Volkswagen treibt seine Expansion in Zentralasien voran. Der Autokonzern setzt dabei allerdings nicht auf Fahrzeuge aus europäischen Werken, sondern auf Modelle aus chinesischer Produktion. Nur wenige Wochen nach dem Markteintritt in Usbekistan folgt nun Kasachstan: Auch dort will der Konzern sein Händlernetz ausbauen und gezielt in einem wachsenden Automarkt Fuß fassen.
Modelle von FAW-Volkswagen und Jetta
In Kasachstan arbeitet Volkswagen der "Automobilwoche" zufolge mit der Händlergruppe Orbis Auto zusammen. Zum Start sind zunächst sechs Standorte in größeren Städten geplant; perspektivisch soll das Netz bis 2030 auf bis zu 25 Filialen wachsen. Der Vertrieb erfolgt – wie bereits in Usbekistan – exklusiv mit Fahrzeugen, die in China gebaut werden. Zentralasien wird damit Teil einer Strategie, die China nicht nur als Absatzmarkt, sondern zunehmend auch als Exportdrehscheibe etabliert.
Zum Modellprogramm gehören anfangs vor allem Limousinen und SUVs: Aus dem Joint Venture FAW-Volkswagen stammen die SUV-Modelle Tayron und Talagon sowie die Limousinen Bora und Magotan (das China-Schwestermodell des Passat). Zusätzlich sollen Fahrzeuge der chinesischen Marke Jetta angeboten werden, darunter der VA7, VS7 und VS8. VW nutzt damit gezielt sein in China entwickeltes und produziertes Portfolio, um in neuen Märkten schnell präsent zu sein.
Der Schritt ist auch eine Reaktion auf veränderte Kräfteverhältnisse: In Kasachstan haben chinesische Hersteller wie Chery und Changan bereits früh Marktanteile aufgebaut. Schätzungen zufolge ist ihr Anteil dort binnen weniger Jahre von zwei auf rund 39 Prozent gestiegen. Die bisherigen Platzhirsche Hyundai, Kia und Chevrolet mussten entsprechend Marktanteile abgeben. Der kasachische Neuwagenmarkt selbst gilt als dynamisch. Zwischen 2021 und 2025 hat sich das Volumen fast verdoppelt; 2025 lag die Zahl der Neuzulassungen bei über 222.000.
Usbekistan und Kasachstan
Usbekistan mit der Hauptstadt Taschkent ist mit seinen etwa 36 Millionen Einwohnerinnen und Einwohnern das bevölkerungsreichste Land in Zentralasien. Die Nation gehörte früher zur sowjetischen Staatenunion und ist seit 1991 unabhängig. Schawkat Mirsijojew ist seit 2016 Präsident von Usbekistan und verfolgt einen Reformkurs hin zu einer weltoffenen Marktwirtschaft. Nördlich angrenzend liegt das flächenmäßig ungleich größere Kasachstan, das mit etwa 21 Millionen Einwohnern jedoch dünner besiedelt ist. Staatsoberhaupt ist seit 2019 Präsident Kassym-Schomart Tokajew. Allerdings gilt die Menschenrechtslage in der ehemaligen Sowjetrepublik als schwierig.
Nächste Ziele: Indien, Südostasien und Südamerika
Für VW ist die Zentralasien-Offensive mehr als ein regionales Projekt: Der Konzern sucht Wachstumschancen außerhalb der klassischen Kernmärkte Europa, China und USA – und koppelt diese Expansion an die Produktions- und Kostenvorteile seines China-Ökosystems. VW-China-Chef Ralf Brandstätter bezeichnet den Export entsprechend als "zentrale Säule" der China-Strategie. Weitere Zielregionen wie Indien, Südostasien und Südamerika hat Konzernchef Oliver Blume bereits als potenzielle nächste Märkte genannt.





