Volvo V90 T8, ams 2520 Dino Eisele
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Volvo V90 T8 im Dauertest

Volvo V90 T8 Twin Engine AWD Der große Schweden-Kombi im Dauertest

Wir haben den V90 doch gerade erst in Göteborg zum Dauertest abgeholt! Aber nein, das ist jetzt schon 100.000 km her. Zeit, zu klären, was wir mit ihm erlebten auf der großen Reise, die nun endet.

Wie alle wirklich großen Geschichten beginnt auch diese mit der Spätmaschine nach Göteborg. Denn mit der landen wir am Montag vor Mittsommer 2018 in Landvetter, um den V90 T8 direkt in Göteborg abzuholen. Wenngleich der ja nicht wirklich uns gehört, ist es ein stolzer Moment, als wir den Kombi bei der Werksauslieferung zum ersten Mal sehen, so in Mussle Blue metallic und mit 19-Zoll-Rädern. Bei der Konfiguration haben wir – selbstredend nur, um die Qualitäten des Antriebs zu überprüfen – unsere Bescheidenheit hintangestellt und uns für das Topmodell der V90-Palette entschieden, den T8.

Das ist der Plug-in-Hybrid, bei dem eine E-Maschine mit 65 kW an der Hinterachse und ein 303 PS starker Zweiliter-Benziner mit kombinierter Kompressor- und Turboaufladung kooperieren und zu einer Systemleistung von 390 PS zusammenfinden. Durch die umfangreichen Sonderausstattungen stieg der Preis von 70.300 Euro auf 91.610 Euro. Was eine erhebliche Menge Geld ist für einen Kombi der gehobenen Mittelklasse, mit dem wir gleich auf die 1.600 km weite Heimreise gehen. Bereits da zeigt er Qualitäten und Eigenheiten, die auf der weiteren Distanz begeistern oder nerven werden.

Jenseits von Schweden

Volvo V90 T8, ams 2520
Michael Maydell
Der Plug-in-Antrieb zählt nicht zu den Glanzpunkten: Für ein Auto, das oft auf große Reise geht, ist die elektrische Reichweite zu knapp, der Benzinverbrauch danach hoch.

So wahrt der V90 Volvos Tradition, behagliche Autos zu bauen – wie gemütlich sie ihn eingerichtet haben mit sesselig-kuscheligen Sitzen und dem stilvoll-hochwertigen Cockpit. Bei dem sind aber selbst die Konfiguration der Assistenz und die Klimaregelung auf den Touchscreen verlagert. Auch wenn du weißt, wohin eine Funktion verräumt wurde, ist es ein ziemliches Hin- und Hergewische, Tippen und Fingerspreizen, bis alles zusammensortiert ist. Viele V90-Besitzer haben sich daran gewöhnt, wie Leserzuschriften zeigen. Uns aber stört das bis zum Schluss – vor allem beim Navi. Es nutzt Echtzeit-Verkehrsinformationen nur bei einer Datenverbindung über das Mobiltelefon (oder mit zusätzlicher Daten-SIM-Karte), hält es oft für verzichtbar, Nebenstraßen oder Namen selbst größerer Städte anzuzeigen. Dabei bereist der V90 so viele davon, kommt weit in Europa herum und überzeugt als talentierter Langstreckentourer. Zwar rollt er etwas herb ab, und trotz Luftfederung an der Hinterachse und adaptiver Dämpfer überflauscht er Unebenheiten nicht gerade. Aber insgesamt passt das mit dem Komfort, dazu sorgt die breit aufgestellte Assistenzausrüstung für Entlastung. Mit dem Pilot Assist, der Abstandstempomat und aktive Spurführung kombiniert, fährt der V90 sogar bis 130 km/h teilautonom.

Auf, Achse!

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Dino Eisele
Bremse: Top Wirkung, aber teigiges Pedalgefühl.

Dass der T8 trotz so viel Leistung im milden Tempo-Bereich am entspanntesten unterwegs ist, liegt auch am Antrieb. Der ist sozusagen ein vollkommener Plug-in-Hybrid, zeigt er doch genau auf, wo die Stärken, aber eben auch die Schwächen dieses Konzepts liegen. Hat der Lithium-Ionen-Akku seine 10,4 kWh zusammen – er nutzt nur 9,7 kWh und lädt die an unserer 22-kW-Ladesäule gut drei Stunden, übrigens nur einphasig –, kommt der T8 damit fast unabhängig von Temperatur und Jahreszeit zwischen 42 und 46 km weit. Das wird im Lauf des Dauertests nicht weniger, reicht für die meisten Pendlerstrecken, deckt auf den vielen Langstrecken aber eben nur einen kleinen Anteil der Gesamtdistanz.

