Ford Focus Turnier 1.5 EcoBoost, Exterieur Hans-Dieter Seufert

Ford Focus Turnier 1.5 EcoBoost im Test

So gut ist der neue Kompaktkombi

Der Turnier war hierzulande schon immer die populärste Variante des Focus. Der neue Kompaktkombi von Ford tritt nun mit noch mehr Platz und kräftigem 1,5-Liter-Benziner an.

Manche Dinge ändern sich zum Glück nicht so schnell wie befürchtet. Trotz der Ankündigung von Ford, zumindest in den USA künftig nur noch SUV und Pickups verkaufen zu wollen, erfreuen sich die Kombis der Marke hierzulande großer Beliebtheit: Zuletzt entschieden sich rund drei Viertel der Focus-Käufer für den Turnier.

Auch der neuen, vierten Generation attestieren wir gute Chancen. Zum einen, weil die Limousine bereits gezeigt hat, dass sie sogar den VW Golf im Test schlagen kann. Zum anderen bietet der Turnier noch mehr Platz als bisher – und das ist nun mal die harte Kombi-Währung.

Der Raumgewinn resultiert vor allem aus dem enormen Längenwachstum: Um fast elf Zentimeter legt der Kombi im Vergleich zum Vorgänger auf 4,67 Meter zu. Übersichtlicher macht ihn das aber nicht, zumal die flache Haube und hohe Fensterlinie zusätzlich die Rund- umsicht beeinträchtigen.

Viel Ausstattung hat auch ihren Preis

Schon sitzen wir drin im Turnier. Zunächst auf den etwas couchigen 400 Euro teuren Ergonomiesitzen mit elektrischer Lordosenstütze. Weiche Kunststoffe, filzbezogene Türtaschen und Edelstahldekore werten das Interieur auf. Beim Blick nach vorn fällt das ausklappbare Head-up-Display auf. Obwohl Ford gefühlt die Hälfte aller Bedientasten aussortiert hat, wirken Lenkrad und Bordcomputermenü immer noch überladen. Die Sprachsteuerung funktioniert noch immer nur mit fest definierten Begriffen, Radiosender müssen gar mit der genauen Frequenz diktiert werden.

Ford Focus Turnier 1.5 EcoBoost, Interieur
Hans-Dieter Seufert
Fühlbar höherwertig mutet das Interieur dank aufgeschäumter Kunststoffe und Edelstahldekor an.

Doch daran haben sich Ford-Fahrer ebenso schnell gewöhnt wie an die umfangreiche Ausstattung. Als Titanium (ab 27.800 Euro) bringt der Focus Zwei-Zonen-Klimaanlage, schlüssellosen Zugang sowie das Sync-3-Infotainment mit gut erreichbarem Touchscreen auf dem Armaturenbrett serienmäßig mit. Noch angenehmer wird’s mit beheizbarer Frontscheibe (im Winterpaket für 400 Euro), Voll-LED-Scheinwerfern (1.250 Euro) sowie adaptivem Tempomat samt Verkehrszeichenerkennung (400 Euro) und Rückfahrkamera (300 Euro). Da die Kombi-Variante rund 1.200 Euro mehr kostet als die Limousine, steigt der Testwagenpreis mit vielen weiteren Extras auf über 34.000 Euro.

Großer Laderaum, clevere Details

Da muss man erst mal durchatmen, und das gelingt am besten im Fond. Denn der eingangs erwähnte Längenzuwachs bringt auch fünf Zentimeter mehr Radstand mit sich und ergibt eine mehr als ordentliche Beinfreiheit. Dank der großen Türen samt Kantenschutz gelingt das Anschnallen der Jüngsten sogar noch in engen Parklücken mühelos und kratzerfrei.

Ford Focus Turnier 1.5 EcoBoost, Interieur
Hans-Dieter Seufert
Nutzbar sind die vollen 1.620 Liter Volumen dank Fernentriegelung und ebender Fläche gut.

Wird die Rückbank gerade nicht gebraucht, lässt sich die Lehne in zwei Teilen (60:40) umklappen und erweitert das Ladevolumen von 575 auf 1.620 Liter zu einer ebenen Transportfläche. Das Ganze funktioniert natürlich auch per Fernentriegelung vom Heck aus, nachdem die Klappe via Fußschwenk unter den Stoßfänger elektrisch weit aufschwingt und eine breite Öffnung samt niedriger Ladekante freigibt. Das Gepäckrollo, welches sich sehr einfach mittels einer Lasche entnehmen lässt, verschwindet dann im großen doppelten Ladeboden. Was will man da mehr? Na ja, eine dreiteilige Rücksitzlehne oder zumindest eine größere Durchlade. Mancher Konkurrent bietet hier ein System zur Ladungssicherung oder eine seitliche Führung für das Gepäckrollo. Doch das ist Meckern auf hohem Niveau.

