17 Cent weniger Spritsteuer: Hilft nicht, kostet viel

17 Cent Steuersenkung gegen hohe Spritpreise
Teure Fehler? Machen wir gern zweimal! 

ArtikeldatumVeröffentlicht am 14.04.2026
Als Favorit speichern
Teure Fehler? Machen wir gern zweimal! 
Foto: Gerd Stegmaier

Mit dem Iran-Krieg sind die Spritpreise in Deutschland sprunghaft gestiegen. Im März 2026 verteuerten sich Kraftstoffe im Schnitt um mehr als 20 Prozent, Diesel legte zeitweise gar um bis zu 44 Prozent zu. Das stürzt weite Teile der Wirtschaft in eine Krise und belastet die meisten Autofahrer. Um das abzumildern, will die Bundesregierung die Mineralölsteuer um 17 Cent pro Liter senken. Klingt doch toll!

Ist es aber nicht. Das Ganze kostet uns nämlich etwa 1,6 Milliarden Euro – für zwei Monate. Um die Handlungsbereitschaft des Staates zu beweisen, soll das ab sofort gelten – was dadurch konterkariert wird, dass keiner sagt, wann sofort ist. In dem Fall vielleicht ganz gut, denn die Maßnahme verteilt Geld von Leuten, die Steuern zahlen, an Menschen, die viel tanken. Doch die sind eher wohlhabend und brauchen nicht wirklich Entlastung, sagt Tobias Hentze vom Institut der deutschen Wirtschaft (IW) bei ZDF-WISO. Außerdem dürften etwa 300 Millionen Euro der Steuersenkung in den Kassen der Mineralölkonzerne verschwinden. Denn der Tankrabatt während des Ukraine-Kriegs kostete zwar drei Milliarden, aber von dem kamen laut Untersuchungen nur etwa 80 Prozent bei den Autofahrern an.

Weniger Kosten, mehr Verbrauch

Hinzu kommt: Die Steuersenkung kostet Steuerungswirkung. Hohe Spritpreise sorgen in der Regel für weniger Verbrauch (fossiler Energie). Und den will der Staat – müssen wir – ohnehin senken, um:

  • die CO₂-Emissionen zu senken
  • auf günstigere regenerative Energiequellen umzustellen
  • die Abhängigkeit von Energieimporten zu reduzieren

Nicht Sprit, sondern Strom verbilligen tut Not

Die 17 Cent pro Liter entlasten also zum großen Teil die Falschen und sorgen für Fehlanreize – immerhin nur vorübergehend. Wie man langfristig die gewünschte Entwicklung staatlicherseits selbst in kurzfristigen Krisen unterstützen kann, zeigt ausgerechnet das krisengeschüttelte und verschuldete Frankreich: Premierminister Sébastien Lecornu kündigte am Freitag einen "Elektrifizierungsplan" an, der beim Umstieg auf E-Autos und Wärmepumpen helfen soll. Allein die Förderungen im Verkehrsbereich sollen von 1,7 auf 4,3 Milliarden steigen.

Damit wird die Umrüstung von Flotten auf E-Autos gestützt und das sogenannte Sozial-Leasing ausgebaut. Das gibt es bereits seit 2024 und richtete sich bisher an Geringverdiener mit einem Jahresverdienst von weniger als 16.300 Euro netto, die beruflich bedingt mehr als 8.000 Kilometer pro Jahr mit dem Fahrzeug zurücklegen. Die Verdienstgrenze soll auf 24.000 Euro netto pro Jahr steigen, die monatliche Unterstützung fürs Leasing bleibt bei 200 Euro. Das allein soll 50.000 E-Autos fördern. Außerdem sollen Speditionen für die Umrüstung auf E-Lkw pro Fahrzeug bis zu 100.000 Euro erhalten.

Angesichts der Einkommensgrenzen dürfte klar sein: Hier fließt Steuergeld in die richtige Richtung. Und es sorgt für Entlastung: Wer elektrisch fährt, den treffen steigende Spritpreise auch in zwei Monaten nicht mehr.

Fazit