BMW 118d, Ford Focus 2.0 EcoBlue, Mini Clubman Cooper D, Seat Leon 2.0 TDI Achim Hartmann
BMW 118d, Ford Focus 2.0 EcoBlue, Mini Clubman Cooper D, Seat Leon 2.0 TDI
BMW 118d
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BMW 1er, Ford Focus, Mini Clubman, Seat Leon im Test

Kompakte von BMW, Ford, Mini und Seat im Test Diesel mit Spaßfaktor

Vernünftig dieselmotorisiert, aber traditionell auf Fahrspaß getrimmt, zählen BMW 1er, Ford Focus, Mini Clubman und Seat Leon zu den vergnüglichsten Kompaktwagen – ohne die Unterhaltskosten allzu hoch zu treiben. Wer macht am Ende das Rennen?

Ein paar Wochen erst ist es her, da tobten mit dem BMW 128ti, Ford Focus ST und VW Golf GTI drei rockige Kompaktwagen in auto motor und sport. Viel Power, viel Drehmoment, viel Fahrspaß; aber auch hohe Kosten. Sprit, Versicherung, Listenpreis. Deshalb: Geht’s vielleicht auch eine Nummer kleiner? Na klar. Schließlich halten die drei Hersteller noch immer an ihren Zweiliter-Dieselmotoren fest. Drehmoment? Kein Problem. 350 Nm sind mit den Verbrennern schnell zubereitet, und zumindest der GTI ist mit 370 Nm nicht viel potenter. Handling? Hmm – etwas Hirnen am virtuellen Lagerfeuer mit Kollegen, und schon steht fest: Seat Leon 2.0 TDI, BMW 118d und Ford Focus 2.0 EcoBlue passen perfekt. Um noch mehr Schmackes reinzubringen, buchen wir den Mini Clubman Cooper D hinzu, unter dessen Haube ebenfalls der BMW-Diesel arbeitet. Alle vier sind 150 PS stark, um die 1,5 Tonnen schwer und sportlicher Natur.

Starten wir mit dem 118d, dem Teuersten in dieser Runde. 40.500 Euro ruft BMW für den 1er in der Sport-Line-Ausführung mit Achtgangwandler (Steptronic Sport) auf. Ein saftiger Preis. Die gleichfalls automatisierten Konkurrenten sind teils über 7.000 Euro preiswerter. Immerhin ist er ordentlich ausgestattet, überzeugt mit Sportsitzen erster Güte samt pneumatischer Lehnenbreitenverstellung. Dazu gefällt das allumfassende Infotainment samt 10,25-Zoll-Touch-Display, superscharfem Kartenmaterial, Online-Anbindung via 4G-SIM-Karte und nahezu allem, was der Konzern mit seinen Connected-Services abdeckt. Zugleich ist der 1er ganz klar der Held in puncto Bedienung und Qualität. Die Kombination aus edlem Dreh-Drück-Steller in der Mittelkonsole, großem Touchscreen, frei konfigurierbaren Tasten unter dem Radio und einer überaus kompetenten "Hey BMW"-Sprachsteuerung ist richtig gut. Schön auch die fein eingepassten Tasten, die Klimarädchen, der knuffig runde Automatik-Wählhebel oder die Teppichware im Handschuhfach.

Selbst funktional ist der BMW top aufgestellt. Der solide Einlegeboden im angemessen großen Kofferraum (380–1.200 Liter) lässt sich dank zweier Gelenke zusammenklappen sowie fix aufstellen, rumst also nicht gleich wieder runter. So bleibt genug Zeit, die Hutablage im Unterboden zu verräumen. Eine zweigeteilte Rücksitzlehne, die sich auch in einer steilen Cargo-Stellung fixieren lässt (350 Euro), erhöht den Praxisnutzen zusätzlich. Warum wir das alles erwähnen? Weil der 1er es kann. Im Gegensatz zu Focus und Leon.

BMW 118d
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BMW 118d: 150 PS, 350 Nm, 0–100 km/h: 8,6 s, Testverbrauch: 6,1 l, Kofferraum: 380 bis 1.200 Liter.

