Gleichzeitig treibt der Autobauer seine Robotikstrategie weiter voran und übernimmt den US-Entwickler Boston Dynamics vollständig. Damit will Hyundai die Entwicklung und den industriellen Einsatz humanoider Roboter deutlich beschleunigen.
Von der Tarifauseinandersetzung sind rund 40.000 gewerkschaftlich organisierte Beschäftigte betroffen. Nach Angaben der Gewerkschaft stimmten rund 87 Prozent der Mitglieder für Arbeitskampfmaßnahmen. Sie befürchten, dass frei werdende Stellen künftig nicht mehr nachbesetzt, sondern schrittweise durch humanoide Roboter ersetzt werden. Der Konflikt gilt als der erste bekannte Arbeitskampf in der Automobilindustrie, bei dem der Einsatz humanoider Roboter ausdrücklich zu den zentralen Streitpunkten gehört.
Atlas soll zum Fabrikarbeiter werden
Im Mittelpunkt steht Atlas, der humanoide Roboter von Boston Dynamics. Anders als herkömmliche Industrieroboter ist er nicht an einen festen Arbeitsplatz gebunden. Er bewegt sich selbstständig durch Fabriken, transportiert Bauteile, bedient Werkzeuge und kann an unterschiedlichen Arbeitsplätzen eingesetzt werden. Entwickelt wurde Atlas für monotone, körperlich belastende oder gefährliche Tätigkeiten in Produktion und Logistik.
Vorstellung Hyundai Atlas
Die aktuelle Generation wird vollständig elektrisch angetrieben und speziell für industrielle Anwendungen entwickelt. Seine besonders beweglichen Gelenke ermöglichen Arbeitsabläufe, die mit konventionellen Industrierobotern nur schwer oder gar nicht umsetzbar wären. Den ersten Serieneinsatz plant Hyundai im neuen Werk Metaplant America im US-Bundesstaat Georgia. Dort übernimmt Atlas zunächst Materialtransport und Logistikaufgaben, später sollen auch Arbeiten in der Fahrzeugmontage folgen.
Hyundai holt Boston Dynamics vollständig unter das eigene Dach
Um Atlas schneller zur Serienreife zu bringen, übernimmt Hyundai Boston Dynamics vollständig. Der Autobauer hatte den Robotikentwickler bereits 2021 mehrheitlich von SoftBank übernommen und kauft nun auch die verbliebenen Anteile. Damit wird Boston Dynamics zu einer hundertprozentigen Tochter der Hyundai Motor Group.
Für Hyundai ist die Übernahme weit mehr als eine Finanzinvestition. Der Konzern will die Entwicklung, Fertigung und den späteren Einsatz humanoider Roboter eng mit der eigenen Fahrzeugproduktion verzahnen. Atlas soll sich vom Technologiedemonstrator zu einem festen Bestandteil der Fertigung entwickeln.
Hyundai plant den Einsatz in weiteren Werken
Die vollständige Übernahme ist Teil einer umfassenden Robotikstrategie. Hyundai verbindet Robotik, Künstliche Intelligenz und Fahrzeugentwicklung unter dem Begriff "Physical AI". Ziel ist es, Roboter zu entwickeln, die ihre Umgebung selbstständig erfassen und eigenständig Aufgaben in der realen Welt übernehmen können.
Langfristig soll Atlas nicht auf ein einzelnes Werk beschränkt bleiben. Hyundai plant, den Roboter nach erfolgreichen Tests auch in weiteren Produktionsstandorten einzusetzen und die Fertigungskapazität perspektivisch auf bis zu 30.000 humanoide Roboter pro Jahr auszubauen. Neben den eigenen Fahrzeugwerken sieht der Konzern Einsatzmöglichkeiten unter anderem in Logistikzentren und anderen Industriebetrieben. Auch andere Autohersteller planen derzeit den Einsatz von humanoiden Robotern in ihren Werken, hier eine Übersicht.