Ist die Akkukapazität aufgebraucht, arbeitet der Antrieb wie ein normales Hybridsystem: Über Rekuperation speist er Energie zurück in den Akku, mit welcher der E-Motor bei Bedarf mitboostet. Dennoch muss es der Benziner die meiste Zeit über fast allein hinbekommen. Ihm mangelt es dabei nicht an Leistung, doch für die muss er hochdrehen. Das nimmt dem Antrieb die Souveränität und bringt gleichermaßen eine Verrohung seiner Manieren wie seines Kraftstoffbedarfs mit sich.

Der steigt schon über zehn Liter auf 100 Kilometer, wenn man weit unterhalb der Höchstgeschwindigkeit von 250 km/h bleibt – unser T8 durfte noch so schnell, das Tempo-180-Limit gilt bei Volvo erst seit Mai 2020. Jedenfalls empfiehlt sich nach spätestens 350 km ein Sicherheits-Tankstopp, weil sich das 60-Liter-Reservoir flott leert. Zu den Vorteilen des Plug-in zählt, dass der E-Motor die Hinterachse antreibt und sich der T8 so als Teilzeit-Allradler durch den Schnee wühlen kann – wobei man die AWD-Funktion besser als Anfahrhilfe begreift.

Das zählt ebenso zu den Eigenheiten des T8 wie sein Bremssystem. Bei leichtem Druck aufs Pedal verzögert der V90 nur über den E-Motor. Der wirkt dann wie ein Dynamo und gewinnt Energie zurück. Erst bei stärkerem Pedaldruck schaltet das System auf die hydraulische Reibe- Bremse. Doch der Übergang gelingt beim V90 nicht gut, das Bremspedal lässt sich schlecht dosieren, zudem fühlt es sich zunächst an, als stünde die volle Bremskraft erst verzögert bereit. Was vielleicht bei einem Volvo besonders stört und sich auch nicht recht dadurch wettmachen lässt, dass der immerhin 2,1 Tonnen schwere Kombi wegen des vielen Rekuperierens die Bremsen schont.

So müssen im Test nur einmal die Bremsbeläge erneuert werden – was die Gesamtkosten der 60.000er-Inspektion auf 1.041 Euro steigert. Die beiden anderen Boxenstopps bei 30.000 und 90.000 km liegen mit je knapp 400 Euro nur auf Kompaktklasse-Niveau. Dazu können sehr niedrige Strom- und Kraftstoffkosten kommen – oder eben nicht. Denn das hängt komplett davon ab, wie viel der T8 rein elektrisch fährt. Wer immer nur im E-Modus pendelt, muss für 100 km nur rund sieben Euro Stromkosten einkalkulieren – auf eiligen Weitstrecken, auf denen der E-Motor nur ab und zu mitboostet, kann es aber eben auch das Zweieinhalbfache an Kraftstoffkosten sein. Wir haben die Energie- und Treibstoffkosten daher nach dem auto motor und sport-Profil berechnet. Da kommen für 2,5 l Super und 16 kWh insgesamt gerade mal gut acht Euro pro 100 Kilometer zusammen.

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Für solch ein teures Auto mit vielen Extras liegen Kilometerkosten und Wertverlust niedrig.

Für ein Auto, bei dem 303 PS und 400 Nm an den Vorderrädern zerren, geht der T8 zudem sorgsam mit den Reifen um. Allerdings reagiert er sensibel und teils mit lauten Abrollgeräuschen auf unterschiedliche Fabrikate – bei den Winterreifen. Als Reparaturkosten fallen nur Verschleißteile an, zwei Mängel werden auf Garantie behoben. Doch wegen beider muss der Volvo extra zur Werkstatt. Nach 4.015 km wird die Verbundglas-Fensterscheibe der Beifahrertür wegen eines Spannungsrisses ersetzt. Und bei Kilometerstand 99.876 fällt die elektrische Servolenkung kurz aus. Nach einem Neustart funktioniert sie wieder, doch die Werkstatt spielt eine neue Software für die Lenkung auf.

Wie das Leben sonst so spielt für den Volvo? Obgleich er im Redaktionsalltag intensiv genutzt wird, steht er noch immer so glänzend da, als hätten wir ihn gerade erst abgeholt. An sich hätten wir ihn auch gern wieder zurückgebracht. Schade, dass so was derzeit nicht geht und unser V90 einfach abgeholt wird. Er hätte es verdient, dass seine Geschichte mondäner endet. Genau: mit der Spätmaschine aus Göteborg.