Genug der Klapperei. Wie fährt er denn nun – knackig oder dröge? Natürlich sportlich, aber weniger unterhaltsam als der Seat. Focus und Mini? Können da ebenfalls nicht mithalten. Bestechend dafür beim BMW: die Kombination aus laufruhigem, antrittsstarkem Diesel (350 Nm ab 1.750/min) und der blitzschnellen sowie geschmeidigen Achtgangautomatik inklusive Schaltpaddel. Hektische Gangwechsel bei kurvigem Bergauf-Bergab, zu frühes Hochschalten? Nicht im BMW. Vielmehr schätzt er nicht nur tiefe Drehzahlen, sondern dreht gerne bis über 4.000 Touren, fast so, als wäre er ein Turbobenziner. Dennoch belässt es der Diesel bei einem Testverbrauch von 6,1 l/100 km. Nur der 2.0 TDI im Leon ist nochmals 0,2 Liter sparsamer.

BMW: Fahrwerkstechnik ohne Vorteile

Nicht ganz so rund gelang die Fahrwerksabstimmung. Trotz verhältnismäßig kleiner Bereifung (225/45 R 17) und zweifach verstellbaren Dämpfern (500 Euro) rollt der 1er im Komfort-Modus einen Tick zu harsch ab, gibt kurze Wellen zu deutlich weiter. Auf "Sport" getrimmt federt und dämpft er freilich ruppiger, ohne sich jedoch beim Handling besonders in Szene zu setzen. Dazu fehlt es der schwergängigen, aber präzisen Lenkung an zackiger Direktheit.

Wer nach einer angriffslustigen Lenkung sucht, sollte mal eine flotte Runde mit dem Focus wagen. Leichtgängig und direkt, setzt sie jede Handbewegung sofort um. Zudem dreht das Heck auf kurvigen, schnell gefahrenen Sträßchen gelegentlich mit ein. Klingt lustig, ist es auch. Nörgler dürften aber anmerken, dass der Ford auf der Geraden zu hibbelig ist, ständig animiert und keine Ruhe gibt.

Ford: viel Komfort, unharmonischer Wandler

Ähnlich nervös agiert leider auch die Achtgangautomatik. Im Herzen ein Wandler, stört sie in der Stadt mit Geruckel, verhaspelt sich oft in der Gangwahl und arbeitet längst nicht so schnell wie das Aisin-Getriebe im BMW. Schade, denn so verblasst der EcoBlue-Diesel. Kultiviert, kräftig (370 Nm) und sparsam (6,3 l), ist der Zweiliter-Vierzylinder ein feiner Motor. Aber den gar nicht mal so schweren Ford bringt er nicht in Schwung. Gegenüber dem sprintstarken 118d verliert er von 0 auf 100 km/h fast eine Sekunde und fällt bei der Vergleichsfahrt schnell zurück.

Ford Focus 2.0 EcoBlue
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Ford Focus 2.0 EcoBlue: 150 PS, 370 Nm, 0–100 km/h: 9,5 s, Testverbrauch: 6,3 l, Kofferraum: 392 bis 1.354 Liter.

An Federungskomfort fehlt es dem Ford hingegen nicht. Ausgerüstet mit dem inzwischen nur noch im ST buchbaren Fahrwerk mit Adaptivdämpfern, nimmt der Focus Straßenschäden (im Komfort-Modus) konsequent die Spitzen und bewältigt kurze wie lange Wellen fast wogend. Doch Vorsicht: Auf zackigen Fahrten über holprige Landstraßen kommt der Ford ins Schunkeln und verliert Bodenkontakt. Also bitte in das straffere Sport-Programm wechseln.

Zu den weiteren Stärken des Ford zählt der Verbund aus Laderaum, üppiger Ausstattung und Preis: 32.900 Euro für einen Kompaktwagen mit gut ablesbaren Instrumenten, klassischer Klimaautomatik, unauffälligen, aber gut ausgeformten Sportsitzen und einem unkomplizierten Infotainment sind ein faires Angebot. Der Kofferraum, ausgelegt mit dünnem Filzteppich, fasst 392 bis 1.354 Liter. Hilfreich auch die Zuladung von 542 Kilo. Dass die Sitzbank zu kurz geraten ist, sei da verziehen.

