Sparhammer von VW-Chef Blume: 100.000 Stellen weg, 4 Werke dicht

VW-Chef Blume plant radikalen Konzernumbau
100.000 Stellen weg, 4 Werke dicht

ArtikeldatumVeröffentlicht am 26.06.2026
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Foto: Maren Janning

Volkswagen-CEO Oliver Blume verschärft den Sparkurs im Konzern deutlich. Nach Informationen des Manager Magazins sollen bis zu 100.000 Stellen – das entspricht rund 15 Prozent der weltweiten Belegschaft – abgebaut werden. Geplant ist zudem die mittelfristige Schließung von vier großen Werken in Deutschland: Hannover, Zwickau, Emden und das Audi-Werk in Neckarsulm stehen zur Diskussion. Diese Standorte beschäftigen derzeit rund 40.000 Mitarbeiter und verfügen über eine Produktionskapazität von rund 750.000 Fahrzeugen jährlich. Die Schließungen sind nach Auslaufen der aktuellen Modelle vorgesehen, das wäre nicht vor 2030 der Fall.

Betriebsrat: Vorstand soll endlich seinen Job machen

Blume präsentierte den Sanierungsplan "Group Target Picture" laut Manager Magazin in einer Vorstandssitzung. Am 9. Juli soll der Aufsichtsrat über die Pläne beraten. Der Betriebsrat um Christiane Benner, Daniela Cavallo und Thorsten Gröger reagierte am Freitag scharf auf die Pläne des Vorstandes: "Die erneuten Medienberichte verunsichern unsere Belegschaft und unsere Standortregionen zu Recht. Aber: Angriffe auf das VW-Gesetz, die Mitbestimmung und unsere Standorte sind unverantwortliche Drohungen. Sollten solche Pläne vorangetrieben werden, würden wir sie mit aller Macht verhindern. Entscheidend ist ohnehin etwas ganz Anderes: Statt blinden Aktionismus zu zeigen, sollte der Vorstand endlich seinen Job machen und sich auf seine eigentliche Arbeit konzentrieren: wettbewerbsfähige Produkte, Technologien, Konzernstrukturen und -synergien und damit auch sichere Beschäftigung."

Konzern: Geschäftsmodell funktioniert nicht mehr

Der Konzern kommentierte die Berichte auf Anfrage von auto motor und sport nicht und verwies darauf, dass die Pläne in den zuständigen Gremien besprochen und verabschiedet würden. "Richtig ist, dass die gesamte Automobilindustrie und die Volkswagen Group eine tiefgreifende Transformation durchlaufen. Der Konzernvorstand hat immer wieder betont, dass unser aktuelles Geschäftsmodell so nicht mehr für alle Marken funktioniert: Autos in Deutschland entwickeln, in Europa produzieren und weltweit exportieren." Weiter erklärte ein Konzernsprecher: "Der gesamte Konzern – inklusive Marken und Gesellschaften – muss sich tiefgreifend verändern. Dafür hat der Konzernvorstand in den vergangenen Monaten intensiv an einem Zukunftsplan für die Neuaufstellung des Unternehmens gearbeitet."

5.500 Manager weniger

Der Plan ist radikal: Die Sachgemeinkosten sollen bis 2030 um elf Milliarden Euro sinken. Das entspricht einer fünfstelligen Anzahl an Stellen. Allein in Verwaltung und Entwicklung könnten 5.500 von rund 20.000 Managern ihren Job verlieren. Insgesamt verdoppeln Blumes Pläne den Stellenabbau von bisher 50.000 Stellenstreichungen, die der Konzern Ende 2024 mit dem Betriebsrat vereinbart hat.

Die drastischen Schritte sind eine Reaktion auf anhaltende wirtschaftliche Schwierigkeiten des Konzerns und der gesamten europäischen Automobilindustrie. Der Volkswagen-Konzern mit seinen zehn Marken in fünf europäischen Ländern verkauft neun Millionen Fahrzeuge im Jahr, zuletzt stagnierten die Absatzzahlen. Die operative Umsatzrendite des halbierte sich im Jahr 2025 auf rund drei Prozent. Eine interne Umfrage sieht die Existenz des Konzerns bedroht, Vorstand und Eigentümer sind nervös.

Marke VW könnte ausgegliedert werden

Über reine Sparmaßnahmen hinaus denkt das Management laut Manager Magazin über eine Neugliederung im Konzern nach. Die Kernmarke VW sowie die Sparte "Komponenten" könnten aus dem bisherigen Konzernverbund ausgegliedert und eigenständig aufgestellt werden. Kritiker befürchten, dass hiermit Schutzmechanismen für Arbeitnehmer, etwa das "VW-Gesetz", ausgehebelt werden könnten.

100 statt 150 Modelle

Um die Kosten weiter zu reduzieren, will Volkswagen die Investitionen für die nächsten fünf Jahre um rund 15 Prozent kürzen und das Modellangebot von aktuell 150 auf weniger als 100 Modelle zusammenstreichen. Zusätzlich sollen Synergien durch mehr Gleichteile zwischen den Marken geschaffen werden.

Das Konzept wird am 9. Juli dem Aufsichtsrat präsentiert. Angesichts des Widerstands von Betriebsrat und dem Land Niedersachsen sind heftige Debatten zu erwarten. Vorstand und Eigentümer drängen jedoch auf zügige Umsetzung, um den Konzern wettbewerbsfähig und wirtschaftlich stabil zu halten.

Fazit