Niedrigster Stand seit 71 Jahren: Stellantis-Produktion in Italien

Stellantis-Produktion in Italien
Niedrigster Output seit 71 Jahren

ArtikeldatumVeröffentlicht am 08.01.2026
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Fiat 500 Hybrid Torino Sondermodell
Foto: Fiat

Im Jahr 2025 erlebte Stellantis einen dramatischen Rückgang der Fahrzeugproduktion in Italien. Nachdem die Gewerkschaft der italienischen Autobauer FIM Cisl bereits im ersten Quartal vor einem katastrophalen Rückgang gewarnt hatte, ist nun klar, dass das gesamte Jahr von massiven Einbrüchen geprägt war. Im Vergleich zu 2023 ist die Produktion um rund 20 bis 36 Prozent gefallen, was zu einem Niveau führt, das seit den 1950er Jahren nicht mehr erreicht wurde. Konkret ging beispielsweise die Produktion von Pkw um 24,5 Prozent auf 213.706 Exemplare gegenüber dem Vorjahr zurück. FIM-Cisl-Chef Ferdinando Uliano stellt erschüttert fest, dass dies der niedrigste Stand seit 1954 sei.

Schwache Marktnachfrage und Elektrofahrzeuge

Dabei war das Ergebnis sogar etwas besser als befürchtet: Die Einführung der Hybridversion des Fiat 500 im Werk Mirafiori sowie des Jeep Compass in Melfi im vierten Quartal 2025 trugen zwar zur Milderung des Rückgangs bei, konnten jedoch die dramatischen Einbrüche nicht vollständig ausgleichen.

Ein entscheidender Faktor für den Rückgang ist die anhaltend schwache Nachfrage auf dem europäischen Automobilmarkt, insbesondere im Bereich der Elektrofahrzeuge. Stellantis, der mit Abstand größte Automobilhersteller in Italien, hat in den vergangenen Jahren versucht, seine Produktionslinie auf Elektro- und Hybridmodelle auszurichten, aber die Marktnachfrage bleibt hinter den Erwartungen zurück.

Handelsbarrieren und Produktionsverlagerungen

Die Einführung neuer US-Zölle auf in Europa produzierte Autos hat zusätzliche Herausforderungen mit sich gebracht. Außerdem hatte der ehemalige Stellantis-Chef Carlos Tavares aus Kostengründen Teile der Produktion nach Marokko verlagert, was der italienischen Autobauer-Gewerkschaft besonders bitter aufstößt.

Ein weiterer Faktor ist die Verzögerung bei der Einführung neuer Modelle, speziell neue Versionen von Alfa Romeo Giulia und Stelvio sind bereits nach hinten verschoben. Diese Verzögerungen führen nicht nur zu kurzfristigen Produktionsengpässen, sondern gefährden auch die langfristige Wettbewerbsfähigkeit von Stellantis im hart umkämpften Automobilmarkt.

Fiat 500 Hybrid Torino Sondermodell
Fiat

Die Reaktion von Stellantis: Investitionen und neue Modelle als Hoffnungsschimmer

Stellantis setzt trotz der schwierigen Lage auf eine langfristige Erholung und hat Investitionen in Höhe von rund zwei Milliarden Euro in die italienischen Werke angekündigt. Diese sollen dazu beitragen, die Produktionskapazitäten zu stabilisieren und die Einführung neuer Modelle zu beschleunigen. Die Einführung von Modellen wie dem Lancia Gamma und einem Nachfolger für den DS7 (wahrscheinlich unter neuem Namen) in diesem Jahr sollen ebenfalls zu einer Erholung beitragen.

Der Produktionsstart des neuen Fiat 500 Hybrid und des Jeep Compass im vierten Quartal 2025 hat dazu beigetragen, einen Teil des Rückgangs zu kompensieren. Besonders das Werk in Turin-Mirafiori, in dem der Fiat 500 vom Band läuft, verzeichnete einen Produktionsanstieg, was den gesamten Rückgang der italienischen Stellantis-Produktion abmilderte.

Politische Unterstützung und Zukunftsperspektiven

Die italienische Ministerpräsidentin Giorgia Meloni hat Stellantis 2023 unter Druck gesetzt, ihre Produktion auf eine Million Fahrzeuge pro Jahr zu erhöhen – seitdem sinken die Produktionszahlen jedoch dramatisch. Ob Melonis Ziele realistisch sind, hängt nicht nur von Stellantis, sondern auch von der Markt- und Nachfragesituation ab.

Neben den internen Herausforderungen sieht sich Stellantis zunehmend mit der Konkurrenz von chinesischen Automobilherstellern wie BYD und Leapmotor konfrontiert. Diese bieten günstige Elektrofahrzeuge an und gewinnen zunehmend Marktanteile in Europa. Stellantis muss sich diesen neuen Akteuren stellen und gleichzeitig seine eigenen Elektrofahrzeuge weiterentwickeln, um konkurrenzfähig zu bleiben. So ist der Konzern inzwischen über Joint Venture Leapmotor International mit Leapmotor verbunden.

Fazit