Bis zu 20.000 Euro: So schützen Sie sich vor Abschlepp-Abzocke bei E-Autos

Bis zu 20.000 Euro Abschleppkosten
Abschlepp-Abzocke bei E-Autos - so schützen Sie sich

ArtikeldatumVeröffentlicht am 04.03.2026
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Ob Lücken in der Ladeinfrastruktur, technisch unzuverlässige Ladesäulen oder diverse Nervfaktoren beim Bezahlen des Ladevorgangs: Die Fahrerinnen und Fahrer eines Elektroautos haben im Alltag immer wieder mit Problemen und Problemchen zu kämpfen, für die Menschen mit Verbrennerautos maximal ein müdes Lächeln übrig haben. Doch speziell in einem Punkt kann die Nutzung eines E-Autos zur riesigen Kostenfalle werden. Nämlich dann, wenn es nach einem Unfall abgeschleppt werden muss.

Abschleppkosten von 20.000 Euro

Über einen besonders extremen Fall berichtet der "Spiegel". Demnach hat der Besitzer eines verunfallten Peugeot E-208 eine Rechnung von mehr als 20.000 Euro vom Abschleppunternehmen erhalten, die er immerhin von seiner Versicherung begleichen lassen konnte. Und das ist leider kein Einzelfall. Auch weitere Nutzerinnen und Nutzer von Elektroautos und die Versicherer machten zuletzt häufig auf mögliche Abzockmethoden beim Abschleppen von E-Autos aufmerksam, die massiv ins Geld gehen.

So hat die Allianz Versicherungs AG bereits mehrfach ihr vorgelegte Abschlepprechnungen überprüft. Und dabei für das Jahr 2025 festgestellt, "dass beim Abschleppen von Elektrofahrzeugen im Durchschnitt fast genau das Doppelte im Vergleich mit konventionellen Antrieben berechnet wird", heißt es in einer Mitteilung des Versicherungskonzerns. Wobei die finanzielle Bandbreite enorm ist. Der höchste Betrag, der gegenüber der Allianz bisher geltend gemacht wurde, belief sich auf 19.217 Euro.

Doch woran liegt das? Fallen die Abschlepprechnungen höher aus, weil E-Fahrzeuge tendenziell schwerer sind als ihre Verbrenner-Pendants? Nein, der Abschleppvorgang an sich ist nicht das Problem. Vielmehr sind es fragwürdige "Zusatzleistungen" rund um das Bergen, für die manche Firmen teils horrende Summen verlangen. Die Allianz berichtet beispielsweise von Rechnungsposten wie einer "Vorbesprechung vor einem Transport" in Höhe von etwa 1.700 Euro. Teilweise werden für viel Geld angebliche "Batterieexperten" konsultiert oder ohne objektiven Grund vorsorglich Sanitäterinnen und Sanitäter hinzugezogen.

Mythos des leicht brennbaren E-Autos

Das alles fußt auf der in vielen Köpfen nach wie vor herumgeisternden Vorstellung, dass Elektroautos nach einem Unfall besonders feuergefährdet sind. Dabei wurde dieser Mythos längst und mehrfach von unabhängigen Stellen widerlegt. Dennoch nutzen unseriöse Abschleppunternehmen offenbar die Unsicherheit mancher Autofahrerinnen und Autofahrer aus. Sie nehmen die beschädigten Autos beispielsweise wegen "nicht näher belegter Sicherheitsbedenken" in Quarantäne und verweigern deren Herausgabe, um danach hohe Standkosten abzurechnen.

Diese waren auch im vom "Spiegel" veröffentlichten Fall einer der Kostentreiber. Weil der Akku des Peugeot E-208 nach Aussage der Abschleppfirma akute Rauchentwicklung auf dem Betriebsgelände gezeigt habe, sei er aus dem Auto herausgeschnitten und in einer speziellen Lagerbox aufbewahrt worden – aus technischer- und Sicherheitssicht ein extrem fragwürdiges Vorgehen, für das allein 2.450 Euro netto in Rechnung gestellt wurden. Zudem wurde das Auto angeblich von einem "Spezial-Bergungsfahrzeug" abgeschleppt. Der hinzugezogene Batterieexperte veranschlagte allein 1.650 Euro.

VDA-Handlungsempfehlung gibt Sicherheit

Um den intransparenten Wildwuchs bei den Abschleppkosten von Elektroautos einzudämmen, hat der Verband der Automobilindustrie (VDA) zusammen mit zahlreichen Experten und Institutionen eine 32-seitige "Handlungsempfehlung zur sicheren und normgerechten Handhabung havarierter Elektrofahrzeuge" erarbeitet (hier zum Download). Das im Dezember 2025 veröffentlichte Dokument bündelt das Fachwissen zahlreicher Branchen und soll auch für Abschleppunternehmen einen sicheren, rechtlich abgesicherten und praxisorientierten Standard schaffen – etwa für den Umgang mit E-Fahrzeugen im Brandfall oder nach Überschwemmungen.

Indem Fahrerinnen und Fahrer eines Elektroautos die Handlungsempfehlungen ebenfalls kennen, können sie sich im Zweifel vor Kostenfallen und Abzocke schützen, falls ihr Fahrzeug einmal abgeschleppt werden muss.

Hinweis: In der Fotoshow präsentieren wir Ihnen die wichtigsten Elektroauto-Neuheiten 2026.

Fazit