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Mercedes Drive Pilot - autonomes Fahren nach Level 3
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Mercedes Drive Pilot - autonomes Fahren nach Level 3 8 Bilder

Mercedes Drive Pilot: Autonom nach Level 3

Mercedes mit Level-3-Zulassung Drive Pilot kostet wenigstens 5.950 Euro

Mercedes hat als weltweit erster Autohersteller ein zugelassenes Level-3-System in Angebot – und haftet damit auch für Unfälle des virtuellen Fahrers. Nun kann das System für S-Klasse und EQS bestellt werden.

Ab der ersten Jahreshälfte 2022 rüstet Mercedes die S-Klasse und den EQS auf Wunsch mit dem Drive Pilot aus. Bestellt werden kann das System für hochautomatisiertes Fahren für beide Modelle ab sofort. S-Klasse-Käufer, die das entsprechende Häkchen setzen, müssen dafür 5.950 Euro Aufpreis bezahlen. Im EQS kostet der Drive Pilot 8.842 Euro, da das System mit dem Fahrassistenz-Paket Plus zwangsgekoppelt ist. In der S-Klasse kann der Drive Pilot aber vorläufig nur mit den Benziner-Motorisierungen und im Maybach nur mit dem S 580 kombiniert werden.

Der digitale Fahrer ermöglicht autonomes Fahren nach Level 3. Die Schwaben sind weltweit die Ersten, die eine Genehmigung für den Verkauf von solchen Fahrzeugen in Deutschland erhalten haben und arbeiten aktuell daran, die Zulassung auf andere Märkte auszuweiten. Da kommen einem natürlich die klassischen Kern-Märkte fürs gehobene Automobil-Reisen in den Sinn: Asien und Amerika. Bis Ende 2022 sollen der Level-3-Drive-Pilot in Kalifornien und Nevada auf die Straße dürfen. Und weil das Land der unbegrenzten Möglichkeiten im Fall der Fälle auch bekannt für seine absurd-grenzenlosen Milliarden-Strafen ist, will man als künftiger Besitzer eines potenziell selbstfahrenden Mercedes natürlich wissen, wer haftet, wenn der "Drive Pilot" vom rechten Weg abkommt. Die Antwort ist erstaunlich einfach: der Hersteller haftet. Sagt Mercedes. Mit der Aktivierung des Level-3-Drive-Pilots gibt der Fahrer die Verantwortung für sein Fahrzeug an sein Fahrzeug ab. Und damit auch die Haftung. Die geht auf den Hersteller über. Und der hat genau aus diesem Grund das Nutzungsfenster für das Level-3-System extrem eng gefasst: Es arbeitet vorerst ausschließlich auf Autobahnen, tätigt keine Spurwechsel, ist ausschließlich bis 60 km/h aktiv, nur bei Tageslicht, nicht in Tunneln sowie Baustellen und nur bei Temperaturen über drei Grad Celsius.

Mehr als 60 km/h sind noch verboten

Aber der Reihe nach: Autonomes Fahren ist in sechs Stufen untergliedert: Bei null hat allein der Fahrer die volle Kontrolle über das Fahrzeug, bei fünf ist volle Autonomie möglich – dann kann das Fahrzeug theoretisch auch ohne Fahrer fahren. Im Marketingsprech der Hersteller hat sich teilweise auch Level 4 als "vollautonom" eingeschlichen, hierbei handelt es sich in Wirklichkeit zwar um hochautomatisiertes Fahren, bei dem der Fahrer aber immer noch hinter dem Steuer sitzen und permanent eingreifen können muss. Das jetzt für den Straßenverkehr zugelassene Level-3-System ermöglicht auf 13.191 Kilometern deutscher Autobahnen (also auf dem gesamten deutschen Autobahnnetz) ein automatisiertes Fahren bis zu einer Geschwindigkeit von 60 km/h. Höhere Geschwindigkeiten sind aktuell gesetzlich nicht erlaubt – auf der Autobahn ist der Drive Pilot also vor allen Dingen bei Staus und sehr dichtem Verkehr nutzbar.

Mercedes Drive Pilot - autonomes Fahren nach Level 3
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Wenn der Drive Pilot Sondereinsatzfahrzeuge erkennt, fordert er den Fahrer auf, wieder das Steuer zu übernehmen.

Ausweichen innerhalb der Spur

Hat der Fahrer den Drive Pilot per Lenkradtaste aktiviert, regeln die Systeme die Geschwindigkeit, den Abstand zum Vordermann und das Halten der Spur. Auch Ausweichmanöver innerhalb der Spur, beispielsweise wenn ein anderen Fahrzeug ein Stück auf die Spur des Mercedes gefahren ist, beherrscht die Technik. Autonome Spurwechsel sind aktuell gesetzlich nicht erlaubt.

Als Basis für das autonome Fahren nach Level 3 dient die Umfeldsensorik des Fahrassistenzpakets, zu der auch die Verkehrszeichen-Erkennung gehört. Hinzu kommt eine Lidar-System (Light detection and ranging – optische Abstands- und Geschwindigkeitsmessung per Laser), das die Mercedes-Verantwortlichen beim autonomen Fahren für unerlässlich halten. Zum Vergleich: Tesla Chef Elon Musk testet zwar ebenfalls Lidar-Systeme, hat allerdings behauptet, dass er Lidar für die autonomen Fähigkeiten seiner Autos nicht braucht. Lidar sei zu teuer und Tesla bekomme die Sensorik auch mit Kamerabildern hin. Mercedes verbaut zusätzlich zu den herkömmlichen Sensoren und dem Lidar noch eine Heckscheiben-Kamera, Mikrofone zum Erkennen von Schallsignalen von Sondereinsatz-Fahrzeugen und einen Nässe-Sensor im Radkasten.

