MBT Vision 2032: Den neuen Leopard 3 können wir auch alleine bauen!

MBT Vision 2032
Den Leopard 3 können wir auch alleine bauen

ArtikeldatumVeröffentlicht am 21.06.2026
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MBT Vision 2032 Panzer
Foto: PSM / KI generiertes Bild

Auf der Eurosatory 2026 wurde mit dem MBT Vision 2032 der PSM Projekt System & Management GmbH, ein 50:50-Joint-Venture von KNDS Deutschland und Rheinmetall erstmals ein Konzept vorgestellt, das zeigt, wie dieser Panzer aka Leopard 3 aussehen könnte.

Offiziell existiert die Bezeichnung Leopard 3 aktuell nicht. Hinter dem Konzept stehen jedoch genau jene Unternehmen, die auch die künftige Panzerentwicklung der Bundeswehr prägen sollen. Ziel ist ein System, das Anfang der 2030er-Jahre – wie der Name MBT (Main Battle Tank) Vision 2032 zeigt – verfügbar sein könnte und zahlreiche Technologien der nächsten Generation zusammenführt.

Größter Umbau seit dem Leopard 2

Wer einen Leopard 3 erwartet, der wie ein modernisierter Leopard 2 aussieht, dürfte enttäuscht werden. Das auf der Messe gezeigte Konzepte deutet auf einen deutlich größeren Entwicklungssprung hin. Das auffälligste Merkmal ist der unbemannte Turm. Anders als beim Leopard 2 sitzen Kommandant und Richtschütze nicht mehr neben der Kanone. Die gesamte Besatzung wird in einer geschützten Kapsel in der Fahrzeugwanne untergebracht.

Dadurch sinkt das Risiko für die Besatzung bei Treffern im Turmbereich. Gleichzeitig kann der Turm kompakter gebaut werden, da keine Arbeitsplätze mehr berücksichtigt werden müssen. Technisch orientiert sich dieses Konzept an Entwicklungen, die auch beim russischen T-14 Armata, aber auch beim MGCS sowie dem französischen "Übergangs-Panzer" CAPINT verfolgt wurden.

130-mm-Kanone ersetzt das NATO-Standardkaliber

Im Mittelpunkt der Entwicklung steht die neue Rheinmetall-Kanone Rh-130. Seit den 1980er-Jahren bilden 120-mm-Glattrohrkanonen den Standard westlicher Kampfpanzer. Die zunehmende Panzerung moderner Fahrzeuge und neue Bedrohungen haben jedoch den Wunsch nach mehr Leistung geweckt.

MBT Vision 2032 Panzer
PSM / KI generiertes Bild

Die Rh-130 soll rund 50 Prozent mehr Mündungsenergie erzeugen als die heutige 120-mm-L55A1 des Leopard 2A8. Das ermöglicht schwerere Pfeilgeschosse, höhere Geschwindigkeiten und größere Durchschlagsleistungen. Die neue Munition bringt allerdings einen Nachteil mit sich. Ein einzelner Schuss wiegt rund 30 Kilogramm. Ein klassischer Ladeschütze wäre damit langfristig überfordert. Deshalb wird der Leopard 3 voraussichtlich vollständig auf einen Autolader setzen.

Panther-Technik als Grundlage

Viele der Technologien existieren bereits heute im KF51 Panther von Rheinmetall. Das Modell wurde 2022 vorgestellt und dient als Technologiedemonstrator für die nächste Panzergeneration. Zahlreiche Lösungen könnten nahezu unverändert in einen Leopard 3 übernommen werden.

Dazu gehören:

  • 130-mm-Rh-130-Kanone
  • automatisches Ladesystem
  • digitale Feuerleitanlage
  • 360-Grad-Kamerasystem
  • Sensorfusion verschiedener Aufklärungssysteme
  • Drohnenanbindung
  • aktive Schutzsysteme

Der Panther beantwortet damit die Frage, welche Technik künftig verfügbar ist. Das MBT Vision 2032 zeigt dagegen, wie diese Technik in einem Bundeswehr-Kampfpanzer integriert werden könnte.