Störender fällt auf, dass die längsverschiebbare vordere Armauflage in der Mittelkonsole nicht nur knarzt, sondern sich auch nur mit viel Kraft bewegen lässt. Etwas Feinschliff könnte nicht schaden, zumal der Ford ohnehin mit wenig edlen Stoffen auskommen muss.

Mini: ikonisches Design, schwaches Handling

Ganz anders der Mini Clubman. Vorgefahren als Cooper D mit Achtgangwandler im "Classic Trim" für 34.900 Euro, sieht er schon sehr erlesen aus und bringt alles mit, was Mini-Fans glücklich macht. Die Mini-typischen Toggle-Leisten in Mittelkonsole und Dachhimmel, den runden Monitor mit vielfarbigem Leuchtring, die zu eng geschnittenen Sportsitze, den von BMW übernommenen Dreh-Drück-Steller. Der Aufpreis für die Nettigkeiten im Testwagen, etwas mehr Chrom, illuminierte Alu-Einlagen und Nappa-Lenkrad, liegt bei 900 Euro. Nur das bei Sonnenschein schwer ablesbare und ohnehin milchige Instrumentendisplay mindert die Freude am Interieur.

Mini Clubman Cooper D
Achim Hartmann
Mini Clubman Cooper D: 150 PS, 350 Nm, 0–100 km/h: 9,4 s, Testverbrauch: 6,2 l, Kofferraum: 360 bis 1.250 Liter.

Highlight des Clubman sind natürlich seine Split Doors, auch wenn sie rein funktional niemandem weiterhelfen. Schließlich braucht der Mini nach hinten immer rund einen Meter Platz, und die Türen klappen auf Knopfdruck dermaßen schnell und kraftvoll auf, dass man Mitreisende (insbesondere Kinder) vor Sidekicks warnen sollte. Nichts für schwache Arme ist auch das Schließen. Elektrisch oder via Fußbewegung geht hier nix. Es gilt, kräftig gegen die Gasdruckfedern anzudrücken.

Wohl dem, der nicht gerade alle Hände voll zu tun hat. Wobei man Mini hier auch loben kann. Hecktüren, Griffe, Federn, Ablagen, die beiden Wischer, alles ist nach BMW-Manier grundsolide konstruiert. Selbst an zwei Wischwasserdüsen hat jemand gedacht. Der Kofferraum fasst 360 bis 1.250 Liter, entspricht technisch dem des Plattformbruders BMW und ist entsprechend praktisch eingerichtet. Den Antrieb kennen wir ebenfalls vom 118d. Natürlich überzeugt er ebenso im fünf Zentimeter kürzeren Clubman mit weichen Schaltvorgängen, geringen Emissionen und verlässlichem Schub. Die Messwerte fallen indes nicht ganz so flott aus, liegen nahe bei jenen des trägen Ford. Das war’s dann auch mit den guten Botschaften. Überraschend hat der Mini in diesem Vergleichstest nicht mal ansatzweise eine Chance, zu gewinnen. Von wegen Gokart-Feeling, Fahrspaß und grandiose Slalomzeiten. Der charmante Brite lenkt zwar spitz ein, hält aber dann nicht, was er verspricht, untersteuert früh, wankt schwerfällig durch Kurven und wischt im Slalom gelegentlich mit dem Heck.

Von Fahrkomfort hält der serienmäßig mit 18-Zoll-Rädern bereifte Sechstürer ebenso wenig. Er hoppelt vielmehr bei jeder Geschwindigkeit, als anständig zu fahren und ansatzweise Ruhe auszustrahlen. Das größte Übel folgt aber auf der Bremse. Ob nun aus 100, aus 130 km/h, nach der ersten oder zehnten Bremsung – die Messwerte sind schlichtweg inakzeptabel. Aus 130 km/h mit warmer Anlage steht der üppig bereifte Clubman über zwei Wagenlängen später als der Seat! Hoffentlich war dieser Testwagen ein Einzelfall. So sehr wir uns auf diesen seltenen Gast gefreut haben, so wenig überzeugend wirkt hier sein Auftritt.

