100.000 Modelle betroffen: Toyota schaltet den Kunden die Standheizung ab

Standklimatisierung bei Toyota und Lexus
Darum schaltet Toyota den Kunden die Standheizung ab

ArtikeldatumVeröffentlicht am 15.01.2026
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Lexus LBX Vibrant Edition Sondermodell
Foto: Lexus / Schönfeld

Bereits Anfang Dezember haben Toyota und Lexus ihre Kunden per Fahrzeug-App darüber informiert, dass der Fernzugriff auf die Standklimatisierung ihrer Autos mit sofortiger Wirkung deaktiviert wurde. Als Begründung nannten die Hersteller die "derzeitige Rechtslage", die eine Fortführung der Funktion nicht zulasse.

Tausende Fahrzeuge betroffen

Von der Maßnahme sind tausende Fahrzeuge betroffen, darunter zahlreiche Modelle aus aktueller Produktion – ausgenommen Plug-in-Hybride und rein elektrische Fahrzeuge. Toyota und Lexus verkauften allein im Jahr 2025 über 100.000 Autos in Deutschland, ein Großteil davon ist allerdings von der Einschränkung betroffen. In Online-Foren äußern viele Kundinnen und Kunden Unverständnis über die kurzfristige Abschaltung einer bislang verfügbaren Komfortfunktion. Die war allerdings stets als kostenloses Extra verfügbar. Und im Kleingedruckten der Nutzungsbedingungen erwähnt der Hersteller: "...einzelne kostenfreie Funktionen können jederzeit seitens des Herstellers eingestellt werden." Und genau das ist jetzt mit der per App aktivierbaren Standklimatisierung passiert.

Laut Toyota werde die Innenraumkonditionierung bei Fahrzeugen mit konventionellem Antrieb durch den laufenden Verbrennungsmotor ermöglicht. Dies werde vom Gesetzgeber als unnötiges Laufenlassen des Motors beziehungsweise als vermeidbare Abgasbelästigung gewertet. In vielen Ländern ist das mittlerweile untersagt. Da es in Europa keine einheitliche Rechtslage gebe und Nutzer mögliche Bußgelder riskierten, habe man die Funktion vorsorglich deaktiviert.

Unterschied zur Standheizung

Technisch ist klar zwischen einer einfachen Vorklimatisierung und der klassischen Standheizung zu unterscheiden. Die Vorklimatisierung heizt oder kühlt das Fahrzeug vor Fahrtantritt per App – bei normalen Vollhybriden erfolgt dies eben über den Verbrennungsmotor. Plug-in-Hybride und Elektrofahrzeuge heizen dagegen elektrisch und emissionsfrei über die Hochvoltbatterie.

Eine klassische Standheizung hingegen ist eine extra eingebaute Heizung, die mit Sprit aus dem Tank eine kleine Brennkammer befeuert und so den Wasserkreislauf erwärmt. Solche Standheizungen können auch nachträglich selbst in ältere Fahrzeuge eingebaut werden und verfügen über eine eigene Fernbedienung oder sogar App.

Grundsatzentscheidung seitens Toyota

Toyota betont, die Entscheidung sei nicht leicht gefallen. Neben dem Bußgeldrisiko spielten auch Umweltaspekte eine Rolle, da der Gesetzgeber zunehmend strengere Maßstäbe an Emissionen anlege. Eine Entschädigung oder Kompensation für betroffene Kundinnen und Kunden ist nicht vorgesehen. Als legale Alternative nennen die Hersteller die Nachrüstung einer klassischen Standheizung, die allerdings zusätzliches Gewicht mit sich bringt und kostenpflichtig ist.

Die rechtliche Grundlage (StVO)

Der entscheidende rechtliche Hebel für die Deaktivierung findet sich in § 30 Abs. 1 der Straßenverkehrs-Ordnung (StVO). Dieser untersagt explizit das unnötige Laufenlassen von Fahrzeugmotoren sowie die Verursachung vermeidbarer Abgasbelästigungen.

"Bei der Benutzung von Fahrzeugen sind unnötiger Lärm sowie vermeidbare Abgasbelästigungen verboten. Es ist insbesondere untersagt, Fahrzeugmotoren unnötig laufen zu lassen."

Ein Verstoß kostet aktuell ein Bußgeld (Tatbestandskatalog: 80 € plus Gebühren). Toyota sichert sich hier rechtlich ab, da die App-Steuerung den Tatbestand der "Anstiftung" oder Beihilfe erfüllen könnte. Hinter der nun abgeschalteten Funktion steht der globale Trend des sogenannten "Remote Engine Start", der vor allem in Nordamerika und Asien als Standard-Komfortmerkmal gilt und dort massiv beworben wird. Toyota und Lexus nutzen für ihre europäischen Modelle dieselbe technologische Plattform.

Fazit