Sensoren statt Sehschlitze

Moderne Kampfpanzer entwickeln sich zunehmend zu mobilen Sensorknoten. Während frühere Panzerbesatzungen überwiegend durch Optiken und Periskope beobachteten, arbeitet die neue Generation mit einem Netzwerk aus Kameras, Wärmebildgeräten, Laserentfernungsmessern und Radarsensoren.

Der Leopard 3 soll entsprechend eine permanente Rundumsicht bieten. Die Besatzung könnte das Gefechtsfeld über Displays beobachten, ähnlich wie Piloten moderner Kampfflugzeuge. Zusätzlich werden Informationen anderer Fahrzeuge, Drohnen oder Aufklärungseinheiten direkt eingeblendet. Dadurch entsteht ein deutlich umfassenderes Lagebild als bei heutigen Kampfpanzern.

Drohnen als Teil des Waffensystems

Die Erfahrungen aus der Ukraine haben gezeigt, dass Drohnen inzwischen eine zentrale Rolle auf dem Gefechtsfeld spielen. Deshalb werden künftige Kampfpanzer nicht nur gegen Drohnen geschützt werden, sondern selbst Drohnen einsetzen können.

Diskutiert werden unter anderem:

  • Aufklärungsdrohnen für Ziele hinter Hügeln oder Gebäuden
  • Mikrodrohnen zur Nahbereichsaufklärung
  • Anbindung externer Drohnenschwärme
  • direkte Zielübermittlung an die Feuerleitanlage

Der Kampfpanzer wird dadurch zunehmend Teil eines vernetzten Systems und nicht mehr nur eine einzelne Plattform.

Neben der klassischen Panzerung gewinnt der aktive Schutz an Bedeutung. Dabei erkennen Sensoren anfliegende Geschosse und bekämpfen diese noch vor dem Einschlag. Für den Leopard 3 werden verschiedene Systeme untersucht, darunter Weiterentwicklungen des MUSS-Schutzsystems sowie neue Hardkill-Komponenten.

Was sind "MUSS" und "Hardkill"?MUSS steht für "Multifunktionales Selbstschutz-System" und wird bereits beim deutschen Schützenpanzer Puma eingesetzt. Das System erkennt, wenn ein Fahrzeug von einem Laser anvisiert wird oder eine Panzerabwehrrakete im Anflug ist. Anschließend setzt es automatisch Nebelkörper und Infrarot-Gegenmaßnahmen ein, um die Zielerfassung der Rakete zu stören. Anders als sogenannte Hardkill-Systeme zerstört MUSS die Bedrohung nicht, sondern versucht, sie vom Ziel abzulenken.

Die Kombination aus passiver Panzerung, elektronischen Gegenmaßnahmen und aktiver Abwehr soll insbesondere gegen Panzerabwehrraketen, Top-Attack-Munition (von oben angreifende Panzerabwehrmunition) sowie FPV-Drohnen (First Person View – ferngesteuerte Kamikazedrohnen) wirksam sein.

Warum die Entwicklung plötzlich so schnell vorangetrieben wird

Der eigentliche Treiber hinter dem Projekt ist die Zeit. Das MGCS soll nach aktuellem Stand frühestens in den 2040er-Jahren verfügbar sein. Für die Bundeswehr wäre das mehr als zwei Jahrzehnte nach den ersten Planungen. Zumal derzeit auch das Aus des Projekts möglich ist.

Gleichzeitig zeigen die Entwicklungen in der Ukraine, dass die Anforderungen an Kampfpanzer deutlich schneller wachsen als ursprünglich erwartet. Die Industrie arbeitet deshalb an einer Lösung, die wesentlich früher verfügbar ist und moderne Technologien bereits in den 2030er-Jahren bereitstellen kann.

Fazit