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Die Aktivierung des Drive Pilot erfolgt über im Lenkradkranz sitzende Tasten.

Hochauflösende 3D-Karte und Backend-Rechner

Eine weitere wichtige Grundlage des Drive Pilot ist eine permanent geupdatete hochauflösende dreidimensionale Karte, die über eine Backend-Anbindung ins Fahrzeug kommt. Für die exakte Positionsbestimmung des Fahrzeugs reicht ein klassisches GPS-System nicht mehr aus. Das hochgenaue Positionierungssystem gleicht die von der Satelliten-Navigation empfangenen Daten permanent mit den Daten aller Umgebungssensoren ab und lässt in seine Berechnungen auch Daten zur Straßengeometrie, zu Streckeneigenschaften und Landmarken und zu Verkehrszeichen einfließen. Die gesammelten Informationen schickt das Fahrzeug gleichzeitig permanent an den Backend-Rechner, wo die Aktualisierung der Kartendaten stattfindet. Anhand der Kartendaten ist dann wiederum eine genaue Positionierung möglich, selbst wenn mal einer der Sensoren verschmutzt sein sollte. Die Karte enthält ein detailliertes Kreuzungs- und Spurmodell und soll im Zentimeterbereich genau sein – herkömmliche Navikarten ermöglichen bisher nur Genauigkeiten im Meterbereich.

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Zu den zahlreichen für den Drive Pilot notwendigen Umfeld-Sensoren gehört auch eine Heckscheiben-Kamera.

Redundante Systeme

Um die Ausfall-, Funktions- und Betriebssicherheit des Drive Pilot zu gewährleisten, sind die damit ausgerüsteten Fahrtzeuge mit redundanten Brems- und Lenksystemen ausgestattet – bei dem Ausfall eines sicherheitsrelevanten Systems schaltet die Technik also auf ein funktional vergleichbares Ersatzsystem um. Auch das Bordnetz ist redundant ausgelegt und die Berechnung der für das autonome Fahren notwendigen Algorithmen erfolgt ebenso redundant.

Nach UN-Vorschriften

Die gesetzliche Grundlagen für die technischen Anforderungen an das autonome Fahren nach Level 3 bildet die Vorschrift UN-R157 (UN Regulation Number 157 der UNECE/ United Nations Economic Commission for Europe – UN-Wirtschaftskommission für Europa). Die entsprechenden technischen Zulassungsvorschriften sind erst Anfang 2021 in Kraft getreten. Deutschland hat als erstes Land bereits 2017 sein Straßenverkehrsgesetzt (StVG) für die bestimmungsgemäße Nutzung von Level-3-Systemen geöffnet.

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Während der Fahrt Filme schauen oder Surfen

Die Mercedes-Verantwortlichen betonen, dass sich der Fahrer mit aktiviertem Drive Pilot anderen Tätigkeiten als dem Autofahren zuwenden kann. Kommunikation per In-Car-Office, das Schreiben von E-Mails, Surfen im Internet oder das Anschauen eines Films sollen so für den Fahrer während der Fahrt möglich sein. Außerdem kann der Fahrer Funktionen, die sonst während der Fahrt gesperrt sind, über das Zentraldisplay für den Drive-Pilot-Modus freigeben. Übernimmt der Fahrer nach Ablauf der Übernahmezeit und wiederholter Übernahme-Aufforderung nicht das Steuer, beispielsweise nach Auftreten eines gesundheitlichen Problems, bremst der Drive Pilot das Fahrzeug bis zum Stillstand ab, aktiviert die Warnblinkanlage, sendet eine Meldung an das Mercedes-Notrufsystem und entriegelt Fenster und Türen, um Ersthelfern den Zugang ins Auto zu erleichtern.

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Nein, da bleiben viele Probleme ungelöst.

Fazit

Mercedes bietet ab der zweiten Aprilhälfte 2022 für seine S-Klasse und den EQS optional den Drive Pilot an, der autonomes Fahren nach Level 3 ermöglicht. Damit ist Mercedes der erste Hersteller weltweit, der diesen Meilenstein erreicht. Und dieser Meilenstein steht am Rand von deutschen Autobahnen – nirgendwo sonst in der Welt ist diese Technik aktuell zugelassen. Dass der Fahrer, wenn er den Drive Pilot aktiviert hat, bei Geschwindigkeiten bis zu 60 km/h beispielsweise entspannt einen Film schauen kann, ist eine neue Dimension des Fahrens – das Tor Richtung vollautonomem Fahren nach Level 5 scheint jetzt ein Stück weiter geöffnet zu sein.

Die Einschränkungen, die aktuell noch fürs autonome Fahren nach Level 3 gelten, sind nicht nur technischer Natur. So erlaubt der Gesetzgeber beispielsweise keine autonomen Spurwechsel und die Höchstgeschwindigkeit ist auf die besagten 60 km/h begrenzt. Sowohl der Gesetzgeber als auch die technischen Entwicklungen werden weiter voranschreiten – schließlich ist das Einsatzgebiet des Drive Pilot aktuell nur für diejenigen interessant, die viel auf chronisch überfüllten Autobahnen unterwegs sind. Auf Landstraßen oder gar in der Stadt muss der Fahrer nach wie vor selber ran.

Die Zulassung des Drive Pilot ist also ein Zwischenschritt auf dem Weg zum vollautonomen Fahren, dessen Umsetzung nach wie vor noch etwas dauern könnte. Das Mercedes das aktuell mögliche Spitzenlevel 3 als Erster erreicht, ist ein gutes Signal für den Technologie- und Wirtschaftsstandort Deutschland.

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