BMW 430i Gran Coupé, Opel Insignia GSI Grand Sport Hans-Dieter Seufert
BMW 430i Gran Coupé, Opel Insignia GSI Grand Sport
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BMW 430i Gran Coupé
BMW 430i Gran Coupé 28 Bilder

BMW 430i Gran Coupé und Opel Insignia GSI im Test

BMW 430i Gran Coupé und Opel Insignia GSI im Test Wer baut das bessere Viertürer-Coupé?

Ob das Wort für "groß" nun auf Italienisch (BMW) oder Französisch (Opel) buchstabiert wird, gemeint ist das Gleiche: 4er Gran Coupé und Insignia Grand Sport sind sportliche Schrägheck-Limousinen mit eleganten CoupéAnklängen und hohem Nutzwert. Welche bietet mehr?

Die herkömmliche Schrägheck-Limousine galt zeitweilig als so verzopft und altväterlich, dass entsprechende Modelle fast vollständig aus den Verkaufsprogrammen verschwanden. Vor nicht allzu langer Zeit wurde der Viertürer mit abgeschrägter Heckpartie und großer Klappe dann zum Coupé veredelt. Warum auch nicht? Gerade in der Mittelklasse spricht einiges für diese Karosserieform, welche die Eleganz eines Coupés mit Kombi-ähnlichem Nutzwert vereint. Da kommen das neue 4er Gran Coupé, Baureihe G26, und der Opel Insignia GSi Grand Sport gerade recht. Beide verbergen ihre voluminösen Laderäume unter aparten Heckpartien und sind dank der Fondtüren und der großzügigen Heckklappen durchaus familientauglich.

Die Wahl der passenden Motorisierung stellt bei keinem der beiden Fließheck-Coupés die Kundschaft vor größere Probleme. Den Insignia gibt es unterhalb des GSi mit 230 PS noch mit zwei Benzinern sowie zwei Dieselmotoren. Der 430i mit 245 PS stellt beim 4er Gran Coupé so etwas wie die bürgerliche Mitte zwischen den 420-Modellen mit Diesel- oder Benzinmotor sowie dem sechszylindrigen 440i mit xDrive dar.

GM-Benziner im Opel Insignia GSI

Opel Insignia GSI Grand Sport
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Der Motor im Insignia stammt noch von GM und ist im Grunde ein solides Aggregat, was aber leider nicht mit der Power und Effizienz des Konkurrenten der Bayrischen Motoren Werke mithalten kann.

Da wir schon mal von den Motoren reden: Es fällt auch nach etlichen Jahren immer noch etwas schwer, sich daran zu gewöhnen, dass bei einem BMW mit der Zahl 30 in der Modellbezeichnung ein Zweiliter-Vierzylinder unter der Haube vorzufinden ist. Dabei macht der B48-Benziner mit Twinpower-Turbo gar nicht viel verkehrt. Er zeigt im Test durchaus einige Vorzüge, doch darf man von einem BMW-Motor dieser Preisklasse etwas mehr Brillanz erwarten.

Zumal der Zweiliter-Vierzylinder im Insignia GSi hier im Test sehr ordentlich abschneidet. Der Motor im Opel gehört noch zum GM-Erbe. Er hört auf den Namen LSY und treibt – neben den Insignia-Benziner-Modellen – auch einige Cadillac- und Buick-SUV an. Im Insignia GSi kommt er immer mit Allradantrieb und Neungangautomatik, was sich als gute Wahl herausstellt. Opel vertraut da nach wie vor auf das Twinster-Allradsystem des Zulieferers GKN.

Es ermöglicht, via Lamellenkupplung nicht nur die Drehmomentverteilung zwischen Vorder- und Hinterachse variabel zu regeln, sondern auch die beiden Hinterräder getrennt mit jeweils passendem Antriebsmoment zu versorgen. Das funktioniert im Test unauffällig und gut. Traktionsprobleme zeigt der GSi praktisch nie, er biegt behände und fix um die Ecken und wäre wohl noch schneller und vergnüglicher zu fahren, wenn nicht die Lenkung reichlich fad und unambitioniert agierte.

Querdynamisch überzeugt der Insignia

Opel Insignia GSI Grand Sport
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Mit dem serienmäßigen Twinster-Allradantrieb ist der GSi ein agiler und sehr fahrsicherer Kurvenkünstler.

