Eine neue Axialfluss-Elektromaschine aus Amerika verspricht beeindruckende Eckdaten: bis zu 53 Prozent höhere Drehmomentdichte bei 58 Prozent weniger Bauraum und 37 Prozent geringerem Gewicht – zumindest gegenüber herkömmlichen Radialflussmotoren. Die Technik kann bald als integrierter Antrieb samt Leistungselektronik und Getriebe bestellt werden.
Für sportliche Fahrzeuge oder Baumaschinen geeignet
Das 2020 gegründete Unternehmen Turntide mit Standorten in Nordamerika, Großbritannien und Indien möchte sich als Anbieter von Elektromotoren, Leistungselektronik, Energiespeichern und Thermalsystemen für mobile Anwendungen etablieren. Ein entscheidender Schritt dafür könnte die vollständig integrierte "Axial Flux Electric Drive Unit" (EDU) sein, die Motor, Inverter sowie Getriebe beziehungsweise Differenzial in einer fertigen Baugruppe vereint.
Vorgestellt wird die neue Antriebseinheit auf der riesigen Baumesse Conexpo-Con/Agg in Las Vegas Anfang März 2026. Die Wahl der Messe unterstreicht die strategische Ausrichtung: Neben Performance-Fahrzeugen zielt Turntide primär auf Baumaschinen-Anwendungen.
Trend: Integrierte EDU
Sogenannte integrierte EDUs (steht für Electric Drive Unit, also elektrische Antriebseinheit) werden immer häufiger. Denn viele Hersteller verabschieden sich zunehmend von einzeln beschafften Komponenten unterschiedlicher Zulieferer. Die Validierung separater Motoren, Inverter und Getriebe kann Monate oder sogar Jahre in Anspruch nehmen. Hinzu kommen komplexe Abstimmungsprozesse, Packaging-Probleme und thermische Herausforderungen. Eine vollständig getestete, vorkonfigurierte Plattform kann diesen Aufwand erheblich reduzieren.
Genau hier setzt Turntide an. Das Unternehmen übernimmt Integration, Validierung und Erprobung vorab und bietet Autoherstellern eine skalierbare Architektur, die sich vergleichsweise schnell in neue oder bestehende Fahrzeugkonzepte integrieren lässt. Laut CEO Steve Hornyak senkt das nicht nur Entwicklungszeit und -kosten, sondern auch das technische Risiko bei der Markteinführung neuer Produkte.
Modulare Plattform
Technisches Herzstück ist ein Axialflussmotor, auch Scheibenläufer genannt. Im Gegensatz zu klassischen Radialflussmaschinen verläuft der magnetische Fluss parallel zur Rotationsachse. Das ermöglicht eine besonders kompakte Bauform bei gleichzeitig hoher Leistungs- und Drehmomentdichte. Turntide spricht von 53 Prozent höherer Drehmomentdichte gegenüber vergleichbaren Radialflussmotoren – bei deutlich geringerem Bauraum und Gewicht.
Die Plattform ist modular aufgebaut. Sie unterstützt 400-Volt-Systeme sowie höhere Spannungen und lässt sich mit einzelnen oder gestackten Axialflussmotoren konfigurieren. Dadurch deckt die EDU einen Nennleistungsbereich von 73 bis 220 kW (99 bis 299 PS) und eine Peakleistung von 300 bis 700 kW (408 bis 952 PS) ab. Mit der Stapelbarkeit der Motoren lässt sich die Leistung flexibel an unterschiedliche Fahrzeugarchitekturen anpassen.
Kompakte Abmessungen, geringes Gewicht
Ein zentrales Merkmal der Axialfluss-Motoren ist das hohe Drehmoment bei niedrigen Drehzahlen. Das ermöglicht vereinfachte Getriebekonzepte mit geringerer mechanischer Komplexität. Weniger Bauteile bedeuten geringeres Gewicht, potenziell höhere Zuverlässigkeit und niedrigere Kosten. Zudem teilen sich Motor und Inverter eine gemeinsame Kühlung, was das Thermo-Management vereinfacht und Bauraum spart. Für Service und Wartung sind einzelne Komponenten separat zugänglich, um Ausfallzeiten zu reduzieren.
Dass die Plattform nicht nur auf dem Papier funktioniert, demonstrierte Turntide unter Extrembedingungen beim Offroad-Rennen King of the Hammers. Dort trat der speziell entwickelte Sierra Echo-R mit der Axialfluss-EDU auf der Desert-Challenge-Strecke an – als erstes zweckgebautes Elektrofahrzeug in diesem Wettbewerb. Knapp 1.000 Kilometer Wüstenpiste mit Dauerbelastung durch Vibration, Staub, Hitze und hohe Last dienten als realer Härtetest für den Antriebsstrang. Nach Unternehmensangaben absolvierte das Fahrzeug die Distanz ohne technische Probleme.












