CAPINT von KNDS: Ist das Frankreichs neuer "Übergangspanzer"?

CAPINT von KNDS
Ist das Frankreichs neuer „Übergangspanzer“?

ArtikeldatumVeröffentlicht am 16.06.2026
Als Favorit speichern
Capint Panzer
Foto: KNDS

Der Name CAPINT beschreibt bereits seine Rolle, die Abkürzung steht für "Capacité Intermédiaire", also Zwischenlösung, und verbindet deutsche Leopard-Technik mit einem neu entwickelten französischen Turmsystem. Ab den 2030er Jahren soll das Modell dann verfügbar sein.

Die Vorstellung kommt zu einem Zeitpunkt, an dem sich die Entwicklung des Main Ground Combat System (MGCS) weiter verzögert. Das gemeinsame deutsch-französische Vorhaben soll Leopard 2 und Leclerc ersetzen, wird nach aktuellem Stand aber erst in den 2040er Jahren erwartet. Frankreich sucht daher nach einer Lösung, um die eigene Panzertruppe bereits deutlich früher zu modernisieren.

Leopard-2-Technik bildet die Grundlage

Für CAPINT greift KNDS auf bewährte Technik zurück. Die Basis bildet ein weiterentwickeltes Fahrgestell des Leopard 2 A8 aus deutscher Entwicklung. Angetrieben wird der Kampfpanzer von einem 1.500 PS starken Dieselmotor. KNDS nennt eine Höchstgeschwindigkeit von bis zu 65 km/h sowie eine Reichweite von mehr als 450 Kilometern.

Während das Fahrwerk aus Deutschland stammt, wurde der Turm von KNDS France entwickelt. Damit vereint das Fahrzeug erstmals zentrale Technologien beider Unternehmensbereiche in einem neuen Kampfpanzersystem.

Unbemannter Turm mit automatischer Ladeeinrichtung

Auffälligstes Merkmal des Fahrzeugs ist der neue ASCALON-Turm. Anders als bei klassischen Kampfpanzern befindet sich dort keine Besatzung.

Die drei Soldaten arbeiten vollständig aus der Wanne heraus. Dadurch soll der Schutz der Besatzung erhöht werden. Die Hauptwaffe wird über einen automatischen Lader versorgt, der 22 Schuss bereithält.

Die wichtigsten technischen Daten im Überblick

ASCALON soll auch größere Kaliber ermöglichen

Die Hauptbewaffnung verwendet derzeit eine automatisch geladene 120-mm-Glattrohrkanone. Laut KNDS bleibt das System vollständig kompatibel zu vorhandener NATO-Munition. Die Konstruktion ist jedoch nicht auf dieses Kaliber beschränkt. Nach Angaben des Herstellers kann die Waffenanlage künftig auch für größere Rohrkaliber ausgelegt werden. Als Zielgröße nennt KNDS 140 Millimeter.

Bereits heute gilt die Feuerkraft als weit entwickelt. Nach Unternehmensangaben wurden rund 300 Schuss mit dem System abgegeben. Im Januar 2026 erfolgte zudem eine erfolgreiche Schießerprobung eines Demonstrators mit unbemanntem Turm während der Fahrt.

Schutz gegen moderne Bedrohungen

Die Erfahrungen aus der Ukraine spielen bei der Auslegung des Fahrzeugs eine wichtige Rolle. Neben klassischem Panzer- und Minenschutz wurde deshalb besonderer Wert auf die Abwehr von Drohnen gelegt. Auf dem Turm befindet sich eine ARX30-Waffenstation zur Bekämpfung kleiner Flugziele.

Ergänzt wird die Schutzausstattung durch Warnsensoren, aktive Schutzsysteme und elektronische Gegenmaßnahmen. Zudem verfügt der Panzer über moderne Beobachtungs- und Zielsysteme, die eine Rundumüberwachung des Gefechtsfeldes ermöglichen.

Frankreich schafft Fakten vor dem MGCS

CAPINT ist offiziell kein Ersatz für das deutsch-französische MGCS-Programm. Dennoch zeigt die Vorstellung des Fahrzeugs, dass Frankreich nicht bis zur geplanten Einführung des gemeinsamen Systems warten möchte.

Verteidigungsministerin Catherine Vautrin hatte zuletzt erklärt, dass sich der "Panzer der Zukunft" um rund zehn Jahre verzögert habe. Die Modernisierung der französischen Panzertruppe solle deshalb bereits vorher beginnen.

Fazit