Stillstand bei Stellantis-Produktion: Italienisches Werk in der Dauerkrise

Stillstand bei Stellantis-Produktion
Italienisches Werk in der Dauerkrise

ArtikeldatumVeröffentlicht am 02.03.2026
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Im südlichen Latium, zwischen Rom und Neapel, produziert das Stellantis-Werk in Cassino seit Jahrzehnten Fahrzeuge für Alfa Romeo und Maserati. Der Standort gilt als technologisch anspruchsvoll und spezialisiert auf sportliche Premiummodelle. Aktuell laufen dort Alfa Romeo Giulia und Stelvio sowie der Maserati Grecale vom Band. Theoretisch. Denn im Januar 2026 lief die Produktion dort nach Angaben italienischer Medien lediglich an vier Tagen. Rocco Palombella, Generalsekretär der italienischen Metall-Gewerkschaft, sieht aktuell keine klare Perspektive für eine Normalisierung der Fertigung.

Dauer-Stillstand

In den letzten Jahren häuften sich in Cassino die Ausfalltage. 2025 verzeichnete das Werk über 100 Tage Stillstand, die Jahresproduktion lag bei nur 19.000 Einheiten. Hauptgrund für die schlechte Auslastung ist die veränderte Strategie von Stellantis. Die Verschiebung der Stelvio/Giulia-Nachfolgemodelle zwingt Cassino in die Warteschleife. Der neue Stelvio sollte ursprünglich 2025 als reines Elektroauto starten, doch Stellantis legte diesen Plan auf Eis. Italienische Medien berichten, dass deshalb kein klarer Industrieplan für Cassino existiert. Ende 2025 wurde die Fertigung mehrfach eingestellt, die Produktionsstopps verlängerten sich ins neue Jahr.

Dieser Produktionsausfall betrifft natürlich nicht alleine das Stellantis-Werk selbst, sondern auch die örtlichen Zulieferfirmen und Dienstleistungs-Unternehmen. Und Cassino ist nicht alleine, die gesamte Pkw-Produktion der ehemaligen Fiat-Fabriken im Stammland Italien ist im Krisenmodus. Im Vergleich zu 2023 brach die Fertigung um bis zu 36 Prozent ein, ein Niveau wie zuletzt in den 1950er-Jahren. Die Pkw-Produktion sank um 24,5 Prozent auf 213.706 Einheiten. Besonders betroffen war das Werk in Turin (Mirafiori), während auch Modena drastische Einbrüche verzeichnete.

Europaweit im Krisenmodus

Zusätzlich zu den italienischen Standorten kämpft Stellantis europaweit mit schwacher Auslastung der Fabriken. In Frankreich, Spanien und anderen Ländern wurden zuletzt zeitweise Produktionspausen wegen gesunkener Nachfrage eingelegt. Im polnischen Stellantis-Werk Tychy, wo unter anderem der Jeep Avenger vom Band läuft, wurde zuletzt drastisch auf die Bremse getreten. Nach längerer stabiler Auslastung wurden 2025 Produktionspausen eingelegt, Anfang 2026 folgte ein Massenentlassungsverfahren mit zunächst 320 betroffenen Beschäftigten und bis zu 700 gefährdeten Stellen. Zudem stellte der Konzern im März 2025 die Fertigung des gemeinsam mit Leapmotor entwickelten Elektro-Kleinwagens T03 in Tychy nach kurzer Zeit wieder ein.

Von temporären Produktionsstopps waren 2025 außerdem unter anderem das Werk Poissy in Frankreich mit Modellen von Peugeot, Citroën und Opel sowie das Opel-Werk Eisenach betroffen. Auch die spanischen Standorte Zaragoza und Madrid mit Produktionen für Opel, Peugeot und Citroën unterbrachen ihre Fertigung zeitweise für mehrere Tage bis zu zwei Wochen.

Entscheidung im Mai

Wie es mit den Werken in Italien weitergeht, wird noch eine wochenlange Hängepartie. Erst am 21. Mai 2026 will der neue Stellantis-CEO Antonio Filosa den ersten Industrieplan nach dem Ausscheiden von Ex-Chef Carlos Tavares vorstellen. Dass dieser Investoren-Tag nicht in Europa, sondern in Detroit stattfinden wird, sendet allerdings bereits vorab ein gewisses Signal zur zukünftigen Ausrichtung des Konzerns und seiner bislang 15 Marken.

Fazit