Der ADAC hat 21 gängige Fahrzeugmodelle anhand von drei typischen Schadensszenarien untersucht. Selbst bei Bagatellen wie einem Parkrempler entstehen demnach häufig vierstellige Rechnungsbeträge.
Ein unabhängiger Sachverständiger erstellte mit einer branchenüblichen Kalkulationssoftware standardisierte Kostenvoranschläge. Berücksichtigt wurden Ersatzteile, einschließlich zwei Prozent für Kleinteile, Nebenkosten, Arbeitslohn, Lackierarbeiten sowie 19 Prozent Mehrwertsteuer. Die Kalkulation entspricht dem Niveau, das eine markengebundene Fachwerkstatt ansetzen würde.
Drei Szenarien, deutliche Unterschiede
Bewertet wurden ein Frontschaden mit Tausch von Stoßfänger und linkem Scheinwerfer sowie ein Heckschaden mit Ersatz des hinteren Stoßfängers, einschließlich Sensorik. Außerdem der Austausch der Windschutzscheibe nach Steinschlag. Bereits innerhalb derselben Fahrzeugklasse ergeben sich teils mehrere tausend Euro Differenz.
Beim Austausch der Windschutzscheibe liegen die Kosten fast durchgehend im vierstelligen Bereich. Hauptgrund ist die erforderliche Neujustierung der hinter der Scheibe montierten Kamerasysteme für Spurhalteassistent oder Fernlichtautomatik. Besonders teuer fällt der Eingriff beim VW Golf mit 2.473,99 Euro brutto aus. Am günstigsten ist im Vergleich das MG MG4 mit 955,44 Euro brutto. Einschränkend sei hier erwähnt, dass ein Glasschaden von der Kasko-Versicherung (ggf. mit Selbstbeteiligung) gedeckt ist.
Auffällig ist der Unterschied zwischen Suzuki Swace und Toyota Corolla. Beide Modelle sind technisch eng verwandt und laufen im selben Werk vom Band. Dennoch kostet der Scheibentausch beim Suzuki 2.125,59 Euro, beim Toyota 1.897,67 Euro.
Frontschäden als Kostentreiber
Deutlich größer sind die Unterschiede beim simulierten Frontschaden. Hier müssen Stoßfänger und linker Scheinwerfer ersetzt werden. Beim BMW 330e summiert sich die Reparatur auf 7.828,72 Euro brutto. Hintergrund ist der verbaute Laser-Scheinwerfer, der laut ADAC rund 3.300 Euro netto pro Stück kostet. Ein LED-Scheinwerfer würde den Betrag um rund 1.700 Euro netto reduzieren.
Auch der Volvo XC60 liegt mit 5.923,49 Euro im oberen Bereich. Günstiger fallen die Kosten beim Fiat 500 mit 3.087,82 Euro aus. Der MG MG4 kommt auf 3.568,03 Euro. Neben der Lichttechnik wirken sich hier modulare Bauweisen aus, bei denen komplette Einheiten ersetzt werden müssen, statt einzelne Komponenten tauschen zu können.
Heckaufprall mit Sensorik
Beim Heckschaden spielt die Sensorik eine zentrale Rolle. Radarsysteme und Steuergeräte sitzen häufig hinter dem Stoßfänger. Müssen diese ersetzt oder neu kalibriert werden, steigen die Kosten deutlich. Der Toyota Corolla erreicht in diesem Szenario 5.149,96 Euro brutto. Der VW Golf liegt bei 4.952,52 Euro.
Vergleichsweise niedrig bleibt das Tesla Model Y mit 2.801,25 Euro. Der Hersteller verzichtet im Heckbereich auf zusätzliche Radarsensoren und nutzt kamerabasierte Systeme. Der ADAC weist zudem darauf hin, dass einzelne Hersteller Reparaturen an Stoßfängern untersagen, wenn diese nachlackiert werden müssten. Begründet wird dies mit möglichen Beeinträchtigungen der Sensorik durch unterschiedliche Lackschichtdicken.
Auswirkungen auf Versicherungsprämien
Die Entwicklung wirkt sich nach Einschätzung des ADAC auch auf die Versicherungsbeiträge aus. Laut dem Vergleichsportal Verivox sind die Prämien für Neukunden von 2024 auf 2025 um 16 Prozent gestiegen. Innerhalb von drei Jahren beträgt der Anstieg rund 50 Prozent. Hohe Reparaturkosten erhöhen damit nicht nur die Werkstattrechnung, sondern mittelbar auch die laufenden Fahrzeugkosten.
Der ADAC fordert von den Herstellern eine stärkere Ausrichtung auf Reparaturfreundlichkeit. Einzelne Baugruppen sollten austauschbar konstruiert werden, statt komplette Module ersetzen zu müssen. Zudem wird eine kritische Prüfung kostenintensiver Technikoptionen angeregt.












