HUK-Coburg unterstützt Pro Führerschein gegen hohe Kosten

Jörg Rheinländer im Interview
Warum Führerscheinkosten so stark steigen

ArtikeldatumVeröffentlicht am 10.08.2026
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Jörg Rheinländer 
ist seit 2017 Vorstandsmitglied der HUK-Coburg. Der Diplom-Physiker und promovierte Mathematiker verantwortet die Bereiche Kraftfahrtversicherung, Aktuariat Komposit sowie Haftpflicht-, Unfall- und Sachversicherung.
Foto: Maximilian Balázs
Mobilität wird immer teurer. Speziell für jüngere Verkehrsteilnehmer stellt es mittlerweile ein echtes Problem dar, den Führerschein zu finanzieren. Wie ist Ihre Sichtweise als Versicherer auf dieses Thema?

Der Erwerb eines Führerscheins ist mittlerweile mit 3.400 bis 3.500 Euro wirklich so teuer geworden, dass er zu einer Art sozialem Ausschlusskriterium geworden ist. Wenn man schaut, wie sich die Zahlen in den letzten Jahrzehnten entwickelt haben, dann haben sich die Führerscheinkosten gemessen an einem mittleren Haushaltseinkommen verdoppelt, betrachtet vom Jahr 1990, in dem der Führerschein um die 600 Euro gekostet hat, bis zum Jahr 2025. Als Folge machen weniger junge Menschen den Führerschein. 1990 lag die Quote in der Altersklasse der 17- bis 20-Jährigen, die den Führerschein der Klasse B erworben haben, bei rund 90 Prozent, 2025 waren es nur noch 41 Prozent. Das ist ein rapider Rückgang.

Glauben Sie, dass wir eine Reform des Führerscheins brauchen?

Ja. Um insbesondere jungen Menschen die Teilnahme an Individualmobilität zu ermöglichen, brauchen wir eine Reform, die vor allen Dingen die Kosten senkt.

Ist die Ausbildung aus Ihrer Sicht denn möglicherweise auch zu komplex?

Ich bin ein großer Freund des Fahrsimulators. Überall, wo professionell geflogen oder gefahren wird, macht dieses Instrument viel Sinn. Das sehen wir bei der Pilotenausbildung der Lufthansa. Warum sollte man es nicht auch im Straßenverkehr einsetzen? Und wir reden ja auch über eine Generation, bei der viel mehr simuliert wird – zum Beispiel auf der Playstation.

Was bringt aus Ihrer Sicht das begleitete Fahren ab 17 Jahren?

Das ist ein ganz wichtiges Instrument, das enorm hilft, die Qualität des Fahrens zu verbessern. Uns ist nur der Zeitraum bis zum 18. Lebensjahr zu kurz. Wir beobachten, dass eine längere Begleitung beim Fahren hilfreich ist, deshalb wünschen wir uns diese Möglichkeit bereits ab dem 16. Lebensjahr. Das hilft bei der Unfallvermeidung mehr, als wenn die Menschen erst mit dem 19. Lebensjahr ihren Führerschein machen würden.

Was ist aus Sicht der Versicherer wichtig bei der Fahrausbildung?

Ich finde es gut, wenn eine Fahrschule unterschiedliche Autos zur Verfügung stellt –mit unterschiedlichen Assistenzsystemen. Dann würde ich auch darauf achten, ob eine Fahrschule die eigene Erfolgsquote auf der Homepage sichtbar macht, um zu erkennen, wie viele Fahrstunden notwendig sein werden, um zum Ziel zu kommen. Ein weiteres Kriterium: Wenn man eine nicht allzu kleine Fahrschule wählt, hat man auch ein größeres Spektrum an Fahrlehrern, unter denen man den persönlichen Favoriten auswählen kann.

Empfehlen Sie nach wie vor auch die Ausbildung auf einem Schaltwagen?

Grundsätzlich erleben wir zunächst die steilste Lernkurve beim Fahren mit Autos ohne jede Form von Assistenzsystemen, weil man dort die Physik des Fahrens unmittelbar erlebt. Erst dann versteht man auch, was Assistenzsysteme heutzutage alles wegfiltern können. Der Schalter ist ein Auslaufmodell, bei batterieelektrischen Autos gibt es das gar nicht mehr. Aber wir beobachten aktuell einen Trend zu Gebrauchtwagen und zu Youngtimern. Und dann ist es gut, wenn man es auch gelernt hat, ein Auto mit Schaltgetriebe zu fahren.

Was halten Sie von der angekündigten Führerscheinreform, die ja erst Anfang 2027 umgesetzt werden soll?

Ich würde es begrüßen, wenn die Reform die Führerscheinausbildung günstiger machen würde. Ob das tatsächlich eintritt, werden wir sehen. Grundsätzlich sollte man seine eigene Ausbildung auch ein Stück weit planen, um die hohen Durchfallquoten zu vermeiden. Ich glaube auch nicht, dass man sich unbedingt in einen Schulungsraum setzen muss, sondern die Theorie heutzutage gut über eine App lernen kann.

Welchen Unfallrisiken sind Fahranfänger eigentlich besonders ausgesetzt?

Wenn ich in unsere Telematikdaten schaue, dann ist das zum einen überhöhte Geschwindigkeit, zum anderen auch hohe Querbeschleunigung in Kurven. Es gibt jedoch auch eine Gruppe, die ganz hervorragend Auto fahren kann – das sehen wir an unseren Daten auch.

Was nehmen Sie sich als HUK vor, um junge Menschen in Sachen Mobilität künftig noch besser zu erreichen und zu unterstützen?

Wir sehen, dass junge Menschen die Mobilität ganz anders nutzen. Sie nutzen zum Beispiel sehr stark E-Scooter, von denen wir mittlerweile über eine halbe Million versichern – als rein privat genutzte E-Scooter. Aber unsere Mobilitätsstudie hat auch gezeigt, dass mehr als 70 Prozent der jungen Menschen im Auto das eigentlich richtige Fortbewegungsmittel sehen, auch aufgrund der aktuellen Situation im öffentlichen Personennahverkehr. Wir setzen uns grundsätzlich sehr stark für bezahlbare Mobilität ein. Mit unserem Telematiktarif haben wir da auch ein sehr gutes Angebot – Sie können bis zu 30 Prozent des Beitrags sparen, wenn Sie vorausschauend fahren.

Wie können wir jungen Menschen Mobilitätsangebote noch besser vermitteln?

Wir müssten das gesamte Themenspektrum der Finanzierung stärker platzieren. Das müsste eigentlich auch ein Schulfach sein. Wie vergleicht man Mobilitätsangebote, wie bekomme ich ein gutes Leasingangebot, wie verschaffe ich mir einen Überblick, welche Kosten wirklich auf mich zukommen? Man muss Finanzierungskonzepte verstehen können, dann kann Mobilität auch bezahlbar sein.

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