Radpanzer Fenris: Was macht den 6x6 mit Riesen-Wumme so besonders?

Radpanzer Fenris
Was macht den 6x6 mit Spezial-Fahrwerk so besonders?

ArtikeldatumVeröffentlicht am 19.07.2026
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Statt auf ein großes 8×8-Fahrwerk setzt der Hersteller auf eine kompaktere 6×6-Plattform und kombiniert diese mit einer Bewaffnung, die normalerweise deutlich schwereren Fahrzeugen vorbehalten ist. Genau diese ungewöhnliche Kombination macht den Fenris technisch interessant.

Nach Angaben des Unternehmens handelt es sich um das einzige derzeit verfügbare 26 Tonnen schwere 6×6-Gefechtsfahrzeug mit einer NATO-Hochdruckkanone im Kaliber 105 Millimeter.

Drei Achsen statt vier stellen die Konstrukteure vor neue Aufgaben

Radpanzer mit einer 105-mm-Kanone sind grundsätzlich keine Neuheit. Der italienische Centauro, der japanische Type 16 oder der südafrikanische Rooikat setzen ebenfalls auf diese Bewaffnung. Gemeinsam haben sie jedoch, dass sie auf einem 8×8-Fahrwerk basieren.

Der Fenris geht einen anderen Weg. Statt vier Achsen besitzt das Fahrzeug nur drei. Das spart Gewicht und verbessert die strategische Mobilität, stellt die Entwickler aber gleichzeitig vor deutlich größere konstruktive Herausforderungen.

Eine Hochdruckkanone erzeugt beim Schuss erhebliche Rückstoßkräfte. Bei einem 8×8-Fahrzeug verteilen sich diese Belastungen auf vier Achsen und einen längeren Fahrzeugrahmen. Ein 6×6 muss dieselben Kräfte mit weniger Achsen aufnehmen. Fahrwerk, Rahmen und Aufhängung werden dadurch deutlich stärker beansprucht. Genau deshalb finden sich großkalibrige Geschütze bisher überwiegend auf größeren Radpanzern oder Kettenfahrzeugen.

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John Cockerill betont deshalb ausdrücklich, dass Arquus für den Fenris ein vollständig neues Fahrgestell entwickelt hat. Obwohl der Radpanzer äußerlich an den französischen EBRC Jaguar erinnert, handelt es sich laut Hersteller nicht um dessen Plattform.

Das Fahrwerk ist besonders

Die eigentliche Besonderheit des Fenris liegt deshalb weniger in der Kanone als im Fahrwerk. Arquus entwickelte das komplette 6×6-Chassis speziell für dieses Fahrzeug. Für den Antrieb sorgt ein 500 PS starker Dieselmotor.

Zum Fahrwerk gehört eine aktive hydropneumatische Federung. Sie kann die Bodenfreiheit verändern und die Fahrzeuglage gezielt anpassen. Der Fahrer kann den Radpanzer anheben oder absenken und ihn je nach Gelände nach vorne oder hinten neigen. Davon profitiert nicht nur die Geländegängigkeit. Der Fenris kann dadurch auch sogenannte Hull-down-Stellungen einnehmen. Dabei verschwindet die Fahrzeugwanne weitgehend hinter einer Geländekante, während lediglich der Turm sichtbar bleibt. Diese Taktik ist vor allem von modernen Kampfpanzern bekannt und erhöht den Schutz der Besatzung erheblich.

Ergänzt wird das Fahrwerk durch eine zentrale Reifendruckregelanlage. Sie erlaubt es, den Luftdruck während der Fahrt an unterschiedliche Untergründe anzupassen und so Traktion und Fahreigenschaften zu verbessern.

Leichter Turm ermöglicht die große Kanone

Ebenso wichtig ist der neu entwickelte Turm. Der Cockerill 3105 gilt nach Herstellerangaben als der leichteste serienreife 105-mm-Turm auf dem Markt. Gerade dieses geringe Eigengewicht dürfte entscheidend dafür gewesen sein, die Kanone überhaupt auf einer 26 Tonnen schweren 6×6-Plattform unterzubringen. Die Hochdruckkanone ist mit sämtlicher NATO-Standardmunition kompatibel und kann sowohl panzerbrechende als auch hochexplosive oder Rauchmunition verschießen.

Was bedeutet Kaliber 105 mm?Das Kaliber 105 Millimeter bezeichnet den Innendurchmesser des Kanonenrohrs und damit den Durchmesser der verschossenen Geschosse. Es gehört zu den großkalibrigen Waffen im Landkampf und wird seit Jahrzehnten auf Kampfpanzern sowie Feuerunterstützungsfahrzeugen eingesetzt. Gegenüber den 30- oder 40-Millimeter-Kanonen moderner Schützenpanzer verschießt eine 105-mm-Kanone deutlich größere und leistungsfähigere Munition. Dadurch eignet sie sich unter anderem zur Bekämpfung gepanzerter Fahrzeuge, Feldbefestigungen und anderer stark geschützter Ziele.

Hinzu kommen eine Zwei-Achsen-Stabilisierung und ein digitales Feuerleitsystem mit KI-gestützter Zielerkennung. Dadurch sollen Ziele auch während der Fahrt schneller erkannt und bekämpft werden können.

Zwischen Schützenpanzer und Kampfpanzer

John Cockerill sieht den Fenris nicht als Ersatz für einen modernen Kampfpanzer. Stattdessen soll das Fahrzeug eine Lücke schließen, die viele Streitkräfte zwischen klassischen Schützenpanzern und schweren Kampfpanzern sehen. Aufklärungsverbände oder mittlere Brigaden verfügen häufig über hohe Mobilität, aber nur begrenzte Feuerkraft. Mit seiner 105-mm-Kanone soll der Fenris unter anderem gepanzerte Fahrzeuge, Feldbefestigungen, Gebäude oder Infanteriestellungen direkt bekämpfen können, ohne Gewicht und logistischen Aufwand eines Kampfpanzers mitzubringen.

Mit einem Gefechtsgewicht von 26 Tonnen bleibt der Radpanzer deutlich leichter als moderne Kampfpanzer, die häufig mehr als 60 Tonnen wiegen. Der Fenis kann außerdem mit einem Airbus A400M transportiert werden.

Drohnenabwehr gehört zur Grundausstattung

Die Erfahrungen aktueller Konflikte spiegeln sich auch in der Ausrüstung wider. Auf dem Turm kommt eine neue Version des Hornet-S-Kommandantensystems zum Einsatz. Es kombiniert Beobachtungstechnik, ein fernbedienbares 7,62-mm-Maschinengewehr sowie Sensoren zur Erkennung kleiner Drohnen.

Dadurch übernimmt das System mehrere Aufgaben gleichzeitig und benötigt weniger Platz auf dem Turmdach als mehrere separate Komponenten.

Fazit