Wie gut der Insignia Grand Sport dennoch unterwegs ist, lässt sich auch an den Messwerten ablesen: Im Standard-Slalom und beim doppelten Spurwechsel ist er genauso zügig zugange wie das 430i Gran Coupé. Der BMW muss zwar auf Allradantrieb verzichten, den gäbe es etwa im 440i oder im 420d xDrive, doch mit dem Hinterradantrieb wirkt er noch mal agiler und kurvenwilliger. Über mangelnde Traktion kann der BMW-Pilot ebenfalls nur in Ausnahmefällen klagen. Des Rätsels Lösung verbirgt sich in der Ausstattungsliste des Testwagens hinter dem Kürzel 02T4: das M-Sportdifferenzial.

Es kostet 1400 Euro Aufpreis und kann per elektronisch gesteuerter und mit dem DSC vernetzter Lamellenkupplung das Antriebsmoment gezielt zwischen den Hinterrädern variieren. Das erhöht nicht nur Traktion und Fahrstabilität, es erspart dem DSC zudem so manchen Bremseingriff.

Die feinere Lenkung gibt es ebenfalls im BMW. Dessen variable Sportlenkung gehört zum M-Fahrwerk (Serie bei M-Sport-Ausstattung). Sie spricht sehr spontan an und bietet exaktes Feedback mit sehr direktem, sicherem Lenkgefühl. Auch das trägt dazu bei, dass das 430i Gran Coupé beim schnellen Kurvenfahren das freudvollere Auto ist.

BMW 430i sparsamer und flotter

BMW 430i Gran Coupé
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Der 245 PS starke BMW Vierzylinder mit Twinscroll-Lader gehört zur Motorenbaureihe B48 und kann sowohl bei Effizienz und Power punkten. Dennoch wäre ein Sechszylinder in dieser Preisklasse und beim Kürzel 30i passender.

Der Motor setzt sich im BMW zudem besser in Szene. Er verfügt nicht nur nominell über mehr Power (245 PS und 400 Nm statt 230 PS und 350 Nm) als der Opel-Antrieb, er liefert auch die besseren Fahrleistungen – obwohl der 430i 63 kg mehr auf die Waage bringt. Nicht nur laut Mess-Instrumentarium, auch gefühlt ist der BMW fixer unterwegs, nimmt dem Opel bis 100 km/h über eine Sekunde ab (5,9 zu 7,0 Sekunden). Zudem hängt der BMW-Vierzylinder aufmerksamer am Gas und kooperiert etwas flüssiger mit seinem Automatikgetriebe.

Der Opel-Antriebsstrang wirkt zäher und lethargischer, und sein Automatikgetriebe lässt sich bei der Wahl des gerade passenden seiner neun Gänge mehr Zeit. So richtig zu erspüren ist das allerdings nur im direkten Vergleich. Für sich betrachtet zeigt sich der Insignia GSi Grand Sport als recht quirliges, fahraktives und sehr fahrsicheres Coupé, das im Übrigen auch beim Bremsen nur um Nuancen schlechter abschneidet als der BMW 430i.

Nicht ganz auf Augenhöhe mit dem BMW ist der Opel beim Treibstoffkonsum. Im Testmittel genehmigt sich der Rüsselsheimer 0,7 Liter mehr (8,9 zu 8,2 Liter je 100 km), was sich erst mal nicht so dramatisch liest, jedoch einem Mehrverbrauch von über acht Prozent entspricht. Da macht sich unter anderem bemerkbar, dass der Opel Ballast in Form einer angetriebenen Hinterachse samt Kardanwelle, Differenzial und Antriebswellen mitführt.

Viel Platz im Coupé

BMW 430i Gran Coupé
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Dank großer Heckklappe kann man den Kofferraum beider Coupés gut beladen (hier BMW). Insgesamt bekommt der Opel etwas mehr unter.

Mit sparsamem Gasfuß lässt sich bei beiden der Konsum unter die Sieben-Liter-Grenze drücken, was bei über 200 PS starken und bis zu 250 km/h schnellen Viertürern ja durchaus eine Ansage ist.

Überhaupt lässt sich über die Alltagsqualitäten der beiden, nun ja, nennen wir sie Familien-Coupés, sehr viel Positives berichten. Mit ihren geräumigen Ladeabteilen, die zudem durch große Klappen bestens zugänglich sind, bieten sie tatsächlich beinahe die Raumfülle echter Kombis. In den Opel passt nach Zahlen mehr rein (1450 zu 1290 Liter Maximalvolumen), praxisrelevant ist das freilich kaum. Dafür bietet BMW mit seiner serienmäßig dreiteilig klappbaren Fondlehne die etwas flexiblere Innenraumgestaltung.

