"VW wird wahrscheinlich von einem chinesischen Autohersteller aufgekauft. Etwa von BYD." Das sagte Moritz Schularick, der Leiter des Kieler Institus für Weltwirtschaft in einem Interview mit der Süddeutschen Zeitung. In dem Gespräch warnen Wirtschaftshistoriker Niall Ferguson von der Stanford University und Schularick vor der starken Konkurrenz aus China und dem technologischen Rückschritt in Europa.
Bedrohtes Geschäftsmodell der Autohersteller
Volkswagen stellt fest, "dass unser aktuelles Geschäftsmodell so nicht mehr für alle Marken funktioniert: Autos in Deutschland entwickeln, in Europa produzieren und weltweit exportieren." Vorstandschef Oliver Blume hat deshalb laut Manager Magazin ein Sparprogramm entworfen, bei dem bis zu 100.000 Stellen wegfallen könnten und vier Werke zur Diskussion stehen. Außerdem soll die Zahl der Konzernmodelle von 150 auf 100 abnehmen. Die Lage des Konzerns ist ernst: Zuletzt hat sich die Marge auf drei Prozent halbiert. Niall Ferguson sagte gegenüber der Süddeutschen: "Das traditionelle Modell der Autoexporte stirbt aus" und prophezeite, dass die Europäer "sehr bald massenweise europäische Autos fahren. BYD zum Beispiel."
Schularick: "VW wird wahrscheinlich aufgekauft"
Schularick hält ein Szenario, in dem Europa aufholt, für machbar. Seiner Ansicht nach müsse Europa den Zugang zu seinem großen Markt als Verhandlungsmasse nutzen. Auf die Frage, ob Volkswagen pleitegehen könne, antwortet er: "VW wird wahrscheinlich von einem chinesischen Autohersteller aufgekauft. Etwa von BYD." Doch ist das überhaupt möglich?
Ist eine Übernahme von VW möglich?
Realistisch ist das Szenario nicht. Zwei Besonderheiten stabilisieren den VW-Konzern und schützen ihn gegen außen: Die Eigentümerstruktur und das VW-Gesetz. Die Mehrheit der Stimmrechte (53,3 %) liegt bei der Porsche Automobilholding SE. Dahinter stecken die Anteile der Familien Porsche und Piëch. Drei Mitglieder der Familien sitzen im Aufsichtsrat des Volkswagen-Konzerns: Wolfgang Porsche, Ferdinand Oliver Porsche und Hans Michel Piëch. Ohne die Familien fällt keine Entscheidung bei Volkswagen.
Zweitgrößter Anteilseigner ist das Land Niedersachsen mit rund 20,2 %, an dritter Stelle steht die Katar Holding mit 17%.
Wer eine Mehrheit an der Volkswagen AG erwerben wollte, müsste den Familien ihre Anteile abkaufen. Doch selbst mit mehr als 50 Prozent der Stimmen hat ein Anteilseigner nicht die volle Macht im Konzern.
Welche Rolle spielt das VW-Gesetz?
Das VW-Gesetz, 1960 eingeführt und 2008 vom Deutschen Bundestag erneuert, sichert eine starke Mitbestimmung der Arbeitnehmer und dem Land Niedersachsen eine Sperrminorität zu. Im 20-köpfigen Aufsichtsrat sitzen genauso viele Arbeitnehmervertreter wie Arbeitgebervertreter. Zwei Mitglieder des Gremiums benennt das Land Niedersachsen. Neuen Werken oder der Schließung bzw. der Verlegen bestehender Werke muss der Aufsichtsrat mit einer Zweidrittelmehrheit (14 Stimmen) zustimmen. In Aktionärsversammlungen ist eine Mehrheit von 80 Prozent nötig – gegen das Land Niedersachsen können die VW-Aktionäre daher keine wichtigen Entscheidungen treffen.





