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Mathias Vaitl, Leiter Mercedes me & Digital Services Business Daimler

Interview mit Mathias Vaitl, Leiter Mercedes me & Digital Services Business

Interview mit Mathias Vaitl, Leiter Mercedes me „Navigationsdienste stark gefragt“

Mathias Vaitl, Leiter Mercedes me & Digital Services Business, über zukünftige Online-Dienste, den Schutz von Kundendaten und warum Smartphones das Infotainment im Auto nicht verdrängen werden.

Im Mercedes me Store können Ihre Kunden schon heute eine ganze Reihe zusätzlicher Funktionen für ihr Auto hinzubuchen. Welche Funktionen werden besonders gern genommen?

Weiterhin sind die Navigationsdienste und die Remote-Funktionen, also die Fernbedienbarkeit des Fahrzeugs über die Mercedes me App, stark nachgefragte Produkte. Bei Fahrern von Hybriden und reinen Elektrofahrzeugen besteht hohes Interesse an Mercedes me Charge. Wir erwarten mit dem Ausbau unserer Produktpalette eine noch stärkere Nachfrage nach On-Demand-Ausstattungen, also Dienste und Sonderausstattungen, welche nach dem Fahrzeugkauf noch over the Air hinzugekauft werden können.

Zum Teil wird ab Werk Zusatztechnik verbaut, die sich anschließend aktivieren lässt. Die Hinterachslenkung mit erweitertem Lenkwinkel ist so ein Beispiel. Wie hoch muss die Hinzubuchquote sein, damit sich das lohnt?

Diese sogenannten On-Demand-Ausstattungen können ja sowohl als Sonderausstattung beim Fahrzeugkauf als auch nachträglich im Mercedes me Store der Fahrzeugausstattung hinzugefügt werden. Insofern ist nicht die Hinzubuch-quote alleine maßgeblich, sondern auch die Verbauungsquote der Sonderausstattung beim Fahrzeugkauf. Wir kalkulieren hierfür für jedes Produkt eine Mischkalkulation. Natürlich ist diese On-Demand-Ausstattung für die Zweit- oder Drittbesitzer eine super Möglichkeit, um ihr Gebrauchtfahrzeug auf ihre spezifischen Wünsche anzupassen.

Im Jahr 2025 möchte Mercedes eine Milliarde Euro Gewinn mit digitalen Diensten machen. Welche Arten von Diensten sollen das sein?

Wir wollen im Jahr 2025 eine Milliarde Euro EBIT mit digitalen Diensten machen. Im Kern sind das unsere digitalen Dienste, wie beispielsweise Navigationsdienste, Remote-Dienste, Entertainment im Fahrzeug – im Grunde genommen alles rund um Mercedes me. Darüber hinaus wird es eine Vielzahl an digital hinzubuchbaren Features geben, die auch hierauf einzahlen. Auch die weitere Elektrifizierung bietet viele Chancen und Möglichkeiten.

Welche Funktionen sind in Zukunft noch zu erwarten?

Wir haben viele attraktive neue Funktionen in der Pipeline. Wir werden weitere Sonderausstattungen als On-Demand-Funktionen nachrüstbar machen, zum Beispiel im Bereich der Fahrassistenzsysteme. Die ersten neuen Funktionen, wie der adaptive Fernlichtassistent, die Hinterachslenkung mit großem Lenkwinkel und der Fahranfänger- und Parkdienstmodus sind seit Kurzem in unserem Store live. Weitere werden folgen. Außerdem werden wir unter anderem neue Services im Bereich Entertainment bringen und unseren Kunden weitere Möglichkeiten zur Individualisierung ihres Fahrzeuges anbieten.

In der neuen C-Klasse setzt Mercedes stark auf Touchscreen-Bedienung. Vergraulen Sie damit nicht langjährige Kunden, die sich an das traditionelle Bediensystem gewöhnt haben?

Wir sehen bei den anderen Fahrzeugmodellen, die schon über einen Touchscreen verfügen, dass unsere Kunden diese Bedienlogik sehr gut finden und gerne verwenden und bestellen. Wir sehen kein Risiko, dass bestehende C-Klasse-Kunden negativ auf dieses Be- dienkonzept reagieren könnten. Ganz im Gegenteil ist das aktuelle MBUX für viele Kunden kaufentscheidend.

Das Smartphone bietet inzwischen ebenfalls sehr gute Navigations- und Online-Funktionen. Fürchten Sie nicht, dass Ihre Infotainment-Systeme bald überflüssig werden?

Nein, das sehen wir überhaupt nicht so. Entscheidend für den Kunden ist die Gebrauchstauglichkeit, während er mit dem Fahrzeug unterwegs ist. Und diese hängt maßgeblich von der Hardware, der Software, den Diensten und der nahtlosen Integration aller dieser Elemente im digitalen Ökosystem ab. Und hier sind wir mit MBUX, der hervorragenden Sprachbedienbarkeit, der engen Integration in die App sowie durch die Integration in unser Mercedes-me-Ökosystem ganz vorne mit dabei.

Man hört immer wieder, dass asiatische Kunden technikverliebter sind und deutsche etwas zurückhaltender auf neue Trends reagieren. Spüren Sie das bei den me-Produkten ebenfalls?

Wir sehen keine signifikanten Unterschiede auf der Welt hinsichtlich der "Technik-Verliebtheit", aber natürlich durchaus kulturelle Unterschiede in der Anwendung und auch Abhängigkeiten zur Altersstruktur unserer Kunden. Aber man kann nicht per se sagen, dass Deutsche zurückhaltender gegenüber neuer Technik sind.

Viele unserer Leser fürchten bei vernetzten Autos um ihre Daten. Wie sichert Daimler die Daten?

Wir haben ein rigides Datenschutzmanagement und sichern die Daten unserer Kunden nach den höchsten Standards ab. Wenn es auf der Welt abweichende Regelungen gibt, dann nehmen wir im Zweifel immer die anspruchsvollsten Datenschutzregelungen als Standard. Beispielsweise fragen wir explizit überall auf der Welt bei unseren Kunden dezidiert ab, ob sie uns mit anonymisierten Datenauswertungen bei der Verbesserung unserer Produkte unterstützen wollen, so wie es dem europäischen Recht entspricht – selbst dann, wenn es im jeweiligen Land geringwertigere Regelungen gibt. Zudem hat der Kunde stets selbst die Datenkommunikation in seiner Entscheidungshoheit. Der Kunde selbst entscheidet, welche Daten er erhalten bzw. senden möchte. Über die Mercedes me App oder den MBUX kann er jederzeit jeden Dienst aktivieren oder auch deaktivieren – ganz transparent.

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