Kein Strafzoll auf Tavascan: Schafft die "Lex Cupra" einen Präzedenzfall?

Cupra Tavascan von Strafzöllen ausgenommen
Schafft die „Lex Cupra“ einen Präzedenzfall?

ArtikeldatumVeröffentlicht am 13.02.2026
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Die VW-Konzerntochter Cupra inszeniert sich gerne als Power-Marke. Jung, dynamisch, unangepasst – und mit feurigem spanischen Herz. Doch nicht alle Cupra-Modelle sind tatsächlich echte Spanier. Der Elektro-Crossover Tavascan zum Beispiel ist ein waschechter Chinese: Er wurde Cupra zufolge zwar in Europa entwickelt, entsteht jedoch vollständig im VW-Werk im chinesischen Anhui. Aufgrund dieser Tatsache erhebt die erhebliche Zölle auf das Modell. 30,7 Prozent, um genau zu sein, aufgeteilt auf 10 Prozent Basis- und 20,7 Prozent Strafzoll.

Tavascan erster "Mindestzoll-Chinese"

Doch damit ist bald Schluss. Wie die EU-Kommission offiziell mitgeteilt hat, werden der Tavascan und damit auch Cupra sowie der VW-Konzern von ihrer Zolllast befreit. Stattdessen kommt bei ihm die neue Mindestpreis-Regelung zur Anwendung, für die die EU kürzlich die Weichen gestellt hatte. Damit entwickelt sich der Tavascan automatisch zum Präzedenzfall, an dem sich fortan andere Hersteller orientieren werden – auch die "rein chinesischen".

Der VW-Konzern und die EU haben sich im Fall Tavascan nach monatelangen Verhandlungen auf "Mindestpreise und weitere Auflagen sowie Selbstverpflichtungen zum Schutz des EU-Markts" geeinigt, wie es in einem Durchführungsbeschluss im Amtsblatt der Europäischen Union heißt. Die genaue Höhe dieses Mindestpreises ist nicht ganz klar. Er muss sich jedoch am Preis eines vergleichbaren Volkswagen-Modells aus Europa orientieren.

Ob der Cupra Tavascan nun tatsächlich günstiger wird, ist folgerichtig bislang unklar. Die Basisversion mit dem Beinamen "Endurance" (Ausdauer), 210 kW (286 PS) starkem Antrieb und bis zu 553 Kilometern WLTP-Reichweite kostet aktuell laut Liste mindestens 53.340 Euro. Die Topversion Cupra Tavascan VZ 4Drive mit zweimotorigen Antrieb und 250 kW (340 PS) kostet im günstigsten Fall 57.910 Euro. Allerdings gilt derzeit ein Rabattprogramm namens "Tribe Bonus", in dessen Rahmen noch bis Ende März 2026 ein Nachlass von 5.000 Euro auf den Tavascan gewährt wird.

Strenge Auflagen abseits des Mindestpreises

Ein weiteres zentrales Element im Abkommen zwischen EU und Autokonzern: VW verpflichtet sich, pro Jahr nur eine bestimmte (und bislang unbekannte) Maximalanzahl des Cupra Tavascan in die EU zu importieren. Gleichzeitig müssen zahlreiche formale Anforderungen und bürokratische Akte erfüllt werden. Der Hersteller muss unter anderem detaillierte Verkaufsberichte vorlegen sowie Kontrollbesuche dulden und darf vorerst keine weiteren Elektroautos in die EU einführen. Volkswagen musste zudem weitere "BEV-bezogene Investitionsprojekte in der EU" zusichern.

Fraglich ist bislang, wie die Autoindustrie und die Regierung Chinas auf die "Lex Cupra" reagieren werden. Die Handelskammer der Volksrepublik kritisierte bereits, dass die EU-Kommission bilaterale Gespräche mit einzelnen Unternehmen geführt habe. Statt derartige Sondervereinbarung zu schließen, solle sie sich an den Grundsatz der Nichtdiskriminierung halten und ihren Dialog mit den chinesischen Behörden fortsetzen.

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