Seat: viele Grüße aus Wolfsburg

Bleibt noch der wohlbekannte Leon 2.0 TDI mit Siebengang-DKG. Außen scharfkantig, innen weniger fein, aber selbst als FR-Topmodell preiswert (32.080 Euro), trumpft er hier als talentierter Allrounder auf. Der Plattformbruder des Golf ist nicht nur praktisch und bietet mit Abstand den luftigsten Innenraum. Er fährt auch noch richtig gut, findet den idealen Mix aus Komfort und Agilität.

Seat Leon 2.0 TDI
Achim Hartmann
Seat Leon 2.0 TDI: 150 PS, 360 Nm, 0–100 km/h: 8,9 s, Testverbrauch: 5,9 l, Kofferraum: 380 bis 1.301 Liter.

Wie das? Sein Zweiliter-Diesel treibt den leichten Leon (50 kg weniger als beim BMW) kraftvoll voran, während das Getriebe nicht ruckt, vielmehr schnell und passend seine Gänge sortiert. Hinzu kommen eine starke, gut dosierbare Bremsanlage sowie eine präzise Progressivlenkung. Ein Fahrwerk mit adaptiven Dämpfern (830 Euro) rundet das Paket entsprechend ab.

Alles zusammen ergibt einen Leon, der auf der Autobahn komfortabel seinem Ziel entgegeneilt und sich auf kurvigen Landstraßen richtig wohlfühlt. Der Fahrer ebenso. Der Seat liegt stabil, untersteuert spät, wankt minimal. Schnell gewinnt man so Vertrauen, genießt die zielgenaue Lenkung, ihr Feedback und kurvt schneller und schneller. Genau so wünschen wir uns einen sportlich-sparsamen Kompaktwagen.

Einziger, aber gravierender Knackpunkt des Spaniers ist seine Bedienphilosophie. Alles, was wichtig ist, läuft über den monumentalen Touchscreen mit farbenfrohen, unbeschrifteten Icons und verzweigten Menüs. Nicht einmal eine Taste für die Fahrmodi gestattet Seat. Mag sein, dass junge Kunden genau so was schätzen, aber objektiv bringt es überhaupt keine Vorteile. Entsprechend wenig Punkte sammelt der Leon im Kapitel Bedienung. Den ersten Platz hat er sich dennoch redlich verdient. Mehr Spaß machte hier keiner.

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Fazit

1. Seat Leon 2.0 TDI 649 Punkte

Bestechend agil, dennoch komfortabel und sparsam. Der geräumige Leon bietet viel und bleibt bezahlbar. Schwächen? Nur in der Wisch-und-weg-Bedienung.

2. BMW 118d 634 Punkte

Der praktische 118d überzeugt mit seinem harmonischen Antrieb und einer einfachen Bedienung. Mankos: der hohe Preis und das stramme Fahrwerk.

3. Ford Focus 2.0 EcoBlue 614 Punkte

Die Kombination aus nervöser Lenkung und ruppigem Wandler zerstört den ansonsten komfortbetonten Auftritt. Gut: viel Platz und Extras für wenig Geld.

4. Mini Clubman Cooper D 562 Punkte

Schwache Bremsen, mäßiger Komfort und alles andere als agil – da bleibt nur der letzte Platz. Nur sein charismatischer Anblick ist nicht zu toppen.

Technische Daten

BMW 118d Sport Line Ford Focus 2.0 EcoBlue Titanium Seat Leon 2.0 TDI FR
Grundpreis 40.500 € 32.900 € 32.080 €
Außenmaße 4319 x 1799 x 1434 mm 4378 x 1825 x 1452 mm 4368 x 1800 x 1442 mm
Kofferraumvolumen 380 bis 1200 l 392 bis 1354 l 380 bis 1301 l
Hubraum / Motor 1995 cm³ / 4-Zylinder 1995 cm³ / 4-Zylinder 1968 cm³ / 4-Zylinder
Leistung 110 kW / 150 PS bei 4000 U/min 110 kW / 150 PS bei 3500 U/min 110 kW / 150 PS bei 3000 U/min
Höchstgeschwindigkeit 216 km/h 207 km/h 215 km/h
0-100 km/h 8,6 s 9,5 s 8,9 s
Verbrauch 4,1 l/100 km 4,2 l/100 km 3,9 l/100 km
Testverbrauch 6,1 l/100 km 6,3 l/100 km 5,9 l/100 km
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