Eine Rückrufaktion in Nordamerika entwickelt sich für VW zum Riesenproblem. Ende 2025 wurde eine erste Aktion durch die US-Behörde National Highway Traffic Safety Administration (NHTSA) ausgelöst, die zunächst lediglich 311 Modelle des Elektro-SUV betraf. Grund war die Gefahr von Überhitzung und Bränden der Traktionsbatterie. In einer neuen Kampagne vom 21. Januar 2026 weitet die Verkehrssicherheitsbehörde diese Rückrufaktion erheblich aus.
Nur ID.4 in Nordamerika betroffen
Potenziell betroffen sind nun in den USA 43.881 Fahrzeuge aus dem Produktionszeitraum vom 2. September 2022 bis zum 10. April 2025. Weitere 8.526 ID.4 aus der US-Produktion sind in Kanada von der Aktion betroffen. Hintergrund ist eine Produktionsabweichung bei der Batterieherstellung: In den betroffenen Modulen waren Elektroden verrutscht. Kunden könnten Reichweiten- oder Leistungsabfall bemerken, falls der Fehler vorhanden ist.
Obwohl die genaue Ursache der gemeldeten Überhitzungs- und Brandfälle bislang nicht eindeutig geklärt ist, hat Volkswagen of America seine Händler landesweit angewiesen, bei allen ID.4-Modellen ohne eine spezielle Selbstentladungs-Erkennungs-Software eine Batteriezustandsprüfung durchzuführen. Über die OBD-II-Schnittstelle wird dabei ein Software-Update aufgespielt. Falls bei der Überprüfung fehlerhafte Batteriemodule festgestellt werden, werden diese kostenlos für die betroffenen Kunden ersetzt.
Mehrere Brände
Volkswagen USA erfuhr erstmals am 18. Januar 2024 von dem Problem, nachdem an einer Schnellladestation in den USA ein Brandfall gemeldet wurde. Eine weitergehende Untersuchung begann, nachdem am 2. Juli 2024 in Kalifornien ein weiterer ID.4 beim Parken in Brand geriet. Weitere ähnliche Vorfälle ereigneten sich 2024 in Kalifornien und Utah. Eine eingehende Analyse im Jahr 2025 ergab schließlich ein Problem bei einem Zulieferer.
Bei der Analyse der Batterie stellte sich heraus, dass verschobene Elektroden eine mögliche Ursache für die Selbstentzündung waren. Im Verlauf der Untersuchung prüfte Volkswagen frühere Brandfälle mittels CT-Scans — und fand dort dieselbe Fehlstellung in den Batteriezellen. Deshalb ordnete VW gemeinsam mit dem Batteriehersteller den Rückruf an: alle betroffenen Batterie-Zellmodule sollen ersetzt werden.
Im Freien parken
Bis zur Reparatur rät Volkswagen den Haltern dringend, ihre Fahrzeuge nur im Freien zu parken, nach dem Laden nicht über Nacht in Garagen stehen zu lassen, das Laden auf maximal 80 Prozent zu begrenzen und keine DC-Schnellladungen durchzuführen.
Das Volkswagen Group of America Chattanooga Operations LLC in Chattanooga, Tennessee, ist der einzige US-Produktionsstandort von VW und dient als Nordamerika-Zentrum für Elektrofahrzeuge. VW baut den ID.4 für den US-Markt seit 2022 in Chattanooga. Das Werk liegt rund 200 km südöstlich von Nashville und umfasst Karosserie-, Lackier- und Montagehallen sowie ein Batterie-Engineering-Lab.
Die Batteriezellen für den ID.4 in den USA bezieht VW vom Zulieferer SK Battery America, ein Tochterunternehmen des südkoreanischen Batterieherstellers SK On. Die ID.4-Modelle für den deutschen Markt werden in Zwickau und Emden produziert und sind daher nicht von diesem US-Rückruf betroffen.












