BMW baut noch mehr als 10 Jahre PHEVs – mit dem neuen ZF-Getriebe 8HP evo

Milliarden für ZF 8HP evo in PHEV
BMW baut noch 10 Jahre PHEV mit 8-Gang-Getriebe

ArtikeldatumVeröffentlicht am 04.02.2026
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In einer Pressemitteilung von ZF heißt es wörtlich: "Die ZF Friedrichshafen AG und die BMW Group haben einen langfristigen Liefervertrag im Bereich Pkw-Antriebe geschlossen. Kern der Vereinbarung ist die Lieferung und Weiterentwicklung des bewährten 8-Gang-Automatgetriebes (8HP). Der Vertrag mit einem Volumen von mehreren Milliarden Euro hat eine Laufzeit bis in die späten 2030er-Jahre".

Der Zulieferer ZF steckt in einer schweren Krise und baut Tausende Stellen ab. Zwar soll die E-Antriebssparte im Konzern verbleiben, aber nicht nur, wie die Aspekte Langfristigkeit und Planungssicherheit in der aktuellen Pressemeldung betont sind, zeigt, wie wichtig das traditionelle Geschäft mit Vebrennern ist, um das Geld für die Transformation zu verdienen. Die Antriebswende lässt das riesige Geschäftsfeld mit Mehrganggetrieben naturgemäß schnell schrumpfen, da nur wenige E-Autos wie Porsche Taycan oder Mercedes CLA Getriebe mit mehr als einem Gang verwenden.

Das 8HP bezeichnet ZF nicht zu Unrecht als Benchmark-Getriebe. Autohersteller setzen es seit Jahren weltweit in zig Baureihen ein. Bei BMW debütierte es 2009 im 760i der Baureihe F01. Vom 12-Zylinder-Flaggschiff verbreitete es sich in alle BMW-Baureihen bis hinunter zum 1er. Schon 2019 hatte es ZF für den Einsatz in verschiedenen Hybrid-Antriebsträngen mit bis zu 160 kW (218 PS) Elektrounterstützung weiterentwickelt.

Effizienzgewinne und 10 Prozent mehr elektrische Reichweite

Das weiterentwickelte Automatgetriebe 8HP evo mit Komponenten aus dem Select-Baukasten (siehe Bildergalerie) hat ZF bereits auf der IAA 2025 vorgestellt. Es soll vor allem bei Elektrifizierung und Effizienz große Schritte machen. Gleichzeitig kommt es mit weniger Bauteilen aus, ist somit leichter und einfacher zu montieren.

Als Plug-in-Hybrid-Lösung steigt die maximale elektrische Leistung von 160 kW auf 200 kW und das maximale elektrische Drehmoment von 500 Nm auf 600 Nm. Die Verluste an der Eingangswelle sollen um rund 28 Prozent sinken. Zusammen mit einer "funktionellen Weiterentwicklung" verspricht ZF bei gleicher Batteriekapazität bis zu zehn Prozent zusätzliche Reichweite im Vergleich zum Vorgängermodell.

Kann auch 400-Volt-Vollhybrid ohne Plug-in

Gleichzeitig hat ZF die Verwendung schwerer seltener Erden reduziert – gut für Kosteneffizienz und Nachhaltigkeit. Bislang waren die elektrifizierten 8-Gang-Automatikgetriebe für 48-Volt-Mildhybride (MHEV) sowie 400-Volt-PHEV-Systeme ausgelegt. Das 8HP evo kann zudem ausdrücklich mit Fahrzeugen ohne externe Lademöglichkeit, aber mit 400-Volt-Basis (HEV) umgehen, in denen Rekuperation die Batterien während der Fahrt auflädt.

Bei dieser Variante ist das gesamte Getriebe leichter als beim PHEV und damit günstiger. Anders als 48-V-Mild-Hybriden unterstützen Vollhybride den Verbrenner nicht nur beim Starten oder Beschleunigen, sondern ermöglichen kurze Strecken rein elektrischen Fahrens, ohne auf eine Ladeinfrastruktur angewiesen zu sein. Laut ZF ist die Technik insbesondere auf dem US-Markt gefragt.

Modularer Aufbau für verschiedene Fahrzeuggrößen

Da hilft es, dass das Hybridgetriebe 8HP evo modular aufgebaut ist und genauso in Mittel- wie Oberklassefahrzeuge zum Einsatz kommen kann. Für die größere E-Reichweite hat ZF neben dem E-Motor und den mechanischen Komponenten auch die Leistungselektronik weiterentwickelt.

Bei der Elektronik macht das Getriebe quasi die Entwicklung im Gesamtfahrzeug zum Software Defined Vehicle mit: Mehr Prozessorleistung ermöglicht dem 8HP evo mehr Softwarefunktionen. Und die Softwarestruktur hat der Zulieferer jetzt so aufgebaut, dass Hersteller mit geringem Aufwand an die Getriebesteuerungssoftware andocken können. Klingt so, als könnte das neue 8HP evo über BMW hinaus eine ähnlich weite Verbreitung finden wie der Vorgänger.

Fazit