Am vergangenen Dienstag, den 31. März, appellierte EU-Energiekommissar Dan Jørgensen in einer Rede nach einer Sondersitzung an die EU-Staaten, so die Berichterstattung des Online-Politikportals Politico, die sich auf eine anonyme Quelle berufen. Er bezeichnete die Situation als sehr ernst. "Selbst wenn morgen Frieden herrscht, werden wir in absehbarer Zukunft nicht zur Normalität zurückkehren. Je mehr wir tun können, um Öl zu sparen – insbesondere Diesel und vor allem Flugbenzin –, desto besser für uns”, so Jørgensen.
Der EU-Energiekommissar fordert alle 27 EU-Mitglieder dazu auf, die Empfehlungen der Internationalen Energieagentur (IEA) ernst zu nehmen und ihnen zu folgen. Deren Chef Fatih Birol warnt schon seit einigen Tagen vor der womöglich schwersten Energiekrise seit Jahrzehnten: "Kein Land wird von den Auswirkungen dieser Krise verschont bleiben, wenn sie sich weiter in diese Richtung entwickelt."
EU setzt auf Verzicht und Verhaltensänderung
Jørgensen fordert außerdem so viel Homeoffice wie möglich, die Senkung der Geschwindigkeitsbegrenzung auf der Autobahn um 10 km/h, die Förderung des öffentlichen Nahverkehrs und die Ausweitung von Carsharing. Außerdem Langfristig möchte er, dass die EU den Ausbau erneuerbarer Energiequellen voranbringt und erklärt dazu: "Dies muss der Zeitpunkt sein, an dem wir endlich das Blatt wenden und wirklich energieunabhängig werden." Konkrete Vorschläge zur Umsetzung sollen laut Politico nicht Teil des Gesprächs gewesen sein, obwohl die Kommission laut Jørgensen bald ein Maßnahmenpaket für die EU schnüren möchte.
Derartige Aussagen erinnern natürlich stark an die Ölkrise im Jahr 1970 oder an die Corona-Pandemie. Und die Befürchtungen wachsen, dass die globalen wirtschaftlichen Folgen ähnlich ausfallen könnten, wie vor gerade einmal sechs Jahren. Man fragt sich natürlich, wie dieses Maßnahmenpaket aussehen könnte. Drohen und jetzt tatsächlich Fahrverbote? Könnten diese vielleicht ähnlich ausfallen wie die Ausgangssperre bei Corona? Oder entscheidet sich die Politik für autofreie Sonntage, wie in den 70er-Jahren?
Fakt ist, seit die USA und Israel die ersten Angriffe auf den Iran gestartet haben, sind die Öl- und Gaspreise um bis zu 70 Prozent in die Höhe geschossen. Der Grund: ein Fünftel der weltweiten Rohöl- und Erdgas-Vorräte sitzt im Persischen Golf fest. Solange diese Sperre nicht aufgehoben ist, bleiben die Energiekosten auf einem ungewöhnlich hohen Niveau.












