Neue Daten zur Batterie-Alterung: Ladeleistung bestimmt im Wesentlichen Degradation

Neue Daten zur Batterie-Degradation
Schnellladen beschleunigt Alterung, aber nicht extrem

ArtikeldatumVeröffentlicht am 18.01.2026
Als Favorit speichern
Degradation Batterie Akku CCS Stecker
Foto: Geotab / Schönfeld

Aktuelle Auswertungen des kanadischen Telematikanbieters Geotab zeigen, dass moderne Traktionsbatterien in Elektroautos selbst bei intensiver Nutzung von Schnellladestationen eine insgesamt stabile Leistungsfähigkeit aufweisen. Zwar steigt die jährliche Degradationsrate bei häufigem HPC-Laden leicht an, sie bleibt jedoch deutlich innerhalb der von Herstellern garantierten Grenzen.

Für seine aktualisierte Studie zum Batteriezustand (State of Health, SoH) hat Geotab reale Telematikdaten von mehr als 22.700 Elektrofahrzeugen aus 21 Marken und Modellen ausgewertet. Die Analyse basiert auf mehreren Jahren aggregierter Fahrzeugdaten und soll damit reale Nutzungsbedingungen abbilden. Das Ergebnis: Die durchschnittliche jährliche Batteriedegradation liegt bei 2,3 Prozent. Im Vorjahr hatte Geotab noch einen Wert von 1,8 Prozent ermittelt.

Mehr Schnellladen, leicht höhere Degradation

Den leichten Anstieg führt Geotab vor allem auf veränderte Nutzungsgewohnheiten zurück. Mit dem massiven Ausbau der Schnellladeinfrastruktur greifen Fahrerinnen und Fahrer häufiger auf leistungsstarke Gleichstrom-Ladepunkte zurück. Das wirkt sich messbar auf die Alterung der Batterien aus, wird jedoch nicht als kritisch bewertet.

"Der Zustand der EV-Batterien bleibt gut, auch wenn die Fahrzeuge schneller geladen und intensiver genutzt werden", sagt Charlotte Argue, Senior Manager Sustainable Mobility bei Geotab. Nach ihren Worten halten moderne Batterien weiterhin deutlich länger als die von vielen Flotten kalkulierten Austauschzyklen. Entscheidend sei jedoch zunehmend das Ladeverhalten.

Ladeleistung als wichtigster Einflussfaktor

Die Analyse zeigt klar: Die Ladeleistung ist mittlerweile der dominierende Faktor für den Batterieverscheiß. Fahrzeuge, die überwiegend mit Gleichstromleistungen von über 100 kW geladen wurden, wiesen eine durchschnittliche Degradation von bis zu 3,0 Prozent pro Jahr auf. Fahrzeuge, die hauptsächlich mit Wechselstrom oder geringerer Ladeleistung geladen wurden, lagen dagegen bei etwa 1,5 Prozent pro Jahr.

Andere Einflussgrößen fallen deutlich geringer ins Gewicht. So beschleunigt ein heißes Klima die Degradation im Schnitt nur um etwa 0,4 Prozentpunkte pro Jahr gegenüber gemäßigten Regionen. Auch die Nutzungshäufigkeit spielt eine Rolle: Stark genutzte Fahrzeuge altern rund 0,8 Prozentpunkte pro Jahr schneller als Fahrzeuge mit geringer Laufleistung – ein Effekt, der laut Geotab durch betriebliche und wirtschaftliche Vorteile meist mehr als kompensiert wird.

Rechenbeispiel für eine 75-kWh-Batterie

Zur Einordnung der ermittelten Daten lässt sich die Alterung über acht Jahre anhand einer 75-kWh-Batterie beispielhaft darstellen. Über diesen Zeitraum hat ein durchschnittliches Elektroauto in Deutschland rund 125.000 Kilometer zurückgelegt. Ausgangspunkt ist ein State of Health (SoH) von 100 Prozent im Neuzustand.

  • Überwiegend AC-Ladung (≈ 1,5 % Degradation pro Jahr):
    Nach acht Jahren beträgt der Kapazitätsverlust rund 12 Prozent.
    Der SoH liegt bei etwa 88 Prozent, die nutzbare Kapazität bei rund 66,0 kWh.
  • Gemischte Ladeleistung (≈ 2,3 % pro Jahr, Geotab-Durchschnitt):
    Über acht Jahre summiert sich der Kapazitätsverlust auf etwa 18 Prozent.
    Der SoH sinkt auf rund 82 Prozent, entsprechend einer effektiven Kapazität von etwa 61,5 kWh.
  • Häufige DC-Schnellladung über 100 kW (bis zu 3,0 % pro Jahr):
    In diesem Szenario liegt der Kapazitätsverlust nach acht Jahren bei rund 22 Prozent.
    Der SoH beträgt noch etwa 78 Prozent, was einer nutzbaren Kapazität von rund 58,5 kWh entspricht.

Garantiewerte werden klar eingehalten

Trotz der Unterschiede beim Ladeverhalten bleiben die Batterien auch bei intensiver Schnellladenutzung innerhalb der üblichen Garantiewerte. Die Kapazitätsabnahme verläuft zudem nicht linear: Nach einem stärkeren Rückgang in den ersten ein bis zwei Jahren ("early drop") folgt meist eine längere Phase langsamer, gleichmäßiger Alterung.

Legt man die von Geotab ermittelten Degradationsraten zugrunde, lässt sich abschätzen, dass Fahrzeuge mit überwiegender AC-Ladung nach acht Jahren rund 12 Prozent Kapazität verlieren. Bei gemischter Nutzung sind es etwa 17 Prozent, bei häufiger DC-Schnellladung bis zu 22 Prozent. Selbst in diesem ungünstigsten Szenario läge der SoH nach acht Jahren noch bei rund 78 Prozent – und damit klar oberhalb der branchenüblichen Garantieschwelle von 70 Prozent nach acht Jahren oder 160.000 Kilometern.

Flexible Ladefenster statt strenger Regeln

Die Daten stellen auch starre Ladeempfehlungen infrage. Fahrzeuge, die regelmäßig einen breiten Ladezustandsbereich nutzen, zeigten keine signifikant höhere Degradation – solange die Batterie nicht dauerhaft bis 100 Prozent geladen oder nahezu vollständig entladen wird. Das ist nicht nur für Privatnutzer wichtig, sondern auch für Firmen mit mehreren oder vielen E-Autos.

Für Flottenbetreiber ergibt sich daraus ein klarer Handlungsansatz. "Die Verwendung der niedrigsten Ladeleistung, die noch den betrieblichen Anforderungen entspricht, kann einen messbaren Unterschied für die langfristige Batterieerhaltung bewirken, ohne die Fahrzeugverfügbarkeit einzuschränken", so Argue.

Daten als Schlüssel für effizienten Betrieb

Geotab betont zudem die Bedeutung transparenter Batteriedaten. Mithilfe moderner Telematiksysteme und Auswertungen wie dem EV Battery Health Report können Flottenmanager die reale Restkapazität ihrer Fahrzeuge überwachen, Alterungsprozesse besser verstehen und Einsatz- sowie Ladestrategien optimieren.

Die Studie bestätigt frühere Untersuchungen – etwa von P3 oder Aviloo –, wonach Traktionsbatterien langlebiger sind als oft angenommen. Neu ist vor allem die klare Quantifizierung des Einflusses der Ladeleistung: Häufiges Schnellladen beschleunigt die Alterung messbar, gefährdet jedoch weder die Alltagstauglichkeit noch die Garantiesicherheit moderner Elektroautos.

Fazit