Nur wenn es große, kantige Gegenstände zu transportieren gilt, stoßen beide Coupés an ihre Grenzen, doch Kühlschrank-Spediteure dürften ohnehin nicht zur angepeilten Zielgruppe von Gran Coupé und Grand Sport gehören.

Der Aufenthalt im BMW gerät insgesamt angenehmer. Unter anderem wegen des etwas gepflegteren Fahrkomforts. Die Federelemente und Dämpfer des 430i sprechen sensibler an, verdauen vor allem kleine Anregungen viel geschmeidiger als der hölzern und unsouveräner agierende Grand Sport.

Doch auch hier zeigen sich die Unterschiede vor allem im direkten Vergleich. Insgesamt erweist sich der Opel Insignia ebenfalls als sehr angenehmer Reisebegleiter.

GSi mit viel Ausstattung

Opel Insignia GSI Grand Sport
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20-Zoll-Felgen gibt es schon serienmäßig beim GSI.

Über die bessere Qualität oder die Oberflächen des 430i braucht man nicht viele Worte zu verlieren, er ist das eindeutig feinere Auto. Und dass die Bedienbarkeit der BMW 3er und 4er-Reihe in der Klasse ihresgleichen sucht, ist ebenfalls nichts Neues. Da schneidet der Opel Insignia nicht so gut ab, obwohl die Bedienung der wichtigsten Funktionen ebenfalls prima klappt. Was nicht optimal funktioniert, ist die deutlich begriffsstutzigere Sprachbedienung. Dafür verfügt der Opel über die klarer gestalteten und daher besser ablesbaren Instrumente, einschließlich eines sehr tauglichen Head-up-Displays (1275 Euro).

BMW 430i Gran Coupé
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Als M Sport bringt der Bayer schicke 19-Zoll-Alus mit sich. Dafür muss man aber auch kräftig draufzahlen.

Womit wir kurz vor Schluss bei der Preisfrage angekommen sind. Sie offenbart zunächst Überraschendes: Im Basispreis ist der Opel anderthalb Tausender teurer als der BMW. Das liegt jedoch daran, dass der GSi Grand Sport nur mit recht umfangreichem Ausstattungspaket zu haben ist. So bringt er zum Grundpreis von 53 140 Euro Adaptivlicht, adaptive Dämpfer, 20-Zöller und komplette Multimedia-Ausstattung mit, lauter Details, die beim BMW 430i Gran Coupé (ab 51 700 Euro) extra kosten. Der Testwagen bringt als M Sport für mindestens 56 200 Euro immerhin 19-Zoll-Alus und das M-Fahrwerk mit.

BMW 430i Gran Coupé, Opel Insignia GSI Grand Sport
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So ist der BMW zwar das teurere, doch auch das nach Punkten bessere Groß-Coupé.

Fazit

1. BMW 430i Gran Coupé 643 Punkte

Mit seinem agilen Fahrwerk, der guten Lenkung und dem kräftigen, sparsamen Motor sammelt das 430i Gran Coupé in fast allen Kapiteln mehr Punkte als der bravere Opel.

2. Opel Insignia GSI Grand Sport 606 Punkte

In vielen Disziplinen liegt der Insignia GSi Grand Sport nur knapp hinter dem BMW. Raumangebot, Allradantrieb und Fahrwerk können überzeugen, nicht ganz so der Motor.

Technische Daten

BMW 430i Gran Coupé M Sport Opel Insignia GSI Grand Sport GSi
Grundpreis 57.800 € 54.990 €
Außenmaße 4783 x 1852 x 1442 mm 4910 x 1863 x 1445 mm
Kofferraumvolumen 470 bis 1290 l 490 bis 1450 l
Hubraum / Motor 1998 cm³ / 4-Zylinder 1998 cm³ / 4-Zylinder
Leistung 180 kW / 245 PS bei 4500 U/min 169 kW / 230 PS bei 5000 U/min
Höchstgeschwindigkeit 250 km/h 237 km/h
0-100 km/h 5,9 s 7,0 s
Verbrauch 6,2 l/100 km 7,9 l/100 km
Testverbrauch 8,2 l/100 km 8,9 l/100 km
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