E-Auto-Leitmarkt Norwegen: Warum der Absturz im Januar?

E-Auto-Leitmarkt Norwegen
Warum der Absturz im Januar?

ArtikeldatumVeröffentlicht am 05.02.2026
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Damit verzeichnete der Vorzeigemarkt für Elektromobilität einen der schwächsten Jahresauftakte seit vielen Jahren. Ungeachtet des massiven Volumenrückgangs bleibt die Antriebsstruktur nahezu unverändert. Elektroautos erreichten im Januar einen Anteil von 94 % an allen Neuzulassungen. Absolut wurden rund 2.084 batterieelektrische Pkw neu registriert.

Demgegenüber standen lediglich 98 Diesel- und sieben Benzinfahrzeuge. Reine Benziner markierten damit den niedrigsten jemals gemessenen Monatswert. Hybridantriebe spielten praktisch keine Rolle. Der Rückgang ist damit kein Signal gegen die Elektromobilität, sondern Ausdruck eines insgesamt stark verzerrten Marktes.

Dezember-Sondereffekte verzerren den Jahresauftakt

Der schwache Januar folgt auf einen außergewöhnlich starken Jahresendspurt. Im Dezember 2025 wurden in Norwegen mehr als 35.000 neue Pkw zugelassen. Üblicherweise bewegt sich der Monatsmarkt zwischen 10.000 und 15.000 Fahrzeugen.

Auslöser war eine zum Jahreswechsel in Kraft getretene Anpassung der Mehrwertsteuerregelungen für Elektroautos. Viele Händler und Käufer zogen geplante Zulassungen gezielt vor, um Fahrzeuge noch zu den bisherigen Konditionen zu registrieren. Die Folge war ein künstlich aufgeblähter Dezember und ein entsprechend schwacher Jahresbeginn.

Markteinschätzung der Branche

OFV-Direktor Geir Inge Stokke ordnet die Entwicklung entsprechend ein. Steueränderungen kurz vor dem Jahreswechsel führten regelmäßig zu starken Ausschlägen nach oben und unten und erschwerten eine gleichmäßige Marktentwicklung, heißt es von Seiten der Organisation.

Die Januarzahlen seien daher kein Hinweis auf eine nachlassende Nachfrage, sondern das direkte Ergebnis des außergewöhnlichen Endspurts vor dem Jahreswechsel. Mit zunehmender Stabilisierung der Rahmenbedingungen rechnet die Branche im weiteren Jahresverlauf mit wieder anziehenden Zulassungszahlen.

Jahresbetrachtung bleibt trotz schwachem Start stabil

Trotz des Einbruchs im Januar wird für das Gesamtjahr 2026 weiterhin mit rund 160.000 Neuzulassungen gerechnet. Damit würde sich der norwegische Markt in etwa auf dem Niveau der Vorjahre bewegen. Der Januar fällt statistisch deutlich aus dem Rahmen, hat aber nur begrenzte Aussagekraft für die Jahresentwicklung.

Parallel dazu zeigt sich der Gebrauchtwagenmarkt stabil. Im Januar wechselten 40.409 Personenkraftwagen den Besitzer. Das entspricht einem Zuwachs von knapp fünf Prozent gegenüber dem Vorjahresmonat. Besonders deutlich stieg der Handel mit gebrauchten Elektroautos.

Elektromobilität prägt auch den Fahrzeugbestand

Der Absatz gebrauchter Elektroautos legte im Januar um 22,7 Prozent zu. Inzwischen sind 32,6 Prozent des gesamten norwegischen Gebrauchtwagen-Bestands batterieelektrisch.

Demgegenüber entfallen 31 Prozent auf Diesel- und 23,5 Prozent auf Benzinfahrzeuge. Die Verschiebung im Bestand zeigt, dass die Elektrifizierung längst nicht mehr nur den Neuwagenmarkt betrifft.

Wie Norwegen zum EV-Vorzeigemarkt wurde

Die aktuelle Marktstruktur ist das Ergebnis einer langfristig angelegten politischen Strategie. Bereits Anfang der 90er-Jahre begann Norwegen mit dem systematischen Aufbau von Anreizen für emissionsfreie Fahrzeuge. Zentrales Prinzip war dabei stets das Verursacherprinzip im Steuersystem.

Fahrzeuge mit hohen Emissionen werden hoch besteuert, während emissionsarme und emissionsfreie Fahrzeuge über Jahre hinweg deutlich begünstigt wurden. Elektroautos waren lange von der Mehrwertsteuer und der einmaligen Zulassungssteuer befreit. Diese Vorteile wurden schrittweise angepasst, zuletzt durch die Einführung der Mehrwertsteuer auf Kaufpreisanteile oberhalb von 500.000 norwegischen Kronen.

Infrastruktur und rechtliche Rahmenbedingungen

Parallel zum Steuersystem wurde die Ladeinfrastruktur konsequent ausgebaut. Entlang aller Hauptverkehrsachsen stehen Schnellladestationen zur Verfügung. Ende 2024 konnten landesweit mehr als 9.000 Fahrzeuge gleichzeitig an Schnellladesäulen laden.

Hinzu kamen rechtliche Regelungen wie ein gesetzlich verankerter Ladeanspruch für Bewohner von Mehrfamilienhäusern. Ergänzt wurde das Paket durch reduzierte Maut- und Fährgebühren sowie Vorgaben für emissionsfreie Fahrzeuge in der öffentlichen Beschaffung.

Langfristige Ziele über kurzfristigen Schwankungen

Das norwegische Parlament hat frühzeitig klare Zielmarken gesetzt. Seit 2025 sollen alle neu zugelassenen Pkw emissionsfrei sein. Für schwere Nutzfahrzeuge gilt ein entsprechendes Ziel für das Jahr 2030. Diese langfristige Planung bildet den Rahmen, in dem kurzfristige Marktschwankungen einzuordnen sind.

Der Einbruch im Januar 2026 zeigt, wie stark politische Eingriffe den zeitlichen Verlauf von Zulassungen beeinflussen können. An der grundsätzlichen Ausrichtung des Marktes ändert er jedoch nichts.

Fazit