalter seinen Wagen beispielsweise dem Nachwuchs kann er als Hauptschlüsselinhaber etwa Limits für Tempo, Leistung (PS) und Radiolautstärke einrichten. Da für diesen Dienst eine NFC-Schnittstelle in der Tür und im Innenraum notwendig ist, unterstützen den Digital Key nur Fahrzeuge ab dem Produktionsdatum Juli 2020. Ältere Modelle bleiben trotz OS7-Software außen vor.

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    Apple Car Play gab es schon. Künftig dient das IPhone auf Wunsch aber auch als digitaler Fahrzeugschlüssel.

On-Demand-Dienste sollen Gebrauchtwagen attraktiver machen

Generell gilt aber: Die Hardware gerät ins Hintertreffen. Denn neben den neuen Features der aktuellsten OS7-Version verrät BMW auch, wie die zukünftige Strategie des Unternehmens aussieht. Im Vordergrund stehen dabei vor allem On-Demand-Dienste, also Optionen, die nachträglich, befristet oder testweise freigeschalten werden können. Dabei setzten die Marketingstrategen aber nicht nur auf Funktionen, die durch bessere Programmierungen oder Verlagerung in die Cloud möglich werden, sondern auch von Sonderausstattungen wie die Sitzheizung oder den Fernlichtassistenten, die beim Neuwagenkauf auch ohne Bestellung verbaut, aber nicht freigeschalten sind. Auf diese Weise sollen die Autos langlebiger gemacht werden und attraktiver für den Gebrauchtmarkt.

Abzuwarten ist dabei, welche Bezahlmodelle BMW wählt. Denn mit kostenlosen Updates lässt sich kein Geld verdienen. Aus diesem Grund versuchte der Hersteller bereits vor einigen Monaten erste Gehversuche in Sachen Function on Demand und heimste harsche Kritik ein. Damals bot er seine Smartphone-Integration Apple Car Play in der Erstausstattung nur befristetet an. Wollten die Kunden den Dienst weiter nutzen mussten Sie noch einmal Bezahlen und konnten erst ab dem dritten Jahr die zeitlich unbegrenzte Lizenz für 400 Euro buchen.

Ob die Kundschaft bei der Sitzheizung eher bereit ist bereits bezahlte Funktionen erneut zu kaufen, ist dabei fraglich. Zumal auf Rückfrage von auto motor und sport aktuell noch nicht geplant ist, gekaufte Funktionen über das BMW-Nutzerkonto auch auf andere Fahrzeuge zu übertragen. Wechselt der Wagen also den Besitzer, ist er wieder nackt wie die Serienausstattung und beim neuen Fahrzeug muss dieselbe Funktion noch einmal gekauft werden.

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