Top-Ökonom: „VW wird wahrscheinlich von chinesischem Autohersteller aufgekauft"

Deutscher Top-Ökonom
„VW wird von BYD aufgekauft“

ArtikeldatumVeröffentlicht am 30.06.2026
Als Favorit speichern
BYD Volkswagen
Foto: KI generiert

Wie das "Manager Magazin" berichtet, will VW-Chef Oliver Blume Volkswagen massiv umbauen und Sparprogramme verschärfen: Bis zu 100.000 Stellen (rund 15 Prozent der Belegschaft) könnten wegfallen, zudem stünden vier Werksschließungen in Deutschland (Hannover, Zwickau, Emden, Audi Neckarsulm) zur Diskussion. Außerdem werde über eine Ausgliederung der Kernmarke VW nachgedacht, das Modellangebot solle von 150 auf unter 100 Fahrzeuge schrumpfen; der Aufsichtsrat soll die Pläne am 9. Juli beraten.

Die drastischen Schritte sind eine Reaktion auf anhaltende wirtschaftliche Schwierigkeiten und schlechte Geschäftszahlen. Der Absatz stagniert, die operative Umsatzrendite halbierte sich 2025 auf rund drei Prozent. Eine interne Umfrage sieht die Existenz des Konzerns bedroht.

Autoexport aus Europa ist ein Auslaufmodell

Der Konzern kommentierte die Berichte auf Anfrage von auto motor und sport nicht, verwies aber darauf, dass die Pläne in den zuständigen Gremien besprochen würden. "Richtig ist, dass die gesamte Automobilindustrie und die Volkswagen Group eine tiefgreifende Transformation durchlaufen. Der Konzernvorstand hat immer wieder betont, dass unser aktuelles Geschäftsmodell so nicht mehr für alle Marken funktioniert: Autos in Deutschland entwickeln, in Europa produzieren und weltweit exportieren."

Das sehen auch Wirtschaftsexperten so und erkennen vor allem eine starke Bedrohung für die gesamte deutsche Industrie durch China. Die "Süddeutsche Zeitung" befragte den Wirtschaftshistoriker Niall Ferguson von der Stanford University und den Leiter des Kieler Instituts für Weltwirtschaft, Moritz Schularick, nach den Auswirkungen geopolitischer Schocks (Pandemie, Ukraine-Krieg, Donald Trumps Zölle, Iran-Krieg) für die Weltwirtschaft.

VW könnte von Chinesen übernommen werden

Niall Ferguson sagte der Zeitung: "Das traditionelle Modell der Autoexporte stirbt aus". Und schlimmer noch: "(…) Sofern es nicht zu einem radikalen Wandel kommt, sage ich voraus: Die Europäer werden sehr bald massenweise chinesische Autos fahren. BYDs zum Beispiel. Und es betrifft längst nicht mehr nur Autoindustrie und Maschinenbau".

Moritz Schularick bekräftigt: " (…) Europa muss den Zugang zum großen europäischen Markt als Verhandlungsmasse nutzen. Wir werden China erlauben, hier BYDs zu verkaufen, aber nur, wenn sie in Europa produziert werden, um die Arbeitsplätze zu erhalten. Wir werden das tun, was die Chinesen mit uns gemacht haben."

Zur Existenzbedrohung von Volkswagen, konkret auf die Frage, ob der Konzern pleitegehe, sagte Schularick: "VW wird wahrscheinlich von einem chinesischen Autohersteller aufgekauft. Etwa von BYD."

Europa wird zwischen China und den USA zerrieben

Insgesamt warnen sowohl Ferguson als auch Schularick in dem Gespräch vor dem Risiko der Deindustrialisierung in Europa und Deutschland, vor allem wegen der starken Konkurrenz aus China und des technologischen Rückstands. Beide Wissenschaftler setzen stark auf die Verteidigungsbranche und Hightech als Gegenbewegung. Ferguson zeichnet das düsterere Bild, weil er nicht an ein konzertiertes europäisches Vorgehen glaubt und Europa daher keine Autonomie erlangen werde. Schularick hält ein Szenario, in dem Europa aufholt, für machbar – wenn es strategisch handele.

Das allerdings hält er für essenziell: "Europa braucht technologische Autonomie in Schlüsselbereichen, und es besteht ein großes Risiko, dass es dies nicht schafft. In diesem Fall gerät Europa zwischen die beiden Gorillas China und die USA. China und die USA werden Europa aufessen, Stück für Stück".

Fazit