Die Antriebseinheit erreicht nach Angaben des Unternehmens mehr als 1.400 Kilowatt Leistung und wurde für die nächste Generation schwerer militärischer Kettenfahrzeuge entwickelt. Perspektivisch könnte die Technik auch bei zukünftigen Kampfpanzerprogrammen wie dem Main Ground Combat System (MGCS) zum Einsatz kommen.
Der neue Antrieb soll nicht nur für die Fortbewegung eines Fahrzeugs sorgen. Moderne Kampf- und Gefechtsfahrzeuge benötigen zunehmend elektrische Energie für Sensoren, Kommunikationssysteme, Schutzsysteme und weitere elektronische Ausrüstung. Das Power-Pack Xelerate wurde deshalb als Kombination aus Antrieb und Energieversorgung entwickelt.
Rolls-Royce verweist in diesem Zusammenhang ausdrücklich auf Programme wie MGCS. Das deutsch-französische Vorhaben soll langfristig Leopard 2 und Leclerc ablösen. Ob das neue Power-Pack später tatsächlich in einem solchen Fahrzeug eingesetzt wird, ist indes offen – auch weil das MGCS-Projekt derzeit auf der Kippe steht.
Power und Gewicht im Fokus
Herzstück des Power-Pack Xelerate sind der Zehnzylinder-Dieselmotor mtu 10V 199 sowie das elektrifizierte Getriebe ZF eLSG 5000 von ZF. Die Diesel-V10 schöpft aus seinen 19,9 Liter Hubraum 1.100 kW. Die Hybridarchitektur soll dabei nicht nur zusätzliche Leistung bereitstellen, sondern auch die Integration weiterer elektrischer Verbraucher erleichtern. Dazu zählen unter anderem Sensorik, Kommunikationsanlagen und aktive Schutzsysteme.
Neben der Leistung steht vor allem das Fahrzeuggewicht im Fokus der Entwicklung. Nach Angaben von Rolls-Royce die Antriebseinheit das Gewicht künftiger Kettenfahrzeuge auf rund 54 Tonnen zu senken. Damit würden sie in die MLC-60-Klasse fallen.
Zum Vergleich: Ein Leopard 2A8 wiegt je nach Ausführung rund 67 Tonnen. Auch zahlreiche andere westliche Kampfpanzer überschreiten inzwischen die Marke von 60 Tonnen deutlich. Ein geringeres Gewicht kann den strategischen Transport erleichtern und die Zahl nutzbarer Brücken und Verkehrswege erhöhen.
Was ist eine MC-Klasse?Die MLC-Klasse (Military Load Classification) ist ein NATO-System zur Einstufung militärischer Lasten. Sie hilft Streitkräften dabei zu beurteilen, ob Brücken, Fähren oder andere Verkehrswege von einem Fahrzeug genutzt werden können. Die MLC-Zahl entspricht dabei nicht direkt dem Fahrzeuggewicht. Eine Einstufung in die MLC-60-Klasse steht bei Kettenfahrzeugen jedoch ungefähr für ein Gewicht von rund 54 Tonnen.
Erste Prototypen noch vor 2030 geplant
Das neue Antriebssystem verfügt über eine vollständig elektronische Steuerung. Dadurch können einzelne Komponenten flexibler im Fahrzeug angeordnet werden. Zudem schafft die Architektur technische Voraussetzungen für künftige teilautonome und unbemannte Plattformen.
Erste Prototypen erwartet Rolls-Royce noch vor Ende dieses Jahrzehnts. Eine mögliche Serienfertigung sieht das Unternehmen für Fahrzeugprogramme der 2030er Jahre vor. Anders als bei herkömmlichen Antriebspaketen werden Motor, Getriebe, Stromversorgung und Steuerung als Gesamtsystem entwickelt. Für die Systemarchitektur und die Integration der einzelnen Komponenten ist Rolls-Royce Power Systems in Friedrichshafen verantwortlich.
Die mtu-199-Baureihe soll zur gemeinsamen Plattform werden
Mit dem Power-Pack Xelerate verfolgt Rolls-Royce eine größere Strategie. Die bisherige mtu-199-Baureihe soll schrittweise zu einer einheitlichen Antriebsplattform für militärische Landfahrzeuge ausgebaut werden. Geplant sind Varianten mit sechs, acht, zehn und zwölf Zylindern, die einen Leistungsbereich von 260 bis 1.350 Kilowatt abdecken.

Die mtu-199-Baureihe vom Sechs- bis zum Zwölfzylinder.
Nach Angaben des Unternehmens wurden bereits mehr als 4.500 Motoren der Baureihe ausgeliefert. Die Antriebe kommen unter anderem in Fahrzeugen wie dem Boxer, dem ASCOD, der Mehrzweckplattform ACSV sowie dem polnischen Schützenpanzer Borsuk zum Einsatz. Rolls-Royce verspricht sich davon eine stärkere Standardisierung bei Wartung, Ersatzteilen und Logistik über verschiedene Fahrzeugklassen hinweg.