Stärken und Schwächen

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Dino Eisele
Zwei Mängel kosten den V90 den Spitzenrang in seiner Klasse. Einmal muss er für eine neue Beifahrer-Fensterscheibe in die Werkstatt, einmal zum Software-Update der Servolenkung.

Es ist schon eine tiefe, breite Lichtschneise, die die Thors Hammer genannten Matrix-LED-Scheinwerfer im Fernlichtmodus in die Nacht schlagen. Überhaupt überzeugt der Volvo mit Sicherheit, mit seiner breit aufgestellten, guten, wenngleich stets auf Besonnenheit bedachten Assistenzabteilung. Die muss über den Touchscreen sortiert werden, was wie die ganze Bedienung nur sehr umständlich gelingt.

Erfahrungen "Insgesamt ein gelungenes Auto"

Seit April 2019 fahre ich einen Volvo V90 D4 Momentum, mit Polestar-Optimierung. Über 25.000 km kann ich einen Durchschnittsverbrauch von 6,7 l/100 km vermelden und habe einen sehr positiven Gesamteindruck. Lediglich die nur noch zweigeteilte Rücksitzbank und die nicht umklappbare Beifahrersitzlehne sind für mich als Handwerker ein Nachteil gegenüber dem Vorgänger. Die Assistenzsysteme funktionieren einwandfrei, den Sitzkomfort, die Möglichkeit des teilautonomen Fahrens, das Licht- und das Soundpaket will ich besonders hervorheben. Als problemlos und komfortabel empfinde ich die Bedienung über den großen Bildschirm. Alles in allem ist der Volvo V90 ein Auto, welches mich durch seine Alltagstauglichkeit, Reisequalität und Individualität überzeugt. – Jürgen Albrecht, 44623 Herne

Seit über einem Jahr fahren wir einen V90 CC D5. Er ist der erste Neuwagen, an dem in dieser Zeit keine Mängel aufgetreten sind. Er ist komfortabel, sparsam (um 8 l/100 km) und leise. Leider ist das Kofferraumvolumen gegenüber dem Vormodell etwas kleiner. Die Kritik am Bedienkonzept teilen wir nicht. Insgesamt ein gelungenes Auto. – Ulrich Wollny, 27711 Osterholz-Scharmbeck

Im Juni 2017 wurde unser V90 D5 R-Line zugelassen: ein sportlich abgestimmtes Auto, das viel Komfort bereithält. Platzangebot, Qualität und Bedienung entsprechen der Preisklasse von über 60.000 Euro. Über 56.000 km gab es keine Ausfälle oder Reparaturen. Ein problemloser Dauerläufer, bei dem nur leichtes Zittern im Fahrwerk ständig präsent ist. – Alex Meyer, 32139 Spenge

Vor- und Nachteile

  • Klasse, langstreckenbequeme Sitze
  • Hervorragendes Matrix-LED-Licht
  • Umfangreiche und zuverlässige Assistenzausstattung
  • Temperamentvoller Antrieb
  • Alltagstaugliche E-Reichweite
  • Guter Federungskomfort
  • Für die Größe gute Handlichkeit
  • Sehr sichere Fahreigenschaften
  • Hohe Material-/Verarbeitungsgüte
  • Komplizierte Bedienung, auch der unterschiedlichen Antriebs-Modi
  • Navi ohne Echtzeit-Verkehrsdaten
  • Schlecht dosierbare Bremse
  • Auf Winterreifen beeinträchtigt lautes Abrollen den Geräuschkomfort
  • Zu kleiner Benzintank (60 l)

Fazit

Ach, die Monate und Kilometermarken vergingen so schnell im V90, der mit seiner umfassenden Assistenzausstattung, gutem Komfort und Zuverlässigkeit überzeugte. Der Plug-in-Antrieb allerdings zählt nicht zu den Glanzpunkten: Für ein Auto, das oft auf große Reise geht, ist die elektrische Reichweite zu knapp, der Benzinverbrauch danach hoch.

Technische Daten

Volvo V90 Recharge T8 Recharge R-Design
Grundpreis 73.353 €
Außenmaße 4936 x 1879 x 1475 mm
Kofferraumvolumen 560 bis 1526 l
Hubraum / Motor 1969 cm³ / 4-Zylinder
Leistung 223 kW / 303 PS bei 6000 U/min
Höchstgeschwindigkeit 180 km/h
Verbrauch 1,9 l/100 km
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Volvo V90
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