Teilzeit-Dreizylinder im sportlichen Kombi

Aber was nützt all der Platz, wenn der Antrieb nicht dazu passt? Neue Dieselmotoren kommen trotz nachgewiesener Reinlichkeit für viele Autokäufer derzeit nicht infrage. Ford schickt den Testwagen deshalb mit dem 1,5-Liter-Benziner mit 150 PS ins Rennen. Der Dreizylinder legt ab 2.500/min, untermalt vom trommeligen Röhren, richtig los und spurtet in 9,3 Sekunden auf Tempo 100. Dabei unterstützt das präzise schaltbare Sechsganggetriebe, das die Gänge auf kurzen Wegen sortiert. Dank der unmerklich arbeitenden Zylinderabschaltung im Teillastbereich verbraucht der Kölner mit 7,3 Litern im Test für einen Kombi dieser Größe recht wenig Kraftstoff. Und der Bremswert aus 100 km/h ist mit nur 34,3 Metern ebenfalls top.

Hohe Fahrsicherheit, viele Assistenzsysteme

Wie schon die Limousine ist auch der Turnier kein ausgewiesener Komfortkünstler – zumal es für ihn keine Adaptivdämpfer gibt. Dank Mehrlenker-Hinterachse bringen ihn jedoch weder schlechte Straßenbeläge noch schnelle Richtungswechsel aus der Ruhe. Die Lenkung baut dabei sehr wenig Widerstand auf, ist nicht frei von Antriebseinflüssen, gefällt in Summe aber mit ihrer exakten Auslegung.

Moderne Assistenzsysteme halten den Focus auf der Autobahn zuverlässig in der Spurmitte, regeln den Abstand zu anderen Autos feinfühlig und befolgen Tempolimits selbstständig. Das wirkt alles sehr ausgewogen – mal sehen, wie sich der Turnier im ersten Vergleichstest schlägt.

Ford Focus Turnier 1.5 EcoBoost, Exterieur
Hans-Dieter Seufert 1/16 Der neue Kompaktkombi von Ford tritt nun mit noch mehr Platz und kräftigem 1,5-Liter-Benziner an.
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Auf einen Blick

Wie die Limousine lässt sich auch der Focus Turnier vielfältig konfigurieren. Einstiegsmotorisierung ist ein 85 PS starker Turbobenziner mit einem Liter Hubraum und drei Zylindern, der in zwei weiteren Leistungsstufen mit 100 und 125 PS angeboten wird. Interessant: Alle drei Varianten entwickeln ein einheitliches Drehmomentmaximum von 170 Nm und schalten bei Teillast einen Zylinder ab. Die 1,5 Liter großen Ausführungen des Dreizylinders stemmen maximal 240 Nm auf die Kurbelwelle und entwickeln entsprechend mehr Dynamik. Die Dieselmotoren sind deutlich teurer und lohnen sich nur für Vielfahrer. Alle Aggregate reinigen ihre Ab- gase mittels Partikelfilter, der 2.0 EcoBlue besitzt zudem einen SCR-Kat. Wichtig zu wissen: Beim Turnier ist stets eine aufwendigere Mehrlenker-Hinterachse an Bord, bei der Limousine erst ab 150 PS.

Austattung

Bereits Trend-Modelle sind gut ausgerüstet:

Neben Radio mit Freisprecheinrichtung und USB-Anschlüssen sowie Klimaanlage zählen ein aktiver Spurhalte- sowie ein Notbremsassistent mit Fußgängererkennung zum Serienumfang. 2200 Euro teurer ist die nächste Linie Cool & Connect. Das große Navi und ein farbiges Bordcomputerdisplay sind dann ebenso an Bord wie Sportsitze, Tempomat, Parkpiepser und 16 Zoll große Aluräder. ST-Line und Titanium (jeweils plus 1300 Euro) verfügen bereits über die bislang genannten Extras, setzen aber mit Styling-Kit und Sportfahrwerk (ST-Line) oder Klimaautomatik, Ambientebeleuchtung und schlüssellosem Zugang (Titanium) unterschiedliche Schwerpunkte. Topmodell ist der Focus vignale, den Ford mit einem gehobenen Lederinterieur aufwertet. Außerdem gibt es interessante und preiswerte Pakete. Das Technologie-Paket I (ab 550 Euro) verhilft dem Focus zu vielen sinnvollen Assistenzsystemen wie etwa dem Adaptivtempomat; das Family-Paket (250 Euro) fügt die empfehlenswerte Durchladefunktion hinzu. Exklusiv für den Turnier gibt es eine ausschwenkbare Anhängerkupplung (790 Euro) sowie die elektrische Heckklappe inklusive Fußschwenksensor im Stoßfänger ab 370 Euro.

Ford Focus Turnier 1.5 EcoBoost, Interieur
Achim Hartmann 1/6 Voll-LED-Scheinwerfer ab 775 Euro, Serie beim Vignale.
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Fazit

Keine Überraschung: Der Kombi ist noch besser als die Limousine und dabei kaum teurer. Auch fahrdynamisch kann der Ford Focus Turnier mit dem 150-PS-Benziner überzeugen.

Technische Daten

Ford Focus Turnier 1.5 EcoBoost Titanium
Grundpreis 28.000 €
Außenmaße 4668 x 1825 x 1481 mm
Kofferraumvolumen 575 bis 1620 l
Hubraum / Motor 1497 cm³ / 3-Zylinder
Leistung 110 kW / 150 PS bei 6000 U/min
Höchstgeschwindigkeit 208 km/h
0-100 km/h 9,3 s
Verbrauch 5,5 l/100 km
Testverbrauch 7,3 l/100 km
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